Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Wohnen & Mieten: Auswege aus der Wohnungsnot

MATADOR

Aktives Mitglied
Ich habe gestern in der TAZ diesen Artikel über einen neuen Mietendeckel in Berlin gelesen:

Die Vorschläge der Linken sind aus meiner Sicht reichlich absurd und man fragt sich: Wer soll denn diese Wohnungen bezahlen, die dann für 7 oder 8 Euro mit großem Verlust vermietet werden sollen?

Andererseits muss man sagen, dass es wirklich immer schwieriger wird, eine Wohnung zu finden und dass es in den letzten 80 Jahren noch nie so schwer war, wie heute. Aber woran liegt das?

Wenn man Leute vom Bau fragt (Architekten, Projektplaner) sagen die, dass die Bauvorschriften derart explodiert sind, dass die Baukosten von 1500 Euro pro qm Mitte der 90er auf 4000 euro (ohne Grundstück!) in 2025 gestiegen sind. Dazu haben sich die Zinsen in 5 Jahren vervierfacht!

Aus meiner Sicht müssten die Bauvorschriften massiv runter. Wir übertreiben massiv beim Brandschutz, haben "nur 600" Tote durch Feuer pro Jahr, geben aber über 10 Milliarden für Brandschutz aus. Wenn man die Toten durch Wohnungslosigkeit zählen könnte, würde dieses Zahl sehr sicher über 600 liegen.

Dazu sind immer mehr Bauherren verpflichtet, nach DIN-Normen zu bauen, obwohl diese nicht von demokratisch gewählten Institutionen verabschiedet werden sondern von Normungsausschüssen, in denen gewinnorientierte Firmen sitzen, die ein Interesse daran haben, dass Bauen teuer wird.

Daher bleibt die Frage: Wie werden wir diesen Normen-Wildwuchs wieder los? Dafür braucht es viel Mut, eine gewisse Risikobereitschaft. Leider sind wir aber eine mutlose Gesellschaft geworden, in der jeder vor allem Angst hat, etwas falsches zu machen und daher lieber gar nichts macht. Schaffen wir das?
 
Da kommen noch so viele Sachen zusammen, die den Markt zusätzlich überlasten:

- Mancherorts ist der ÖPNV so für die Tonne bzw. nicht vorhanden, dass es einem gar nichts anderes übrig bleibt, als möglichst in der Stadt oder stadtnah zu wohnen, wo natürlich die Nachfrage und damit die Preise am höchsten sind.

- Selbst bauen bzw. kaufen kannst du im Endeffekt nur noch mit zwei Gutverdienern stemmen ohne finanziell ins Hintertreffen zu geraten aufgrund der Zinsen und der explodierten Kosten. Die Leute die ich kenne, die vor kurzem gebaut haben oder gerade bauen machen alles was möglich ist selbst, weil es sonst nicht bezahlbar wäre. Führt natürlich dazu, dass auf den ohnehin schon überlasteten Wohnungsmarkt noch mehr Leute drängen.

- Hier in der Gegend - und sicher auch andernorts - stehen so viele Häuser leer, die die Eigentümer über Jahre hin regelrecht vergammeln lassen haben. Da wurde wirklich nur das nötigste dran gemacht, die Hand für die Miete hat man aber trotzdem munter aufgehalten...

- Dieser Wahnsinn mit den möbellierten Wohnungen gehört gänzlich abgeschafft. Da werden irgendwelche alten, ranzigen Möbel aus den 80ern ausm Keller geholt und reingestellt, damit man bei der Miete nochmal draufschlagen kann.

- Aus Sicht der Vermieter: viele vermieten auch gar nicht mehr aufgrund schlechter Erfahrungen mit irgendwelchen Messies oder anderen Problemfällen. Solche Leute müssen einfach schneller aus den Wohnungen fliegen oder sanktioniert werden können.

Irgendwelche Deckel sind meiner Meinung nach jedenfalls keine Lösung, der Wohnraum fehlt ja trotzdem. Bauen muss weniger kompliziert und wieder bezahlbarer werden.
 
