Dir sollte bewusst sein, dass dein Sohn nicht immer der Zehnjährige bleiben wird, der er jetzt ist. Mit 10 kann es tatsächlich sein, dass er jetzt erstmal die Vorteile des neuen Lebens genießt und vielleicht nicht die nötige Motiviation aufbringt, sich selbst bei dir zu melden. Vor allem, wenn ihm evtl. Unwahrheiten über dich erzählt werden.
Doch spätestens mit der Pubertät wird er sich mit seiner Herkunft beschäftigen. Sich überlegen, warum die Ehe seiner Eltern auseinandergegangen ist, vielleicht an der Mutter und dem Stiefvater zweifeln und sich fragen, wo eigentlich sein Vater abgeblieben ist.
Für sehr viele Menschen ist ihre biologische Herkunft sehr wichtig, nicht umsonst suchen im Fernsehen immer wieder Erwachsene nach ihren verschwundenen Elternteilen.
Deinem Sohn, der mit 10 wirklich noch ein Kind ist, jetzt die Verantwortung für den Kontaktabbruch in die Schuhe zu schieben, ist super unfair. Es ist deine Aufgabe, da dran zu bleiben und nicht im Selbstmitleid zu versinken. Nur, weil ihr jetzt ein paar Wochen keinen Kontakt hattet, ist doch kein Grund, den jetzt für immer zu begraben. Manche Mütter, deren Kinder ins Ausland entführt wurden, kämpfen jahrelang darum, sie wieder bei sich zu haben. Das das alles nicht leicht ist, ist doch keine Frage. Aber du kannst dir Unterstützung suchen, beim Jugendamt, beim Anwalt, bei Therapeuten, Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen.