Hallo, ich befinde mich gerade in einer emotional sehr schwierigen Situation und möchte einfach mal aufschreiben, was so in meinem Kopf vorgeht. Vielleicht hat ja hier auch der ein oder andere ein paar eigene Erfahrungen oder Ideen für mich.
Mein Partner (31) und ich (28) sind seit knapp 10 Jahren zusammen. Wir haben in dieser Zeit sehr viel zusammen erlebt. Ausbildung, Studium, erste Arbeitsstellen, Kündigungen, Jobsuche, familiäre Dramen (Tod meines Vaters, Differenzen bis kurz vorm Kontaktabbruch zu seiner Familie), sind 3x quer durch Deutschland gezogen und haben psychische und physische Probleme auf beiden Seiten hinter uns (mittelgradige Depression seinerseits, kurz vor Burn out meinerseits). Wir kennen uns in und auswendig. Natürlich haben wir viele sehr schöne Momente und Zeiten gehabt, haben es auch geschafft viele Konflikte zu lösen und Kompromisse zu finden. Ich könnte eine lange Liste aufschreiben an Dingen, die ich total toll an ihm und der Beziehung finde und die ich auch nicht missen möchte. Aber leider ist das nur die eine Seite der Medaille.
Unsere Beziehung war noch nie ganz einfach oder harmonisch. Mein Partner hat stark ausgeprägtes ADHS (in der Kindheit festgestellt und medikamentös eingestellt, vor kurzem durch eine Psychiaterin überprüft und bestätigt) und außerdem eine festgestellte Hochbegabung. Zudem sind einige Leute, die ihn gut kennen der Meinung, dass er sich irgendwo auf dem autistischen Spektrum befindet. Das wurde aber nie untersucht/ nachgewiesen. Hinzu kommt eine schwierige Kindheit (Scheidungskind, gewaltvolle Beziehung der Eltern, emotional abwesender Vater nach der Scheidung, 2 Jahre älterer Bruder war immer das Goldkind, während mein Partner um Aufmerksamkeit und Anerkennung kämpfen musste). Diese Punkte führen dazu, dass er leider sozial und kommunikativ Schwierigkeiten hat. Er ist egoistisch, stur und hat große Probleme mit Empathie. Seine Art Dinge zu tun und zu denken ist für ihn die einzig Richtige und er hat oft Schwierigkeiten nachzuvollziehen, warum andere Menschen eben anders denken, handeln und fühlen. Das hat schon früh zu Problemen und Konflikten in der Partnerschaft geführt. Mit viel Geduld, Zeit und Bemühungen beiderseits konnten wir diese Probleme bisher immer irgendwie lösen. Trotzdem war es schwierig. Vor ca. 4 Jahren waren wir schonmal so in der Krise, dass es fast zur Trennung kam. Wir haben uns damals beide jeweils einzelne Therapien und zusätzlich eine Paartherapie gesucht und doch nochmal irgendwie wieder zueinander gefunden. Und natürlich hab dabei auch ich meine Baustellen (sehr sensibel, extrem konfliktscheu, People Pleaser ect.).
Vor etwa 1 Jahr sind wir nach seinem Masterabschluss in ein neues Bundesland gezogen. Wir haben inzwischen beide stabile Jobs, eine traumhafte Wohnung, Hobbys, Freunde usw. Kurzum geht’s uns eigentlich richtig gut. Und in diesem Zuge kommen natürlich auch Gedanken um unsere Zukunft, da wir beide in den nächsten ca. 5 Jahren Richtung Kinder, Hochzeit und Haus gehen möchten. Gerade mein Partner wird häufiger angesprochen, dass es doch mal langsam Zeit für einen Antrag wird. Doch leider haben sich wieder auf beiden Seiten Zweifel aufgetan, ob wir das mit dem jeweils anderen eigentlich noch möchten.
In den letzten ca. 6 Monaten haben sich viele Verhaltensweisen meines Partners leider wieder sehr verschlechtert. Das hängt auch damit zusammen, dass seine Medikamente umgestellt wurden und die Dosis (noch) nicht wieder stimmt. Aber auch abgesehen davon ist es schwierig. Er ist impulsiv, zeigt noch weniger Empathie und Verständnis als eh schon und ist ungeduldig. Es gibt reichlich Tage, da kommen wir aus der schlechten Stimmung gar nicht mehr raus. Meiner Meinung nach geht das größtenteils darauf zurück, dass er auf Kleinigkeiten, die nicht ganz perfekt laufen, ziemlich übertrieben und oft auch unfair reagiert.
