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Übergriffigkeit durch den Therapeuten

  • Starter*in Starter*in Gelöscht 119232
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G

Gelöscht 119232

Gast
Guten Abend,

ich liege noch wach und mir fiel im Bett ein Erlebnis ein, dass schon fast 15 Jahre zurück liegt.

Ich würde das gerne mal schildern.

Es muss etwa 2008 gewesen sein. Ich war damals ein junger, 25jähriger Student.
Ich bin heterosexuell. Das erwähne ich, weil das in Hinblick auf die Geschichte relevant ist.

Es ging mir damals sehr sehr schlecht. Starke Depressionen und ebenfalls starke Sozialphobie.
Ich war sehr sehr ängstlich gegenüber Menschen, sehr zurückhaltend. Habe jedem alles Recht gemacht. Ein "Mäusschen" war ich, habe den Menschen aus Angst nach dem Mund geredet, hatte überhaupt kein Selbstbewusstsein.

Jedenfalls begann ich dann eine Psychotherapie. Der Therapeut hatte die Praxis frisch aufgemacht, es war seine erste Praxis, ich gehörte zu seinen ersten Patienten. Der Therapeut muss vom Alter her so etwa Mitte 30 gewesen sein.

Mir fiel recht früh auf, dass er homosexuell ist.
Das war mir recht egal, ist ja für die Therapie irrelevant.
Bei ihm hatte ich stark den Eindruck, dass er sehr viel auf sich selbst hält. In seiner frisch eingerichteten Praxis steckte einiges an Geld. Das waren keine Ikea Möbel, das waren Möbel die sich manch einer nie im Leben leisten kann. Es fehlte nur ein Klavier-Flügel, der wäre da gar nicht weiter aufgefallen. Er trug auch immer teure, modische Anzüge, die perfekt aussahen. Dazu völlig im Kontast hatte er immer fettige, komplett ungekämmte, wirsche Haare. Etwas ungepflegt sah das aus. Als wäre ein ungeduschter Mann in einen teuren Anzug gestiegen.


Wir hatten dann die ersten Sitzungen und es lief ok.
Er machte einen freundlichen und engagierten Eindruck.

In den Gesprächen bestand ein völliges Machtgefälle. Denn ich war -wie bereits erwähnt- das totale Häufchen Elend, völlig sensibel, voller Angst. Habe kaum den Mund aufgemacht.
Ich habe mich völlig "untergeordnet". Er bestimmte alles an den Gesprächen. Er gab die Richtung vor und hatte immer das letzte Wort.

Etwa in der dritten Sitzung bot er mir an, mich zu einem sozialen Anlass zu begleiten, um meine Sozialphobie zu therapieren.
Z.B. auf eine Party, in die Uni oder sowas. Das kam mir recht schräg vor. Es ist zwar durchaus nachvollziehbar, dass ein Therapeut mein Sozialverhalten beobachten und evaluieren will. Aber ich hatte noch nie davon gehört, dass ein Therapeut sowas macht. Mir schoss als BWL Student auch direkt durch den Kopf, dass sich das finanziell überhaupt nicht für den Therapeuten lohnt, Fahrtstrecken für ne einzelne Therapie auf sich zu nehmen. Der Mann hat doch gerade viele zehntausend, vielleicht hunderttausend Euro in einen Therapeuten-Kassensitz und eine teure Einrichtung gesteckt. Da will der sowas unrentables machen?
Und abgesehen wäre es mir himmelhoch peinlich gewesen, meinen Therapeuten mit in die Uni oder auf ne Party zu nehmen.

Ich lehnte das jedenfalls wehement ab, obwohl er etwa 2 Minuten auf mich einredete. Ich will da aber nicht zuviel reintinterpretieren. Das kann WIRKLICH nur rein therapeutische Gründe gehabt haben. Vielleicht aber auch nicht, das weiß nur er selber.

