Ich habe sie gepflegt bzw. die Pflege organisiert, weil ich es für gut hielt.
Weil man Anstand hat, darum. Ganz einfach darum. Ich wollte mich nicht auf dasselbe Niveau herunterlassen wie die anderen. Und nicht auf das meiner Schw. mutter und das war gut so. Und richtig und wichtig.
Nochmal, ich glaube, das hat nix mit Anstand zu tun. Klar, die Pflege zu organisieren, dafür zu sorgen, dass der pflegebedürftige Mensch halbwegs versorgt ist, da bin ich deiner Meinung, das sollte man tun, unabhängig davon, was man für ein Verhältnis vorher hatte.
Aber man muss nicht so "anständig" sein, den Menschen selbst zu pflegen über viele jahre lang. Die Frage ist auch, warum du das denn getan hat, und nicht dein Mann. Es war seine Mutter. So wie ich dich hier kennen gelernt habe, hast du doch einen guten Beruf und bist in der Lage Geld zu verdienen. Insofern hätte ja auch dein Mann etwas beruflich zurück stecken können und den Hauptteil der Pflege übernehmen können, z. B.
Ich habe das halt auch in der eigenen Familie erlebt. Meinen Vater hatte irgendwann mein Bruder aufgenommen, weil er eben auch die finaziellen und räumlichen Vorraussetzungen dafür hatte. Aber die wirkliche Pflege hat dann meine Schwägerin übernommen. Bis es nicht mehr ging, das Ausmaß der Pflege einfach zu überfordernd war für die beiden, so dass sie ein gutes Pflegeheim für ihn suchten und fanden.
Ansonsten gibt es auch wirklich sehr anständige und hilfsbereite Menschen, die sich einfach nicht in der Lage dazu sehen, jemanden lange zu pflegen. Eine Freundin von mir hätte es einfach nicht geschafft. Sie hatte weder die Räumlichkeiten dazu, sie hatte Kinder und musste arbeiten, ihr Mann musste ebenso arbeiten, es war schlichtweg keine Zeit oder keine Ressourcen dazu da, um die Mutter zu pflegen.
Sie hat sie dann ins Pflegeheim gegeben, fand sie auch nicht toll, aber es ging nicht anders. Irgendwann starb sie. Für die Schwiegermutter hatten sie dann eine Wohnung gleich nebenan gefunden und hatten sie halt mitversorgt, aber sie war nicht so sehr pflegebdürftig wie die Mutter. Trotzdem ging auch das an die Grenzen meiner Freundin und ihrem Mann.
Ich selbst bin froh, dass meine Mutter starb, bevor sie total pflegebedürftig wurde, ihre psychische Krankheit hatte mir mein ganzes Leben lang schon zugesetzt. Ich bin froh, dass mein Bruder meinen Vater aufgenommen hatte, wobei die größte Last ja bei meiner Schwägerin lag.
Was meine Oma betrifft, eigentlich wären ja erstmal mein Vater und meine Mutter zuständig gewesen, aber die konnten sich kaum um sich selbst kümmern, die wären gar nicht in der Lage gewesen dazu, sich um die Oma zu kümmern.
Tja, für meine Eltern waren ihre eigenen Kinder schon eine zu große Belastung, vor allem ich. Deshalb sorgte man ja dafür, dass ich mit 17 schon auszog.
Mir braucht keiner was von Anstand erzählen.
Niemand ist dazu verpflichtet, sein eigenes Leben aufzugeben um eine Person zu pflegen, von der man vorher nur Hass erlebt hat.
Und die TE hat meinen größten Respekt, dass sie im Notfall erstmal hilft, ohne überhaupt zu wissen, was sie erwartet. Und dass sie hier fragt nach Tips fragt, die sie auch teilweise umsetzt. Dass sie ehrlich genug ist, zu sagen, wie sehr sie das nervt und belastet, sich aber trotzdem alle Mühe gibt.
Und dem standhält, dass sie auch noch teilweise hier blöd angemacht wird.
Liebe Erdnussbutter, du hast meinen größten Respekt.