Um das mal an 2 recht frischen Beispielen zu verdeutlichen:
Nr 1: ich bin Abends beim Einkaufen im Supermarkt umgekippt, weil wir viel unterwegs waren und ich vergessen hatte was zu Mittag zu essen. Seine total genervte Reaktion, als ich kaltschweißig an einem Regal hing: ob ich mich jetzt nicht noch bis zur Kasse zusammenreißen könnte, ich hätte ja mal dran denken können was zu Essen.
Nr 2: wir planen einen größeren Urlaub. Kurz vor Abreise sage ich ihm, dass ich etwas Sorge und Bauchschmerzen vor der Reise habe, ob alles so funktioniert wie es geplant ist. Seine Reaktion: er hat die Sorgen auch, ich hab ja schon früher mal was vergessen, da ist er gespannt, ob ich diesmal an alles gedacht habe. Außerdem ist das ja eine selbsterfüllende Prophezeiung, wenn ich jetzt schon Angst hätte und sollte damit aufhören.
Also Unterstützung, Empathie und Sensibilität gleich 0. Solche Situationen gibt es häufiger. Ich mache zB. auch viele Kleinigkeiten im Alltag für ihn (seine Flasche auffüllen, ihm bei Anrufen helfen, für ihn was googlen, ihm helfen bei der Reparatur seiner Simson ect.), bekomme aber gefühlt nur sehr wenig dafür zurück. Ich bekomme zwar ein Danke und einen Kuss, aber wenn ich ihn mal um etwas bitte, auch wirklich kleine Bitten, ist es ihm oft zu viel Aufwand.
Zwar habe ich definitiv noch Gefühle für ihn und in guten Momenten (die es ja immer noch öfter gibt) kann ich mir überhaupt nicht vorstellen ein Leben ohne ihn zu führen. Wir haben auch sehr viele Gemeinsamkeiten und realistisch gesehen kann ich mir kaum vorstellen nochmal eine Person zu finden, mit der es schon rein faktisch so gut passt, wie mit ihm.
Mit jeder emotionalen Enttäuschung und Verletzung merke ich jedoch, dass die Gefühle immer weiter zurück gedrängt werden und ich mich entferne von ihm.
Er hat mir in letzter Zeit öfter gesagt (mehr oder weniger wortwörtlich), dass er mit sich selber in letzter Zeit viel besser klarkommt, weil er eben weniger nachdenkt über andere Personen, sondern einfach frei raus sagt, was ihm in den Sinn kommt. Wenn die andere Person das nicht aushält, dann Pech gehabt. Er möchte so akzeptiert werden wie er ist. Zwar kann ich den bloßen Wunsch danach schon verstehen, allerdings hat er auch eine festgestellte psychische Erkrankung mit nachweislichen sozialen Defiziten und macht es sich daher meiner Meinung nach etwas zu einfach. Das sieht er aber nicht ein.
Natürlich hab ich mit vielen Freunden und Bekannten über diese Situation geredet und sehr unterschiedliche Antworten bekommen. Meine gleichaltrigen Freunde raten eher zur Trennung. Sein Verhalten und unsensibel, verletzend und respektlos. Zudem zeigt er keine (ausreichende) Einsicht. Auf Dauer würde mich das kaputt machen.
Meine älteren Bekannten und Familie (zB. Mutter, Oma, Schwiegermutter) sind eher der Meinung, dass ihrer Erfahrung nach die meisten Männer/ Beziehungen eh immer gleich sind, viele Dinge nach 10 Jahren Beziehung auch einfach normal sind und man eher damit leben lernen sollte, als jetzt eine neue Beziehung zu suchen. Zumal ich mit 28 Jahren wieder neu mit der Partnersuche anfangen müsste und das Zeitfenster für Hochzeit, Haus und insbesondere Kinder natürlich immer enger wird.
