Du schreibst, dass es dein Wunsch war zusammen zu ziehen und dass sie es erst nicht wollte. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass sie das dann irgendwann so mit gemacht hat, weil du es dir so sehr gewünscht hast.
Das stimmt nicht so ganz.
Was stimmt ist, dass ich mir das schon früher vorstellen hätte können. Sicher schon zwei, drei Jahre eher. Ich konnte aber auch verstehen, dass meine Freundin es noch nicht wollte und für sie noch weiter weg war. Es war okay. Das Thema kam dann aber immer wieder auf in verschiedenen Situationen, ich habe meine Wohnung wegen meines längeren Auslandaufenthalts aufgegeben und mein Hab und Gut auch bei ihr eingelagert und wir haben besprochen, dass wir nach meiner Rückkehr zusammenziehen. Haben wir nicht gemacht, aber immer wieder darüber geredet. Nicht nur von mir ausgehend. Dabei hat sich herauskristallisiert, dass ich das Zusammenziehen positiver und entspannter sehe und bei ihr schon Restzweifel da sind. Wir haben über die Zeit viel darüber gesprochen, wie wir es uns überhaupt vorstellen könnten, welcher Stadtteil, wie die Wohnung beschaffen sein muss, sie war es auch, die automatische Suchmaschinen auf Wohnungsportalen eingerichtet hat, weil ihre Ansprüche und Bedingungen konkreter waren als meine und ich mir eher vorstellen konnte, auf bestimmte Dinge zu verzichten. Haben das Thema aber auch über lange Zeit ruhen gelassen. Es war nicht permanent Thema und ich habe auch keinen Druck gemacht. Sie wusste schon, dass ich es mir wünsche und ich bereit für den Schritt bin, aber denke nicht, dass sie sich gedrängt gefühlt hat.
Ausschlaggebend war dann, dass die perfekte Wohnung angeboten wurde, die die meisten unserer Vorstellungen erfüllt hat und vor allem zu den Wünschen meiner Freundin gepasst hat. Sie hat die Anzeige entdeckt und war dann eher die Euphorische und diejenige, die aktiv geworden ist, dass wir die Wohnung anschauen und auch bekommen. Was nicht heißt, dass alle Zweifel weggeblasen waren, aber es hat zu dem Zeitpunkt eher Aufregung und Freude überwogen.
Außerdem ist meine Freundin eine 40 jährige, erwachsene Frau und zum Glück sehr starke Persönlichkeit. So eine große Entscheidung, wie zusammenziehen würde sie nicht mir zuliebe treffen und einfach eben mal mitmachen, wenn sie es selbst überhaupt nicht will.
Was natürlich sein kann, dass sie es sich anders vorgestellt hat und sie konkrete Dinge stören, die sie mir so nicht sagen kann oder will. Ich habe immer wieder gefragt, aber es kommt nichts Konkretes.
Ich an Deiner Stelle würde mit ihr reden und ihr sagen, dass du merkst, dass sie nicht glücklich ist und derzeit eigentlich nicht mit dir zusammen leben möchte. Und du bist ja mit der jetzigen Situation und den Streits auch nicht glücklich .
Stimmt, wir sind beide nicht glücklich und wollen das für uns beide nicht.
Du wirst sie ja nicht zwingen wollen, mit dir zusammen zu leben, wenn sie das nicht möchte. Denn du liebst sie ja und möchtest, dass sie glücklich ist. Trennen möchtest du dich auch nicht, also mach es auch nicht.
Trifft alles zu. Die Idee wieder in getrennten Wohnungen zu leben, gibt es ja schon und kam von ihr. Ehrlich gesagt ist es einfach schwer sich nicht abgelehnt zu fühlen, wenn sie das gemeinsame Wohnen so unglücklich macht und das wieder abbrechen will. Für mich wäre es ein großer Rückschritt und das Gefühl, nicht gereicht zu haben oder nicht gut genug zu sein stark präsent. Ich weiß nicht, ob ich das so locker wegstecken kann und einfach zurück auf den Statusquo gehen kann, den wir vor dem Zusammenziehen hatten.
Außerdem geht es nicht nur um die Wohnsituation, sondern auch die Perspektive, unsere gemeinsamen Zukunftspläne noch einige Jahre auszusetzen und dann weiterzuschauen, was wir dann überhaupt wollen. Ich weiß nicht, ob ich das mitmachen will und kann. Ich weiß einfach sehr klar, was ich möchte und in den letzten Jahren mit meiner Freundin haben wir da immer sehr transparent kommuniziert. Wir wollten beide einiges für uns erreichen (beruflich und persönlich) und zusammen erleben. Haben für uns eine Art "Timeline" festgelegt, wenn ich meine Wunschanstellung bekomme und eine Zeitlang in der Position gearbeitet habe, wenn sie ein bestimmtes Großprojekt abschließt, wenn wir gemeinsam wohnen, dann Familiengründung.
Jetzt ist das alles der Fall und es könnte so sein, wie wir uns gewünscht haben. Grade bei der Kinderplanung hat man auch nicht unbegrenzt Zeit und für ein lesbisches Paar ist das ohnehin mit mehr Vorlauf und Aufwand verbunden, als für ein heterosexuelles Paar.