Ich kann dich komplett verstehen. Ich für mich habe aber festgestellt, dass es vor allem auf die Aufgaben und die Arbeitsatmosphäre ankommt.
Ich hatte schon Zeiten, da hatte ich tolle Kollegen mit coolen Aufgaben. Die ganze Arbeit war gefühlt ne Party, die Chefs duldeten es, dass man auch 3x am Tag großzügig Kaffeepause machte, ohne dies als Pause anzugeben, wenn man dafür anschließend konzentriert weitermachte (ok, bei den Löhnen wäre sonst auch keiner geblieben). Da kam der Feierabend wie im Flug und die größte Strafe war es, schon wieder Urlaub machen zu müssen.
Aktuell leide ich wieder mehr unter meiner Arbeit, weil mich die Aufgaben des aktuellen Projektes einfach nicht so interessieren. In der alten Firma hätten wir sogar aus denen noch ne Fete gemacht und hätten witzelnd zusammen ein lästiges Ticket nach dem anderen abgearbeitet. In der hiesigen Firma sind alle aber zwar nett, vor allem aber mega fleißig und kaum zu einer 10-minütigen Kaffeepause zu überreden, weil man die ja auf kein Ticket buchen kann. Man sitzt nur den ganzen Tag im Büro oder daheim und glotzt allein auf seine Bildschirme. Deshalb bin ich auch am liebsten im HomeOffice, da hat man wenigstens seine Ruhe und es fällt nicht so auf, wenn man mal was anderes macht. Im Büro fühle ich mich nur beobachtet und das ach so wichtige "Socializing" kann man auch knicken, wenn es keiner machen will, weil nicht buchbar.
Mich nervt es eigentlich am meisten, dass ich dadurch abends so ausgelaugt bin, dass selbst Youtube schauen schon zu viel Kraft kostet, weil einfach 0 Energie mehr da ist. Also nicht nur, dass ich generell kaum Freizeit habe, sondern viel mehr, dass ich die dann gar nicht mehr sinnvoll nutzen kann, weil die Arbeit keine Energie für irgendwas übrig lässt. So sehr ich IT liebe, ich bereue es hochgradig, das als Beruf gewählt zu haben. Weniger wegen deren Schnelllebigkeit, sondern wegen der dauerhaften Leistungskontrolle und -bewertung, bei der jedes Jahr nochmals ne Schippe draufgelegt wird, mit immer stressigeren Zielen, die man gefälligst zu erfüllen hat.
Ich bleibe trotzdem, weil ich mir bald wieder bessere Aufgaben erhoffe und die Firma ansonsten sehr familienfreundlich ist. Und weil ich mir dank des guten Gehaltes was zur Seite legen kann, sodass ich vielleicht früher aus dem Hamsterrad kann. Spätestens wenn es mal mit Kindern klappt, werde ich mich ohnehin dauerhaft in Teilzeit verabschieden, von Vollzeit habe ich so langsam nämlich die Nase voll. Mit Teilzeit kann man auch eher dann arbeiten, wenn man gute Aufgaben hat und wenn der Schrott kommt, kann man massig Überstunden aus den guten Zeiten abgleiten, in der Hoffnung, dass bis wenn einem die Überstunden ausgehen wieder gescheite Aufgaben kommen.
Also nur noch morgen, dann ist wieder Wochenende, und nächsten Monat gibt es auch mal wieder ne Woche Urlaub.... danach werden die Tage bis Weihnachten gezählt und dann eben wieder von Wochenende zu Wochenende, von Urlaub zu Urlaub.... irgendwann dann hoffentlich bis zur Elternzeit und in 30 Jahren kann ich dann ja mal anfangen, Monate bis zur Rente zu zählen.