Ich beobachte den Wohnungsmarkt ebenso. Mir kommt es aber so vor, als gäbe es durchaus einige bezahlbare und auch günstige Wohnungen. Diese jedoch eher auf dem Land. Die Menschen wollen aber in die Städte und dort ist das Wohnen dann entsprechend teuer.
Ich habe vorher in einer kleinen Stadt gelebt und dort etwa 600€ warm für 80qm bezahlt. Jetzt lebe ich in der Stadt und zahle 1400 zuzüglich Strom und Heizung für knapp 60qm. Es ist jedoch Neubau in einer sehr schönen Wohngegend. Die Lage zahlt man eben auch mit und die Energiekosten sind sehr gering.

Hier entstehen noch weitere Wohnungen in den nächsten Jahren. Es wurde bereits angekündigt, dass dieser Abschnitt deutlich weniger "Standard" haben wird, da die Baukosten sonst zu hoch wären. Auch wird deutlich enger gebaut, um mehr Wohnraum zu schaffen. Trotzdem standen hier viele Wohnungen ewig lange leer, weil sich der Mittelstand diese Wohnungen nicht leisten will oder kann. Man entschied sich dann, diese Wohnungen als Sozialwohnungen anzubieten und zack, waren sie auch belegt.

Ob ein Mietendeckel da die richtige Lösung ist, weiß ich nicht. Vielleicht braucht es bessere, landlichere Strukturen, um auch dort das Wohnen attraktiver zu machen. Denn dort sind ja durchaus Wohnungen zu guten Konditionen vorhanden.
 
Da kommen noch so viele Sachen zusammen, die den Markt zusätzlich überlasten:

- Mancherorts ist der ÖPNV so für die Tonne bzw. nicht vorhanden, dass es einem gar nichts anderes übrig bleibt, als möglichst in der Stadt oder stadtnah zu wohnen, wo natürlich die Nachfrage und damit die Preise am höchsten sind.

- Selbst bauen bzw. kaufen kannst du im Endeffekt nur noch mit zwei Gutverdienern stemmen ohne finanziell ins Hintertreffen zu geraten aufgrund der Zinsen und der explodierten Kosten. Die Leute die ich kenne, die vor kurzem gebaut haben oder gerade bauen machen alles was möglich ist selbst, weil es sonst nicht bezahlbar wäre. Führt natürlich dazu, dass auf den ohnehin schon überlasteten Wohnungsmarkt noch mehr Leute drängen.

- Hier in der Gegend - und sicher auch andernorts - stehen so viele Häuser leer, die die Eigentümer über Jahre hin regelrecht vergammeln lassen haben. Da wurde wirklich nur das nötigste dran gemacht, die Hand für die Miete hat man aber trotzdem munter aufgehalten...

- Dieser Wahnsinn mit den möbellierten Wohnungen gehört gänzlich abgeschafft. Da werden irgendwelche alten, ranzigen Möbel aus den 80ern ausm Keller geholt und reingestellt, damit man bei der Miete nochmal draufschlagen kann.

- Aus Sicht der Vermieter: viele vermieten auch gar nicht mehr aufgrund schlechter Erfahrungen mit irgendwelchen Messies oder anderen Problemfällen. Solche Leute müssen einfach schneller aus den Wohnungen fliegen oder sanktioniert werden können.

Irgendwelche Deckel sind meiner Meinung nach jedenfalls keine Lösung, der Wohnraum fehlt ja trotzdem. Bauen muss weniger kompliziert und wieder bezahlbarer werden.
Ja, sehe ich auch so, Deckel bringen nicht gar nichts, sondern verschärfen sogar noch die Wohnungsnot, da sie Bauherren verschrecken. Konnte man in Berlin 2019 und 2020 schon vor der Zinswende schön beobachten.

Als der Berliner Mietendeckel kam, sind alle aus den Neubauplänen geflüchtet. Daher leidet Berlin heute auch besonders stark unter Wohnungsnot. Ich bin in Berlin geboren und kenne mich dort gut aus. Danke an die Linke.
 
In München werden immer mehr möblierte Wohnungen vermietet. Ganz furchtbar. Die sind teurer, unpersönlich, und auch auf Zeit.

Letztens hat so ein Großvermieter solcher Apps. im TV gesagt, dass "die Nachfrage da ist".

Das ist einfach verdreht. Die Nachfrage ist nach Wohnungen da, aber doch nicht nach möblierten. Davon profitiert nur der Besitzer.

Und es geht an die 30, 40% an möblierten Wohnungen.
 
