Als ich in der Grundschule war habe ich eine Schlagzeile in einer Zeitung gelesen "7-Jähriger erschießt kleinen Bruder" und mich fürchterlich erschreckt wie ein Kind - ungefähr so alt wie ich - seinen Bruder erschießen kann. Mit meinem eigenen Bruder habe ich mich zwar nicht besonders gut verstanden, aber das fand ich absolut fürchterlich. Meine Mutter hat mir dann erklärt, dass das in Amerika - also sehr weit weg - passiert ist und ein Unfall war, weil der Junge die Waffe seiner Eltern gefunden und damit gespielt hat ohne die Absicht jemanden umzubringen. Fürchterlich erschreckt hat mich dieser Zeitungsartikel trotzdem.
Vor ein paar Jahren hat eine Freundin von mir den Jagdschein gemacht um als Naturschützerin besser mit Jäger/innen ins Gespräch kommen zu können und hat dabei gemerkt, wie viel Spaß ihr das Schießen am Schießstand macht. Sie hat seitdem eine Lang- und eine Kurzwaffe zu Hause und obwohl ich weiß, dass sie sicher aufbewahrt sind, wie es hier ja auch zwingend vorgeschrieben ist, fühle ich mich in dem Haus unwohl. Ich habe keine Ahnung, wie viele Menschen es (in Amerika aber auch hier) wirklich gibt, die mit ihrer Waffe unter dem Kopfkissen schlafen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass es ein ganz großer Irrtum ist, wenn sie sich dadurch sicherer fühlen. Die Wahrscheinlichkeit eher von Einbrecher/innen mit der eigenen Waffe erschossen zu werden als den Eindringling abzuwehren ist groß. Eine Waffe im Haus bedeutet Gefahr.
Sorgen macht mir, wenn so ein Umgang mit Waffen immer normaler wird, was durch entsprechende Gesetzgebung meiner Meinung nach stark unterstützt wird, wenn immer mehr Waffen in immer mehr Haushalten für immer mehr Menschen immer freier zugänglich sind. Und das, was in Amerika normal ist oder wird breitet sich erfahrungsgemäß mit etwas Verzögerung auch in andere Teile der Welt aus, scheint auch uns dann nicht mehr so abwegig. Deswegen fällt es mir schwer entsprechende Nachrichten von mir wegzuschieben und zu denken "Betrifft mich nicht, sollen die doch machen was sie wollen". Und, ja, auch mit Messern kann schlimmes geschehen und es gibt genug illegale Schusswaffen, aber das ist für mich kein Argument deswegen nicht wenigsten für eine größere Hürde in der legalen Beschaffung zu sorgen.
Auf den konkreten Fall von Charlie Kirk bezogen fällt es mir schwer Mitgefühl mit einem Waffen-Befürworter zu empfinden, so falsch es natürlich in jedem Fall gewesen ist ihn zu erschießen. Ähnlich geht es mir, wenn Menschen mit dem Auto oder Motorrad rasen - sich und andere zum Beispiel mit riskanten Überholmanövern gefährden - und dann verunglücken. Oder wenn starke Raucher/innen an Lungenkrebs sterben. Das ist dann für mich eine traurige aber leider logische Konsequenz aus dem Verhalten. Gut, bei Charlie Kirk ist der Zusammenhang nicht so direkt, weil er niemanden mit einer Waffe bedroht und infolgedessen dann selber erschossen wurde, aber vom Prinzip her hat er sich für das eingesetzt, was ihn am Ende das Leben gekostet hat.