Ich schwebe also im Endeffekt aktuell zwischen Hochzeit und Trennung.
Wie sind eure Erfahrungen und Gedanken zu dem Thema?
Mein Partner (31) und ich (28) sind seit knapp 10 Jahren zusammen. Wir haben in dieser Zeit sehr viel zusammen erlebt. Ausbildung, Studium, erste Arbeitsstellen, Kündigungen, Jobsuche, familiäre Dramen (Tod meines Vaters, Differenzen bis kurz vorm Kontaktabbruch zu seiner Familie), sind 3x quer durch Deutschland gezogen und haben psychische und physische Probleme auf beiden Seiten hinter uns (mittelgradige Depression seinerseits, kurz vor Burn out meinerseits). Wir kennen uns in und auswendig. Natürlich haben wir viele sehr schöne Momente und Zeiten gehabt, haben es auch geschafft viele Konflikte zu lösen und Kompromisse zu finden. Ich könnte eine lange Liste aufschreiben an Dingen, die ich total toll an ihm und der Beziehung finde und die ich auch nicht missen möchte. Aber leider ist das nur die eine Seite der Medaille.
Unsere Beziehung war noch nie ganz einfach oder harmonisch. Mein Partner hat stark ausgeprägtes ADHS (in der Kindheit festgestellt und medikamentös eingestellt, vor kurzem durch eine Psychiaterin überprüft und bestätigt) und außerdem eine festgestellte Hochbegabung. Zudem sind einige Leute, die ihn gut kennen der Meinung, dass er sich irgendwo auf dem autistischen Spektrum befindet. Das wurde aber nie untersucht/ nachgewiesen. Hinzu kommt eine schwierige Kindheit (Scheidungskind, gewaltvolle Beziehung der Eltern, emotional abwesender Vater nach der Scheidung, 2 Jahre älterer Bruder war immer das Goldkind, während mein Partner um Aufmerksamkeit und Anerkennung kämpfen musste). Diese Punkte führen dazu, dass er leider sozial und kommunikativ Schwierigkeiten hat. Er ist egoistisch, stur und hat große Probleme mit Empathie. Seine Art Dinge zu tun und zu denken ist für ihn die einzig Richtige und er hat oft Schwierigkeiten nachzuvollziehen, warum andere Menschen eben anders denken, handeln und fühlen. Das hat schon früh zu Problemen und Konflikten in der Partnerschaft geführt. Mit viel Geduld, Zeit und Bemühungen beiderseits konnten wir diese Probleme bisher immer irgendwie lösen. Trotzdem war es schwierig. Vor ca. 4 Jahren waren wir schonmal so in der Krise, dass es fast zur Trennung kam. Wir haben uns damals beide jeweils einzelne Therapien und zusätzlich eine Paartherapie gesucht und doch nochmal irgendwie wieder zueinander gefunden. Und natürlich hab dabei auch ich meine Baustellen (sehr sensibel, extrem konfliktscheu, People Pleaser ect.).
Vor etwa 1 Jahr sind wir nach seinem Masterabschluss in ein neues Bundesland gezogen. Wir haben inzwischen beide stabile Jobs, eine traumhafte Wohnung, Hobbys, Freunde usw. Kurzum geht’s uns eigentlich richtig gut. Und in diesem Zuge kommen natürlich auch Gedanken um unsere Zukunft, da wir beide in den nächsten ca. 5 Jahren Richtung Kinder, Hochzeit und Haus gehen möchten. Gerade mein Partner wird häufiger angesprochen, dass es doch mal langsam Zeit für einen Antrag wird. Doch leider haben sich wieder auf beiden Seiten Zweifel aufgetan, ob wir das mit dem jeweils anderen eigentlich noch möchten.
In den letzten ca. 6 Monaten haben sich viele Verhaltensweisen meines Partners leider wieder sehr verschlechtert. Das hängt auch damit zusammen, dass seine Medikamente umgestellt wurden und die Dosis (noch) nicht wieder stimmt. Aber auch abgesehen davon ist es schwierig. Er ist impulsiv, zeigt noch weniger Empathie und Verständnis als eh schon und ist ungeduldig. Es gibt reichlich Tage, da kommen wir aus der schlechten Stimmung gar nicht mehr raus. Meiner Meinung nach geht das größtenteils darauf zurück, dass er auf Kleinigkeiten, die nicht ganz perfekt laufen, ziemlich übertrieben und oft auch unfair reagiert.
