Ich denke der Zeitgeist der Unzufriedenheit auf dem Arbeitsmarkt (ist ja durchaus kein Einzelfall) rührt aus dem Verhältnis der Weiterentwicklung (kulturell, technologisch und ökonomisch) im Gegensatz zum Zeiteinsatz.
Nicht vielen ist der Luxus vergönnt in einer Arbeit aufzugehen bzw. in einem Tätigkeitsfeld, welches einem gefällt. Insofern find ich Aussagen die diesen Menschen ihre Unzufriedenheit absprechen schwierig. Es ist ja durchaus richtig, dass man früher nicht so viel Luxus und Auswahl hatte. Jedoch sind auch die Ansprüche an den Arbeitnehmer gewachsen und dabei rede ich nicht von der Belastbarkeit unserer Großeltern, welche zweifelsohne hoch war. Sondern von dem was grundlegend als Standard von einem Arbeitnehmer erwartet wird.
Das ist schon nicht ohne und wenn man dann noch den Umstand miteinbezieht, dass viele ihrer Arbeit ungerne nachgehen und keine Möglichkeit haben kurz-mittelfristig die Branche zu wechseln. Eigentlich fördert der kapitalistische Ansatz ja effezienz-getriebenes denken. Weil mehr Effizienz = mehr wirtschaftliche Leistung. Aber komischerweise arbeiten wir (Stunden und leistungstechnisch) statistisch gesehen immer mehr. Übrigens auch deutlich mehr als z.B. in den 60-gern. Und das OBWOHL wir als Gesellschaft und in der Industrie immer effizienter wurden. Eigentlich wäre die logische Schlussfolgerung -> eine gestiegener wirtschaftliche Leistung mit deutlich weniger Zeiteinsatz durch Arbeitnehmer. Oder in kurz, mehr individuelle Freizeit und zeitgleich Wirtschaftswachstum + Wohlstand. Hier zeigt sich dass diese Rechnung natürlich global nicht aufgehen kann, da auch andere Nationen nachziehen oder uns voraus sind. Somit bleibt es ein ewiges Wettrennen gegen die Zeit. Statt Zeitressourcen frei zu machen, wird die frei gewordene Zeit direkt reinvestiert oder sogar weiter gekürzt um... tchja... was... Konkurrenzfähig zu sein? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.
Bei mir selbst sind 10-11 Stunden Tage keine Seltenheit und nein ich bin nicht selbständig. Ich bin stinknormaler Arbeitnehmer. Aber ich arbeite gern viel und verdiene gut. Meine Arbeit macht auch Spaß. Deswegen mag ich mich nicht beschweren.
Ich mag mir allerdings nicht ausmalen, wie sich ein Mensch in meinen Schuhen fühlen muss, wenn er sich nur in einer einzigen Sache zu mir unterscheidet -> dem Spaß an der Arbeit. Es muss einer Tortur gleichen und da hilft beim besten Willen auch kein Geld oder sonst was. Wenn sich dieser Umstand dann noch paart mit gewissen Verpflichtungen oder anderen Bedingungen, die einen Branchenwechsel oder einfach eine kurze Auszeit verhindern... Dann kann ich so langsam die Analogie zum allseits beliebten Hamsterrad ausnahmsweise nachvollziehen.
Jeder Mensch ist seines eigenen Glückes Schmied ist (leider) realitätsfern. Ich denke durchaus, dass ein Großteil der Menschen tatsächlich sehr vieles ändern könnte, mit etwas Willenskraft. Aber Willenskraft aufzubringen kann entweder gottgegeben und denkbar einfach sein, oder in anderen Fällen so unmöglich wie dem Schwein fliegen beizubringen. Ich finde Berufswechsel-Förderung und Weiterbildungen/Umschulungen sollten mit einer Selbstverständlichkeit vom Staat finanziert werden. Ohne das Erfüllen von 100 Kriterien.
Dass es dazu keinen Konsens gibt, stimmt mich nachdenklich.