So profan das auch klingen mag: ich habe über Jahre immer wieder Dinge "aufgearbeitet", "mir bewusst gemacht" und "reflektiert" und bin mit so einigem nicht weiter gekommen. Die Wut ging nicht weg, die Angst und der Schmerz auch nicht. Die Erinnerungen haben mich immer wieder eingeholt. Und dann sagte eine Frau mit Namen Dagmar im Rahmen eines Seminar etwa sinngemäß: "Wisst ihr, das wird jetzt einfach langweilig! Andauernd machen wir am selben Mist rum, heulen uns aus, trösten uns und es ändert sich nichts! Können wir das nicht einfach sein lassen?". Da saß ich nun und es hat so richtig weh getan zu erkennen, ich dieses ganze Zeug mit auch deswegen mit mir herum schleppe, weil ich meinen Rucksack nicht von diesem Müll befreien wollte.
Der Müll war da, war zu einem Teil von mir geworden. Hatte ich nicht schon genug getrauert, genug geschrien und genug getobt? Also was macht man mit Dingen, von denen man sich nicht trennen mag oder kann? Man räumt sie in den Keller und wartet ab, bis der nächste Umzug kommt und dann in den nächsten Keller damit. Ich werde das Zeug wohl nie los werden, aber ist das so schlimm? Ich habe gelernt, dass ich auch an andere Dinge denken und bessere Entscheidungen treffen kann, ohne zu vergessen und zu vergeben. Ich habe gelernt, damit zu leben, wenn ich diesen Mist schon nicht los werde. Das geht, ist machbar und funktioniert. Dann soll er eben bleiben und ich schiebe ihn immer mal wieder aus dem Weg. Auch darin habe ich inzwischen Übung.
Wenn Du
@_Phoenix2_ genug getrauert und genug gekämpft hast, wirst Du erkennen, dass niemand Dir Deine Würde (zurück-)geben kann. Nur Du kannst das. "Würde" ist für mich Selbstwert und für den muss ich sorgen, um den muss ich mich leider selbst kümmern und wenn ich Glück habe, helfen mir andere und das Leben manchmal dabei. Es geht nicht immer alles schief. Also entscheide Du, ob Du Dich damit genug beschäftigt hast und dann packe den Krempel in eine Kiste und ab in den Keller. Du kannst die Kiste jederzeit wieder aufmachen und nochmal nachschauen, wenn Du das für sinnvoll und wichtig hältst. "Aus den Augen, aus dem Sinn" funktioniert zwar nicht immer, aber es hilft doch.