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Verletzte Menschenwürde

Lieber @_Phoenix2_ ,

Du bist das Opfer eines schweren körperlichen Übergriffs geworden - mehrere Personen sind über Dich hergefallen, haben Dir Knochen gebrochen und Dich schwer verletzt.
Ich kann mir vorstellen, dass man in einer solchen Situation zuallererst panische Angst hat. Angst, diesen Angriff nicht zu Überleben. Das Gefühl von völliger Ohnmacht und Hilflosigkeit.
Deine körperliche Unversehrtheit wurde massiv verletzt.
Deine seelische Unversehrtheit ganz genau so. Ich kann es vollkommen nachvollziehen, dass Du Dich entwürdigt fühlst. Verletzt, besiegt, hilflos, am Boden.
Es war eine entwürdigende Situation und alle Deine Gefühle haben für mich ihre Berechtigung.

Du beschreibst, dass Du auch heute noch hibbelig, nervös, angespannt bist.
Unsicher, wie Du Situationen und andere Menschen einschätzen sollst. Möglicherweise Gefahren vermutest, die andere Menschen in der selben Situation nicht sehen.
Dein Selbstwert gelitten hat und Du nach wie vor das Gefühl hast, Deine Würde durch diese Tat verloren zu haben.
Für mich klingt durchaus auch ein Vermeidungsverhalten an - das meiden bestimmter Situationen, Orte, Menschengruppen.

Aus meiner ganz persönlichen Sicht wäre eine traumatherapeutische Diagnostik und Behandlung sinnvoll. Schwer zu finden, ich weiß. Aber bestimmt lohnenswert.

Danke.

Ich habe Therapie gemacht. Ich habe posttraumatische Belastungsstörung. Ich habe jetzt tatsächlich weniger Vermeidungsverhalten. Das Gegenteil ist der Fall. Wenn ich vor etwas Angst habe, mache ich es oft absichtlich.

Ich bin stolz.

Die Ängste, Katastrophendenken, Hibbeligkeit aber sind noch da. Ängste in abgeschwächter Form.

Meiner Erfahrung nach in der Therapie wird nicht an der Menschenwürde gearbeitet.
 
Lieber TE @_Phoenix2_

Deine Menschenwürde wurde verletzt, da deine Rechte missachtet und dein Wert als Mensch in Frage gestellt bzw. herabgewürdigt wurde.
Das hat etwas mit dir gemacht, du leidest unter den Folgen. So verstehe ich es.

Fühlst du dich wertlos oder wertloser als andere? Beschmutzt, mit einem Makel versehen, schwach?
Kannst du evtl. genauer beschreiben, welches Gefühl der Grund ist, dass du dir "würdelos" vorkommst?

Genau das. Beschmutzt, mit einem Makel versehen, schwach, unfähig, dumm.

Gefühl? Ich kann mein Gefühle nicht gut in Worte fassen. Mein Gefühl geht ungefähr in die Richtung von „Ich bin dumm, schwach und eine Schande für meine Familie. Ich kann nicht gut aufpassen und ich kann meinem Urteil nicht trauen und ich kann mich und andere nicht schützen. Weil ich dumm bin werde ich andere in Gefahr bringen. Das Leben ist gefährlich, wenn man mit einem dummen Mann wie mir unterwegs ist. Alle sollten von mir weg bleiben. Keinesfalls sollten Frauen oder Kinder sich darauf verlassen, dass ich sie schützen kann.
Man muss sich schämen für mich. Ich wurde schmutzig gemacht“
 
Deine Zeilen haben mich beschäftigt, weil die Würde des Menschen sogar in unserem Grundgesetz als "unantastbar" festgelegt wurde. Aber dass das nicht genügt, musstest Du und viele andere leider erleben.

Aus meiner Sicht besteht die Würde eines Menschen aus mehreren Teilen: wie Du Dich selbst siehst, wie andere Dich sehen und wie Du gerne gesehen werden möchtest. All dies kann sich sehr von einander unterscheiden und hat Auswirkungen auf Deine Glück, Deine Hoffnungen und Deine Zufriedenheit. Äußere Wunden heilen oft schneller, als es innere Wunden vermögen. Dir wurde massiv vor Augen geführt, wie schnell schlimme Dinge geschehen können und dass man dem manchmal schutzlos ausgeliefert ist. Ja, Deine Werte wurden in den Schmutz getreten und Du stellst Dir nun einmal diese Fragen und hast Zweifel daran, ob Du noch der Mann sein kannst, der Du sein möchtest.

Und dann beschämt Dich zusätzlich, dass Du auch von anderen über dieses "Ereignis" definiert wirst, ob Dir Frauen und Kinder noch vertrauen können, dass Du sie beschützen kannst. Das ist wohl für jeden Mann, der sich eine Familie wünscht von zentraler Bedeutung. Das Mitleid in den Augen anderer kann einen stolzen Mann zutiefst kränken. Da bewirken tröstende Worte eher das Gegenteil, auch wenn sie freundlich gemeint sind. Wahrscheinlich fühlst Du Dich unschuldig in ein Gefängnis gesperrt, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint, weil nicht nur Du damit immer und immer wieder konfrontiert wirst, sondern weil auch andere Dich immer wieder in diese Ecke stellen und sei es auch nur mit Blicken oder dass es sich für Dich so anfühlt.