So, jetzt zum eigentlichen Punkt.
Das ist jetzt ein Gedächtnisprotokoll, was auf Grund der 15 Jahre nicht den Wortlaut wiedergibt.
Ich saß etwa in der 6ten Sitzung.
Geschätzt bei Minute 20.
Ich erzählte gerade irgendwas und bin mitten im Satz, als er mich einfach so mit einem Lächeln unterbrach:
"Masturbieren Sie gerne, Herr T.?"
Ich war erstmal ziemlich baff. Völlig aus dem Kontext gerissen kam diese Frage. Das hatte null mit unserem bestehenden Gespräch zu tun.
Ich stammelte dann eine Antwort: "Äh, ich finde...das ist..privat..."
Er hackte dann nach mit sowas wie: "Doch, das muss ich wissen."
"Öh...wofür...warum?"
"Das ist therapierelevant."
"Ich möchte darüber nicht reden."

Es ging dann 10 Minuten weiter. Er war von Anfang an sehr offensiv und forsch. Zwar erst noch mit einem Lächeln, aber erwartete, dass ich ihm JETZT, SOFORT und OHNE WIDERWORTE Details aus meiner Sexualität erzähle.
Ich war eingeschüchtert aber sagte wieder und wieder, dass ich darüber nicht reden wolle. Er übte starken Druck auf mich aus, wurde immer gereizter. Wie gesagt, zog sich das 10 Minuten hin. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor.

Irgendwann gab er dann wütend auf und beendete frühzeitig die Sitzung. Ich wäre nicht therapie-kooperativ, oder sowas in der Art sagte er.


Diese 10 Minuten waren für mich sehr sehr befremdlich. Ich habe dann aus der Praxis raus und habe erstmal völlig verstört die Situation reflektiert. Hatte ich da gerade irgendwas völlig falsch verstanden? Spinne ich jetzt total? Bilde ich mir gerade völlig was ein? Es gibt doch sicherlich wirklich eine Auswirkung von Depressionen auf die Libido. Vielleicht hatte das tatsächlich gute, therapeutische Gründe, da nachzufragen.

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich mir da nichts eingebildet habe. Mein Therapeut hat sich verbal-sexuell übergriffig verhalten.
Kein Therapeut würde seinen Patienten mitten in einer Unterhaltung mit dieser Frage unterbrechen. Das war schonmal völlig schräg.
Und erst recht ist es sehr aufringlich und völlig unsensibel, minuntenlang Details zu einem intimen Thema penetrant & gereizt einzufordern.
Dazu kommt, dass er -wie erwähnt- homosexuell ist. Das passte auch. Ich sah damals auch ganz hübsch aus. Dazu meine sehr schüchterne, unterwürfige Art.... Da habe ich ja fast zu Übergriffigkeit eingeladen. Ich bin überzeugt, diese 10 Minuten waren in seinem eigenen sexuellen Interesse begründet. Anders ausgedrückt: Der stand auf mich.


Ich habe dann sofort die Therapie beendet. Es gab keine weitere Sitzung. Das war sehr schlecht, weil es mir wirklich zu der Zeit wirklich sehr schlecht ging.
Dann habe ich den Vorfall im Laufe der Zeit vergessen.

Vor einigen Jahren habe ich nochmal dran gedacht. Ich habe mich dann informiert, ob man sich anonym irgendwo beschweren kann.
Wenn ich mich richtig erinnere, ist es so, dass man sich zwar beschweren kann, aber es besteht Klarnamenpflicht. Und nicht nur das: Der Therapeut wird unter Nennung des Namens des Beschwerdeführers zur schriftlichen Stellungnahme gebeten....und kann damit natürlich auch rechtlich gegen den Beschwerdeführer vorgehen.

Tja, und ich bin in der Beweispflicht. Und ich habe keine Beweise. Wie auch? Das war ein 4-Augen-Gespräch und der Therapeut wird wohl kaum in seine Akte sowas geschrieben haben wie: "Den hübschen blonden jungen Mann fand ich plötzlich geil."


Was mir nur einfällt: Es kann natürlich sein, dass sich andere Patienten ebenfalls beschwert haben. Das wirft dann natürlich ein anderes Licht auf die Sache.

Was noch möglich wäre: Das war damals eine Gemeinschaftspraxis, mit der der Therapeut sich frisch selbstständig gemacht hatte. Da waren noch andere Therapeuten. Da könnte man mal anfragen, ob die Ähnliches gehört haben.

