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Ich fühle mich einsam...

Bandit71

Neues Mitglied
Seit 2013 wurde bei mir Diabetes diagnostiziert, seit anfang 2016 multiple Sklerose. Inzwischen bin ich als schwerbehindert eingestuft (70G). Ich lebe alleine. Und seit einigen Jahren trinke ich, inzwischen jeden Tag ca. eine drittelflasche Whisky und 3 bis 4 Bier. Das aber immer abends, bekommt niemand mit. Außerdem rauche ich ca. 40 Zigaretten pro Tag. Ich zerstöre mich selbst. Früher war ich kontaktfreudig, heute sitze ich nur noch zu Hause, habe auf nichts mehr Lust. Ich gehe nur noch ausser Haus zu Arztbesuchen und zum Einkaufen. Einmal im Monat besuche ich meine Eltern für ca. 1 Woche. Da verstelle ich mich immer. Wie schlecht es mir wirklich geht, weiß niemand.
 
Was Du beschreibst, liest sich wie jahrelange Überforderung und ein erschöpfter Rückzug. Zwei schwere Erkrankungen, Alleinleben, kaum Entlastung – das hinterläßt Spuren.

Auffällig ist, wie sehr Du Dich aus dem Leben zurückgezogen hast: kaum Kontakte, kaum Bewegung nach aussen, ständiges Verstellen. Das hält auf Dauer niemand aus. Das Trinken und Rauchen wirken dabei eher wie Betäubung als wie Genuß.

So, wie es jetzt läuft, stehst Du still und zahlst jeden Tag einen hohen Preis dafür – körperlich und seelisch. Irgendwo müßte Ehrlichkeit anfangen, bei einem Arzt, einer Beratungsstelle oder einer anderen Stelle, die das aushält und ernst nimmt.

Daß Du das hier so klar benennen kannst, zeigt aber auch, daß noch etwas in Dir ist, das gesehen werden will. Das ist mehr, als es sich für Dich im Moment vermutlich anfühlt. Wenn Du magst, schreib gern weiter, wie Dein Alltag konkret aussieht und was Dir am meisten fehlt.
 
Mein Alltag... ich schlafe häufig bis zum frühen Nachmittag. Und dann schlafe ich erst wieder morgens gegen 5 Uhr ein. Nur bei Terminen schlafe ich nicht so lange. Am Nachmittag schaue ich TV und sitze am PC. Bis zum nächsten Morgen. Aufgrund der MS leide ich an Fatigue, aber immer zur falschen Zeit. Im Moment darf ich mich wenig bewegen, schon seit über einem Jahr. Eine ehemalige Blase am rechten Fuß will nicht verheilen, könnte an der Diabetes liegen. Ich komme selten auf 3000 Schritte täglich. Oft 0 Schritte, weil ich in der Wohnung das Handy nicht mit mir rumtrage. Ich kann mich auch zu nichts aufraffen, meine Wohnung sieht aus wie ein Saustall, daher sind mir Besucher eher unangenehm. Ich bringe einfach nichts mehr zustande...
 
Daß Du das hier so klar benennen kannst, zeigt aber auch, daß noch etwas in Dir ist, das gesehen werden will.

Hallo lieber TE,

... das sehe ich auch so, da du dich hier meldest... versuche doch bei deinem Arzt oder bei einer Beratungsstelle Kontakt aufzunehmen, damit du Vorschläge bekommst um wieder etwas Lebensfreude zu erlangen.
 
Mit diesem Zigarettenkonsum gehst du ein hohes Risiko ein COPD zu bekommen und dazu kann ich dir sagen, dass du dir damit die Hölle auf Erden bescherst.

Ich empfehle dir eine Therapie, damit du die Kompensation mit Alkohol und Zigaretten nicht mehr brauchst und die Abhängigkeit davon angehen kannst. Natürlich sollte da das Thema Einsamkeit mit bearbeitet werden, aber ich gehe davon aus, dass der Therapeut das macht.
 
Früher war ich kontaktfreudig, heute sitze ich nur noch zu Hause, habe auf nichts mehr Lust.
Was außer den Diagnosen ist in den letzten 10-15 Jahren passiert?
Diabetes und MS sind Erkrankungen, mit denen man nicht allein bleiben muss. Die Betroffenen sind gut vernetzt, es gibt viele Selbsthilfegruppen, Fachforen etc.
Warum möchtest du da nicht mittun?
Hast du einen persönlichen Verlust erlitten?
Was müsste passieren, damit du wieder Lust am Leben erspüren kannst?
(Hast du dich in dieser Hinsicht bereits deinem Hausarzt anvertraut? Es ist durchaus legitim, sich für eine betimmte "Starterzeit" medikamentöse Unterstützung zu suchen.)
 