Dass Du durch Deine Ängste, Dein Sicherheitsdenken und Deine Hibbeligkeit selbst noch dazu beiträgst, ohne es zu wollen, macht es zusätzlich schwerer. Es gibt also Deinen "Beitrag" zur Lösung dieses Problems und daran arbeitest Du offenbar. Du bist schon sicherer, belastbarer und stärker geworden, machst Kampftraining, suchst das Gespräch, obwohl Du das alles am liebsten verschwinden lassen würdest. Du stellst Dich diesen Problemen, wie es ein guter Mann tun würde. Aber der innere Schmerz geht nicht weg. Deine Angst wieder zu "versagen" (hast Du denn wirklich "versagt"? Ich finde das ganz und garnicht), Deine Ansprüche an Dich selbst sind immer da und Du ziehst alles in Zweifel, um besser vorbereitet zu sein. Trifft das in etwa zu?

Zur Würde eines Menschen gehört auch, für würdig gehalten zu werden, von sich selbst und von anderen. Und nun frage ich Dich: wem traust Du mehr? Einem Menschen, der noch nie aushalten musste, was Du aushalten musstest, oder einem Menschen wie Dir, der nicht aufgegeben hat, der sich seinen Ängsten stellt und der sich bewusst geworden ist, wie kostbar und zerbrechlich so ein Leben sein kann? Du und @Shorn seid kurz aneinander geraten. Auch er ist ein Mensch, der Furchtbares ertragen musste und der sich wohl auch deshalb eine raue Schale zugelegt hat. Ihr seid beide Kämpfer, denen diese Fähigkeit aufgezwungen wurde und die nun damit leben müssen. Es hat euch verändert und nicht nur zum Besseren. Aber wie kommt man gegen "dunkle Seiten" an? Manchmal ist "Licht" dafür nicht ausreichend.

Du siehst Katastrophen, wo andere nicht verstehen warum. Du bist hibbelig, auf dem Sprung, wo andere einen gemütlichen Tag erleben und Du bist ängstlich, wo andere keine Gefahr sehen. Dafür hast Du leider mehr als genug Gründe und Ausreden sind das nicht.

Und nun eine Erkenntnis aus meinen 63 Lebensjahren: leider findet sich nicht selten die Lösung von Problemen hinter einer Tür, durch die ich nicht gehen will. Du willst diesen ganzen Mist nicht mehr, aber Du wirst ihn auch nicht los, in dem Du ihn ignorierst. Was Du erreichen willst, wird niemals durch Deinen Herzenswunsch erreicht werden, sondern leider dadurch, dass Du Deinen schon begonnen Weg fortsetzt. Ich kenne nichts Würdigeres als einen Menschen, der bereit ist, seine Verantwortung zu sehen und sie zu tragen und dabei zu wissen, dass das auch schief gehen kann und manchmal auch schiefgehen wird. Und DU bist trotzdem da, suchst weiter nach guten Wegen. Wenn das keinen Respekt verdient, dann weiß ich nicht, wozu Respekt noch gut sein soll.

Gerade weil Du die Augen vor dieser Ungerechtigkeit nicht verschließt, machst Du anderen Mut. In dem Du Dein Herz nicht zu Stein werden lässt und Gleiches mit Gleichem vergiltst, zeigst Du einen Ausweg aus der Spirale der Gewalt und in dem Du offen ansprichst, welchen Preis Du dafür jeden Tag bezahlst, wirst Du verlässlich und würdig, denn Du weist, wovon Du redest und das spürt man.

Der "Knackpunkt" scheint mir zu sein, dass Du erkennen darfst und musst, dass Du Dir nichts zu vergeben hast. Du hast nicht "versagt". Du wurdest Deiner Würde nicht beraubt. Du hast sie Dir bewahrt, weil das für Dich kein theoretisches Hirngespinst ist, sondern Du stehst jeden Tag dafür ein. Jetzt steht für Dich an, das in Dein Herz zu lassen. Du hast eine Stärke bewiesen, die eben nicht aus heißer Luft und Drohgebärden besteht, die Dich nur einsam macht. Du bist ein Mensch mit einem tapferen Herzen, den sein Stolz nicht verblendet und sinnlos hart macht. Kann es mehr Würde geben? Einen Mann wie Dich meinen Freund nennen zu dürfen, würde mich stolz machen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Also mir persönlich hilft der Thread zu erkennen das Würde auch ein reales Erleben und Teil des seelischen "Gefühl(?)slebens" ist. Die Schule hat mich nicht vorbereitet dass ich später im Leben mal so gebrochen werden würde. Mehr als nur. Und eigene Schuldgefühle entwürdigen noch mehr. Ich finde die Frage mutig und richtig. Und mir wäre es früher genauso gegangen. Tipps ausser sich nur noch mit Menschen zu umgeben die einem Würde nicht neiden habe ich nicht.
 
GrayBear du bist einfach klasse.! Der Gedanke sich nicht mehr der Beurteillung eines JEDEN auszusetzen die die haben schlicht keine Ahnung hilft mir momentan sehr weiter. Tendenziell hatte ich bereits geplant zu denken: NIcht WAS hat jemand gesagt sondern WER hat es gesagt. Aber das isoliert zu stark.
 
tendenziell so wie dieser Spruch. Link funktioniert nicht. " I am the nicest understanding person, but disrespect me and you will understand why I only have 3 friends".
 
Zuletzt bearbeitet:
Dass der Schmerz nur noch eine Erinnerung ist und er mich nicht mehr in die Knie zwingt. Dass ich nicht mehr durch so vieles schwer getriggert werde. Dass das Leben sich anfühlt, als hätte ich es verdient und nicht aus Versehen überlebt.

Das wären meine Wünsche zu den Gefühlen der kPTBS.

Ich denke auch, es wäre gut sich dem körperlichen Trauma zuzuwenden. Sicherheit und Selbstvertrauen im Bezug auf deinen Körper wieder herstellen. Was das sein könnte, muss ausprobiert werden. Aber in jedem Fall körperlich. Eine erneute Gesprächs- oder Verhaltenstherapie wäre sicher ganz nett, aber reicht nicht.
 

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