Irgendwann hat mein Therapeut auch diese Gemeinschaftspraxis verlassen und seine eigenen Räumlichkeiten gemietet.



Vielleicht schreibe ich doch irgendwann mal eine anonyme Mail an die Beschwerdestelle. Wie gesagt, vielleicht gibt es weitere Beschwerden. Meinen Klarnamen gebe ich sicherlich nicht an. Auf einen Rechtsstreit habe ich keine Lust, das bedeutet nur Ärger, Stress und Kosten. Da ich heute immer noch Depressionen habe, kann ich darauf verzichten.



Ich wollte die Geschichte einfach mal niederschreiben.
Danke fürs Lesen.
Und jetzt muss ich echt ins Bett, das wird morgen ein harter Tag. *seufz*
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo TimUndStruppi,

puh, das klingt nach einem wirklich, wirklich unschönen Erlebnis! Konntest du denn danach nochmal Vertrauen in Therapeut:innen finden, geht es dir inzwischen besser als damals?

Ich finde sein Verhalten auch sehr übergriffig. Leider kommt sowas in der Therapie nicht so selten vor, wie man denkt, es gibt tatsächlich ziemlich viele schräge Situationen in solch einer Konstellation. Ich will sein Verhalten auf keinen Fall rechtfertigen, aber je nach Background des Therapeuten gibt's auch die kleine Chance, dass er andere Intentionen als sexuelle Belästigung hatte. Gerade eher konservative Psychoanalytiker messen der Sexualität eine sehr hohe Bedeutung zu und es gibt auch Therapeuten, die gezielt provokativ arbeiten, ich habe Zuhause ein Buch, das tatsächliche "Provokative Therapie" heißt. Dabei geht es darum, Patient:innen gezielt aus der Reserve zu locken, ich könnte mir vorstellen, dass vor 15 Jahren solche Ansätze noch mehr"en vogue" waren wie heute.

Aber ganz egal, was dahinter steckt: Ich finde das war ein ganz ekelhaftes Ausnutzen eines Machtgefälles und für dich persönlich nachhaltig unangenehm.

Lg vogelfrei
 
Lieber TE,
es tut mir leid, dass diese Erfahrung dich so tief erschüttert hat. Aus meiner Therapiezeit kann ich sagen, dass wir eigentlich in jeder Sitzung über Sexualität, Liebe, Nähe etc. sprachen. Auch über Masturbationsintervalle. Sexualität kann der Schlüssel zu unserem Unterbewussten sein.
Ich würde jetzt nicht davon ausgehen, dass der Therapeut schwul und heiß auf dich war.
Er ist gewiss sehr ungeschickt/konfrontativ vorgegangen, aber einen sexuellen Übergriff sehe ich nicht.
Auch wird sich nach 15 Jahren kein Mensch mehr dafür interessieren, ob er dich übertrieben interessiert nach deinen Masturbationserfahrungen fragte.
Wenn es dich stark belastet, schreibe IHM das. So würde zumindest ich das machen.
Und erst recht ist es sehr aufringlich und völlig unsensibel, minuntenlang Details zu einem intimen Thema penetrant & gereizt einzufordern.
Dazu kommt, dass er -wie erwähnt- homosexuell ist. Das passte auch. Ich sah damals auch ganz hübsch aus. Dazu meine sehr schüchterne, unterwürfige Art.... Da habe ich ja fast zu Übergriffigkeit eingeladen. Ich bin überzeugt, diese 10 Minuten waren in seinem eigenen sexuellen Interesse begründet. Anders ausgedrückt: Der stand auf mich.
Wie gesagt - Sexualität gehört zur Therapie. Also, thematisch.
Hat sich denn deine Situation gebessert? Hast du neue Therapieerfahrungen machen können?
 