Und seit einigen Jahren trinke ich, inzwischen jeden Tag ca. eine drittelflasche Whisky und 3 bis 4 Bier. Das aber immer abends, bekommt niemand mit. Außerdem rauche ich ca. 40 Zigaretten pro Tag. Ich zerstöre mich selbst.
Für dich ist der Griff zum Whisky und zum Tabak, wie wenn du dich betäuben willst, oder? Da fühlst du dieses Los nicht mehr so schrecklich, das werden deine Pflaster sein auf deine gefühlten Wunden. Ich würde da nicht so streng sein und ebenso- statt leiden- meine "Hausmittel" weiter anwenden.

Ich war mal wegen der Erkrankung einer nahen Verwandten bei einem Vortrag, wo es um Schmerz ging und der richtige Umgang damit. Man empfahl, es sich so leicht wie möglich zu machen, vorher schon Mittel nehmen, bevor der Schmerz so richtig hoch kommt.

Ich mach auch nicht anders, ich betäube mich mit meinen Hausmittel- ich suche nach Ablenkungen, geh in die Natur, knutsch mich fröhlich, schau immer, dass ich abgelenkt bin und Ziele im Visier hab, die mich davon abhalten, die Grausamkeiten zu bemerken, das Zusetzen des Altwerdens, des Zerfalls, der üblichen Zersetzung unseres Menschseins.

Wir leben nicht ewig und was auch immer passiert, wir müssen damit klar kommen. Regen wir uns auf, dass es regnet, regnet es trotzdem.
 
Sche****, aber wir sitzen irgendwie im selben Boot. Auch ich hab aufgegeben innerlich, trinke zuviel und gehe nicht mehr raus.
Und jeder Wille zur Veränderung fehlt - aber wie ist das bei dir, Bandit71?
Du schreibst hier - also ist da ja noch so etwas wie Hoffnung, wie ein Wunsch nach Veränderung. Oder sehe ich das falsch?
 
Mein Ex liegt gerade mit 35 Kilo Lebendgewicht bei einem Meter achzig im KH.
Ich mach ihm inzwischen die Wohnung wieder top, die hat er gröblich vernachlässigt.
Wenn er daheim ist, lässt er ununterbrochen den Fernseher laufen, ein Indiz, dass er sich so weniger alleine fühlt, weniger Panik hat vom Alleinsein. Er trinkt Bier und inzwischen reicht schon eins bei seinem Gewicht, dass er beduselt ist. Er bestellt viel aus dem Internet, hat viel vor, macht viel, übt viele Hobbies aus, imkert, kocht, backt für seine Truppe rundherum Kuchen und Torten, ist stets irgendwo dabei- durch Grippe war das eine Weile wieder anders, sofort ist er abgerutscht, sofort kam er wieder ins Tief, von dem er sich gut abhalten konnte mehrere Jahre wieder.
Er ist nicht der Typ, den man alleine lassen kann, das ist tödlich für ihn.
Jetzt im Krankenhaus schaut er wieder viel besser aus, dort gibts keine Zigaretten, keinen Rumtee, keine Flasche Bier, das geht ihm nicht ab, er ist ja rundherum versorgt und nicht einsam.

Gestern war wieder ein Beitrag im Fernsehen, wo ein Arzt sagte, eigentlich ist es eben die gefühlte Ausgrenzung, die Menschen zusetzt und krank werden lässt. Das ist, wie wenn man ein Kind einsperrt, sich selbst überlässt, das wird einfallen, verdrossen werden und todunglücklich. Der Arzt vom Fernsehen sagte, Einsamkeit macht krank.
Man müsste praktisch dann schauen, dass man möglichst nicht einsam lebt.. um sich halbwegs gesund zu halten.

Lieber Bandit, vielleicht bringts dir schon etwas, wenn du hin und wieder auf Reha gehst?
Fühl dich hier Willkommen, geh so oft wie machbar hier zu unserem Gasthaus und setze dich her zu unserem Stammtisch und registriere, hier ist auch wer, rund um die Uhr, jeden Tag.
 
Ich habe keine Tipps, aber möchte dir gern etwas Mitgefühl dalassen.
Es ist nicht fair, dass manche Menschen ein so schweres Leben haben und so leiden müssen.
Ich wünsche dir alles, was dein Schicksal für dich irgendwie erträglicher machen könnte.
 

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