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Das sehe ich genauso.
Wenn man selbst nie in solch einer Situation war, ist es leicht, mit erhobenem Zeigefinger zu behaupten, dass man selbstverständlich ganz anders und vor allem überaus korrekt gehandelt hätte.
@Sonnenblume84 war 19 Jahre jung, hatte sich gerade aus ihren eigenen schwierigen familiären Verhältnissen gelöst und wollte ein neues Leben starten, als sie ungeplant schwanger wurde.
Sie musste sich ganz allein, ohne den Kindsvater und sicherlich auch ohne den Beistand und Rückhalt ihrer eigenen Familie, mit dieser Situation auseinandersetzten.
Und dann hat sie nun mal gehandelt, wie sie gehandelt hat.
Man kann darüber empört den Kopf schütteln. . Man kann aber auch Verständnis dafür haben.
Ich persönlich habe Verständnis.
Und du warst 21 Jahre lang nicht in der Lage, Kontakt aufzunehmen.
Es ist zu spät, du kannst den Umgang nicht nach deinen Bedürfnissen erzwingen.
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@Sonnenblume84 schrieb, dass sie ihre Tochter nie vergessen hat.
Mir fallen einige Gründe ein, warum sie über viele Jahre hinweg nicht versucht hat, ihr Kind zu kontaktieren.
Nun hat sie es eben nach 21 Jahren getan.
@Sonnenblume84 Die Antwort deiner Tochter, sofern die wirklich von ihr stammt, ist niederschmetternd.
Es kann aber gut sein, dass das eine allererste, von starken Emotionen überlagerte Reaktion war.
Ich würde einige Zeit verstreichen lassen und dann ganz in Ruhe einen Brief verfassen.
Versuche zu erklätern, wie es damals zu dieser schwerwiegenden Entscheidung kam.
Schildere ihr deine damaligen Beweggründe, deine Gefühle, die Ausweglosigkeit, mit der du dich zu diesem Schritt entschieden hast.
Und im Prinzip war dieses Weglaufen aus der Geburtsklinik gar keine Entscheidung, sondern ein in Angst und Verzweiflung gefasster spontaner Entschluss.
Ich würde die Hoffnung noch nicht aufgeben.
Vielleicht gelingt euch nach und nach eine zarte Annäherung.
Wäre ich deine 21 jährige Tochter, würde ich, egal wie wütend ich bin, wissen wollen, wer meine leibliche Mutter ist. Außerdem wäre ich neugierig auf meine Halbgeschwister