hi pasquale!
Diese Arroganz besaß ich auch früher, auch ich war so von mir überzeugt.
Im Leben kann sich viele schnell ändern, dann wird man schnell kleinlaut und bescheiden. Wen du wüsstest wie einfältig wir Menschlein im Grunde sind, wir sind nicht der Mittelpunkt des Universums. Das zu erfahren wird dir wohl nicht erspart bleiben.
darf ich dir stellvertretend für die forumsleitung hiermit das goldene schumi-kinn für den eigentorverdächtigsten gebrauch des wörtchens "arroganz" verleihen?
😉
lustigerweise kenne ich jemanden, der fast exakt so salbungsvoll wie du über seine bekehrung zum atheismus spricht (er ist anfang 70). gibt ja genügend leute, die als atheisten sterben. waren die nicht kleinlaut und bescheiden genug?
ich persönlich halte mich weder für kleinlaut noch für bescheiden, auch nicht für den mittelpunkt der welt (obwohl sie sich manchmal um mich dreht, häufig sonntagmorgens um 4) und nur für mäßig einfältig. ich weiß, daß man seine meinungen und standpunkte mit wachsender erfahrung ändern kann, halte es aber für sehr unwahrscheinlich, daß auch eine sehr extreme erfahrung mich zur religiosität bekehren könnte. dazu ist der atheismus im laufe meines bisherigen lebens viel zu sehr ein selbstverständlicher bestandteil meiner persönlichkeit geworden. er ist mein glaube, wenn du so willst, denn m.m.n. ist es unmöglich,
nicht an irgendwas zu glauben.
die verlockung des glaubens ist doch immer dann besonders groß, wenn man etwas nicht weiß, oder? früher, als das wissen der menschen über die natur und auch über ihr eigenes wesen noch geringer war, waren sie weit gläubiger als heute - die krichen nannten das dann gerne "aberglaube", aber im prinzip waren die geister, trolle und dämonen ebenso wie der institutionell geförderte chefgott manifestationen des nichtwissens, "joker" des gehirns und des kollektivbewußtseins (heute vergleichbar mit sog. "urban legends"). mit der zeit und zunehmendem wissen verschwanden die meisten, nur die am stärksten von ihren interessengruppen geförderten "joker" blieben übrig. so gesehen sind auch götter einer evolution unterworfen, die sich den umständen ihres lebensraumes (den menschlichen gehirnen) anpassen muß
😉.
das habitat des jokers wird mit zunehmendem wissen also kleiner. solange wir nicht viel über die anfänge des universums wissen (bzw. solange das, was darüber bekannt ist, entweder für nichtexperten zu schwer verständlich ist, weil quanten drin vorkommen, oder aber weil urban legends und joker für das menschliche durchschnittshirn einfach "leckerer" zu konsumieren sind), hat gott seinen platz, da man einfach sagen kann "wie sonst soll man es erklären?" daß das eine ziemlich alberne rhetorische frage ist, merkt man spätestens in dem moment, wo man den joker (gott) einmal in die rechnung einfügt und dann wieder rausnimmt: ups, da ändert sich ja gar nichts! erst weiß man nicht, was vor dem universum war, dann setzt man den joker ein und weiß halt nicht, was vor dem joker war.
vermutlich ist das konzept "glaube", ähnlich wie das konzept "sinn" einfach eine bestimmte fähigkeit, die das hirn besitzt. mit welchem inhalt sie dann konkret gefüllt wird ist fast egal, hat darkside ja auch ganz gut beschrieben. hat wohl irgendwas mit der überlebensnotwendigen fähigkeit zu tun, muster erkennen zu können.
es ist übrigens sehr spaßig, wie "mehrheitsbedürftig" so ein glaube ist, um als normal akzeptiert zu werden.
genaugenommen ist es ja egal, wie man den joker seiner wahl zu nennen beliebt. gott, allah, manitu, fliegendes spaghettimonster. nur: wenn hie rirgendjemand
ernsthaft (und nicht zb. im rahmen irgendwelcher germanischer jugendgruppenbewegungen o.ä.) an odin und thor glauben würde und diese genauso verehren/anbeten würde wie moslems und christen ihren gott, dann würde man ihn, wenn nicht für geistig verwirrt, doch zumindest für etwas schräg halten. wohingegen der mainstream-gottesglaube zwar keinen deut rationaler ist, aber da so viele daran glauben, wird der gläubige als normal akzeptiert. und vermutlich ist das gar nicht mal falsch, denn normalität (geistige solche) kann man durchaus mit der bereitschaft zu abweichendem verhalten beschreiben, aber das würde jetzt zu weit führen
😉.
dies waren ein paar unlizensierte und kostenfrei verfügbare theologische überlegungen von
denYo