Um das mal an 2 recht frischen Beispielen zu verdeutlichen:
Nr 1: ich bin Abends beim Einkaufen im Supermarkt umgekippt, weil wir viel unterwegs waren und ich vergessen hatte was zu Mittag zu essen. Seine total genervte Reaktion, als ich kaltschweißig an einem Regal hing: ob ich mich jetzt nicht noch bis zur Kasse zusammenreißen könnte, ich hätte ja mal dran denken können was zu Essen.
Nr 2: wir planen einen größeren Urlaub. Kurz vor Abreise sage ich ihm, dass ich etwas Sorge und Bauchschmerzen vor der Reise habe, ob alles so funktioniert wie es geplant ist. Seine Reaktion: er hat die Sorgen auch, ich hab ja schon früher mal was vergessen, da ist er gespannt, ob ich diesmal an alles gedacht habe. Außerdem ist das ja eine selbsterfüllende Prophezeiung, wenn ich jetzt schon Angst hätte und sollte damit aufhören.
Also Unterstützung, Empathie und Sensibilität gleich 0. Solche Situationen gibt es häufiger. Ich mache zB. auch viele Kleinigkeiten im Alltag für ihn (seine Flasche auffüllen, ihm bei Anrufen helfen, für ihn was googlen, ihm helfen bei der Reparatur seiner Simson ect.), bekomme aber gefühlt nur sehr wenig dafür zurück. Ich bekomme zwar ein Danke und einen Kuss, aber wenn ich ihn mal um etwas bitte, auch wirklich kleine Bitten, ist es ihm oft zu viel Aufwand.
Zwar habe ich definitiv noch Gefühle für ihn und in guten Momenten (die es ja immer noch öfter gibt) kann ich mir überhaupt nicht vorstellen ein Leben ohne ihn zu führen. Wir haben auch sehr viele Gemeinsamkeiten und realistisch gesehen kann ich mir kaum vorstellen nochmal eine Person zu finden, mit der es schon rein faktisch so gut passt, wie mit ihm.
Mit jeder emotionalen Enttäuschung und Verletzung merke ich jedoch, dass die Gefühle immer weiter zurück gedrängt werden und ich mich entferne von ihm.
Er hat mir in letzter Zeit öfter gesagt (mehr oder weniger wortwörtlich), dass er mit sich selber in letzter Zeit viel besser klarkommt, weil er eben weniger nachdenkt über andere Personen, sondern einfach frei raus sagt, was ihm in den Sinn kommt. Wenn die andere Person das nicht aushält, dann Pech gehabt. Er möchte so akzeptiert werden wie er ist. Zwar kann ich den bloßen Wunsch danach schon verstehen, allerdings hat er auch eine festgestellte psychische Erkrankung mit nachweislichen sozialen Defiziten und macht es sich daher meiner Meinung nach etwas zu einfach. Das sieht er aber nicht ein.
Natürlich hab ich mit vielen Freunden und Bekannten über diese Situation geredet und sehr unterschiedliche Antworten bekommen. Meine gleichaltrigen Freunde raten eher zur Trennung. Sein Verhalten und unsensibel, verletzend und respektlos. Zudem zeigt er keine (ausreichende) Einsicht. Auf Dauer würde mich das kaputt machen.
Meine älteren Bekannten und Familie (zB. Mutter, Oma, Schwiegermutter) sind eher der Meinung, dass ihrer Erfahrung nach die meisten Männer/ Beziehungen eh immer gleich sind, viele Dinge nach 10 Jahren Beziehung auch einfach normal sind und man eher damit leben lernen sollte, als jetzt eine neue Beziehung zu suchen. Zumal ich mit 28 Jahren wieder neu mit der Partnersuche anfangen müsste und das Zeitfenster für Hochzeit, Haus und insbesondere Kinder natürlich immer enger wird.
Ich schwebe also im Endeffekt aktuell zwischen Hochzeit und Trennung.
Wie sind eure Erfahrungen und Gedanken zu dem Thema?