Daher bleibt die Frage: Wie werden wir diesen Normen-Wildwuchs wieder los? Dafür braucht es viel Mut, eine gewisse Risikobereitschaft. Leider sind wir aber eine mutlose Gesellschaft geworden, in der jeder vor allem Angst hat, etwas falsches zu machen und daher lieber gar nichts macht. Schaffen wir das?
Und als Gesellschaft halte ich gar nicht mal für mutlos.
Und ich kennen viele die mit nem Tiny Haus zurecht kämen, und das auch gerne nutzen würden.
Aber . . . . . . . . . . . . .
Dieser Normen und Vorschriftenwildwuchs, ist ja nicht nur hinderlich, sondern spühlt auch einigen Leuten Geld in die Kassen. Und so Jemand ist natürlich nicht am Abbau von Normen interessiert.

An sonsten bin ich recht weit bei Deiner Meinung.
 
In München werden immer mehr möblierte Wohnungen vermietet. Ganz furchtbar. Die sind teurer, unpersönlich, und auch auf Zeit.

Letztens hat so ein Großvermieter solcher Apps. im TV gesagt, dass "die Nachfrage da ist".

Das ist einfach verdreht. Die Nachfrage ist nach Wohnungen da, aber doch nicht nach möblierten. Davon profitiert nur der Besitzer.

Und es geht an die 30, 40% an möblierten Wohnungen.
Die Nachfrage ist schon da, ich wohne derzeit auch möbliert, da ich 12 Monate auf einem Projekt bin und danach wieder weg. Das Problem sind weniger die möblierten Wohnungen, sondern dass wir absolut zu wenige Wohnungen haben. Ich nehme auch sehr gerne teure Wohnungen, Hauptsache, es gibt überhaupt Auswahl.

Wir müssten einfach alles tun, um einen Rahmen zu schaffen, dass Menschen Lust haben, zu bauen. Familien und Investoren. Alle.

Mit einem Mietendeckel oder dem Verbot der möblierten Vermietung erreiche ich das Gegenteil, da hauen alle Investoren ab.

Und Tinyhouses wären auch eine spannende Option. Es ist ein Skandal, wie diese von den Bauämtern eingeschränkt werden und dass die Politik so wenig dagegen macht.
 
Ich beobachte den Wohnungsmarkt ebenso. Mir kommt es aber so vor, als gäbe es durchaus einige bezahlbare und auch günstige Wohnungen. Diese jedoch eher auf dem Land. Die Menschen wollen aber in die Städte und dort ist das Wohnen dann entsprechend teuer.

Kann ich so nicht bestätigen. Ich würde behaupten ländlich zu wohnen und die Preise sind hier nicht viel anders als in der nächstgelegenen, größeren Städt. Nimmt sich wenig bis gar nix.

Wenn du mit ländlich meinst, dass sozusagen kilometerweise außenrum nicht wirklich etwas ist und man überall mit dem Auto hin muss, gebe ich dir recht. Ist halt fraglich, ob sich das Ende des Tages wirklich rechnet, wenn ich das, was ich an Miete spare, wieder auf der Straße lasse..
 
Als der Berliner Mietendeckel kam, sind alle aus den Neubauplänen geflüchtet. Daher leidet Berlin heute auch besonders stark unter Wohnungsnot. Ich bin in Berlin geboren und kenne mich dort gut aus. Danke an die Linke.

Berlin leidet aber auch darunter, dass heutzutage jeder Hipster und "edgy" Typ meint er muss dahin ziehen. Weil Berlin ja so offen und alternativ ist. Und dieser Hype flaut auch nicht ab.

Man muss sich ja nur mal die Entwicklung mancher Bezirke ansehen. Kein Vergleich zu dem Berlin der 90er/frühen 2000er. Als richtiger Berliner würde mir das massiv stinken. Denn neben dem Wohnungsmangel ist eben auch der Hype um diese Stadt ein ganz entscheidender Faktor dass die Mieten dort so explodiert sind.
 
Aus meiner Sicht müssten die Bauvorschriften massiv runter. Wir übertreiben massiv beim Brandschutz, haben "nur 600" Tote durch Feuer pro Jahr, geben aber über 10 Milliarden für Brandschutz aus. Wenn man die Toten durch Wohnungslosigkeit zählen könnte, würde dieses Zahl sehr sicher über 600 liegen.

Das Argument finde ich schwierig. Die geringe Zahl der Brandopfer ist sicher auch den hohen Brandschutzvorgaben zu verdanken.
 

Anzeige (6)

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben