Das ist ein Thread, in dem auch ich mich wiederfinde. Früher bei fast jeder Partys dabei und durch Schule, Sport etc. ein bunter Mix aus oberflächlichen und tiefgründig(er)en Kontakten - da waren viele Nuancen dabei. Wie k.o. ich manchmal war und doch hat man durchgezogen und Spaß gehabt.
Den hab ich jetzt auch noch, aber eben auf andere Weise. Mir sind Menschen suspekt, die mit Ü50 noch einen riesigen Freundeskreis zu haben vorgeben. Ich stelle dann oft fest, dass wir den Begriff Freund schon allein sehr unterschiedlich definieren und dass mich ganz andere Dinge zufrieden machen. Ich will nicht zeigen müssen, was ich kann und habe. DieserWettbewerb, das gesellschaftliche Diktat, dem sich viele unterwerfen, finde ich regelrecht abstoßend.
Die Anzahl meiner Herzensmenschen, die ich Freunde nenne, ist überschaubar. Ich treffe mich aufgrund meiner Hörschädigung am liebsten einzeln und in ruhigem Ambiente und auch nicht allzu oft, dennoch regelmäßig. Dann genieße ich das Beisammensein, es müssen aber schon lange keine Stundenmarathons mehr sein. Oft sind es 2-3 Stunden und die Wege trennen sich wieder für eine Weile. Ich fühle mich gut und zufrieden danach, nie erschöpft oder genervt.
Und dann, ja, dann fahre ich heim zu meinem Mann. Dass es den gibt als verlässliche Konstante trägt sicherlich auch dazu bei, dass ich mit weniger sehr ausgewählten Menschen so zufrieden bin.
Allein dass er nur da ist - wir müssen oft noch nicht einmal viel reden. Und ja, ich kann mich auch sehr gut allein beschäftigen und genieße das.
Für mich taugen ganz viele Erklärungen hier für diesen veränderten und quantitativ reduzierten Anspruch: Reife, Gesundheit (und die damit zusammenhängende Belastbarkeit (übrigens das Einzige, bei dem ich ein wenig traurig bin, nicht mehr 20 Jahre jünger zu sein), Menopause, Job im Dienste für Mitarbeiter und damit vielen sozialen Kontakten, vor allem aber eben auch mein kostbares Gut der eigenen kleinen Familie, der ich viel Zeit gewidmet habe. Da bin ich gespannt, wie es sich auf mich auswirkt jetzt, nachdem die Tochter in anderer Stadt studiert und lebt. Im Moment füllt sich das Zeitfenster irgendwie wie von Geisterhand selber.
Ich gehöre auch nicht zu denen, die noch schnell neue Kontakte knüpfen. Witzig ist, dass ich ausgerechnet in diesem Forum jemanden neu kennengelernt habe, bei dem/der das anders war und dessen/deren virtuelle Gesellschaft ich sehr wertschätze. Irgendwann treffen wir uns auch noch persönlich, da bin ich sicher. 😊 Und da sind wir dann auch bei der Qualität meiner Kontakte. Ich hasse nichts so sehr wie Oberflächlichkeit - eigentlich ist genau das mein Auswahlkriterium, um Menschen in mein Leben zu lassen. Ich brauche Counterparts, die einen ähnlichen Humor haben und über dieselben Dinge lachen können, die aber genauso ein offenes Ohr haben, wenn ich mich mal auskotzen will. Menschen mit Tiefe. Und mir ist Wechselseitigkeit wichtig. Ich gebe auch gern.
Für mich ist eindeutig weniger mehr. Da bin ich mit den Jahren konsequenter und selektiver geworden.