(...) und es gibt auch Therapeuten, die gezielt provokativ arbeiten, ich habe Zuhause ein Buch, das tatsächliche "Provokative Therapie" heißt. Dabei geht es darum, Patient:innen gezielt aus der Reserve zu locken, (...)
Das nehme ich als Mosaiksteinchen für mich. 👍

ich liege noch wach und mir fiel im Bett ein Erlebnis ein, dass schon fast 15 Jahre zurück liegt.
(...)
Eine Aufarbeitung des Erlebnisses von damals scheint mir sinnvoll. Aber es ist die Frage, mit wem das gelingen kann. Ein anderer Therapeut wird vermutlich wohl erst mal damit arbeiten, dass man etwas fehlinterpretiert hat, weil man in einer seelisch schwierigen Lage war (oder ähnlich), dass man seine Wahrnehmung überprüfen sollte. Und wenn man sich nicht für ernst genommen fühlt, kann es einem möglicherweise eher schaden als nutzen.

Den Therapeuten von damals würde ich keinesfalls kontaktieren. Bestimmt würde dieser sein Vorgehen diagnostisch so darstellen wollen, dass es für ihn passt. Wie geschrieben, besteht hier ein großes Machtgefälle.

Es kann auch passieren, dass man als Patient/in ganz falsch eingeschätzt wird, andere Reaktionen angenommen werden. Das kann schlimmstenfalls eine Verschlechterung der seelischen Verfassung zur Folge haben.

Es ist halt so eine Sache mit den angewendeten Methoden und dass die Behandler auch mit sich reden lassen.
 
Auf keinen Fall würde ich zu diesem Therapeuten wieder Kontakt aufnehmen.

So wie er mit dir geredet hat ...wirkt es schräg, grenzüberschreitend und übergriffig.

Ich würde diese Sache ruhen lassen.

Es ist eine andere Situation, wenn Klienten mit ihrem Therapeuten freiwillig über Sex reden.
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Ich war eingeschüchtert aber sagte wieder und wieder, dass ich darüber nicht reden wolle. Er übte starken Druck auf mich aus, wurde immer gereizter. Wie gesagt, zog sich das 10 Minuten hin. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor.
Irgendwann gab er dann wütend auf und beendete frühzeitig die Sitzung. Ich wäre nicht therapie-kooperativ, oder sowas in der Art sagte er.
Zitat Ende

So hätte sich kein Therapeut verhalten dürfen.
Manche Therapeuten haben selber einen Sprung in der Schüssel.
 
Etwa in der dritten Sitzung bot er mir an, mich zu einem sozialen Anlass zu begleiten, um meine Sozialphobie zu therapieren.
Z.B. auf eine Party, in die Uni oder sowas. Das kam mir recht schräg vor. Es ist zwar durchaus nachvollziehbar, dass ein Therapeut mein Sozialverhalten beobachten und evaluieren will. Aber ich hatte noch nie davon gehört, dass ein Therapeut sowas macht.
Doch, ein guter Therapeut macht das. Bei den Therapeuten, bei denen ich bisher in Therapie war, haben das auch gemacht. Das ist tatsächlich völlig normal, dass Therapeuten alltägliche Situationen üben, die ihren Klienten schwer fallen.

Es ging dann 10 Minuten weiter. Er war von Anfang an sehr offensiv und forsch. Zwar erst noch mit einem Lächeln, aber erwartete, dass ich ihm JETZT, SOFORT und OHNE WIDERWORTE Details aus meiner Sexualität erzähle.
Ich war eingeschüchtert aber sagte wieder und wieder, dass ich darüber nicht reden wolle. Er übte starken Druck auf mich aus, wurde immer gereizter. Wie gesagt, zog sich das 10 Minuten hin. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor.
Während der Therapie auch über die Sexualität zu reden ist völlig normal, das Vorgehen des Therapeuten eher nicht. Vielleicht wollte er dich nur testen mit seinem provokativen Nachgefrage oder es war tatsächlich einfach nur übergriffig. Wir wissen es nicht. Besser wäre es gewesen, du hättest ihn in einer weiteren Sitzung darauf angesprochen und ihm gesagt, dass du sein Verhalten übergriffig fandest. Man kann den Therapeut ruhig kritisieren. Die können i.d.R damit umgehen und es ist für sie auch gutes Feedback um sich zu verbessern.
Mein Rat daher: Hake es ab. Wir können jetzt natürlich auch seitenlang darüber diskutieren, was die Intension des Therapeuten war, aber Spekulationen helfen dir nicht weiter.
 
Zwang sehe ich hier nicht sondern nur ein penetrantes Nachhaken. Da sollte man schon mal die Kirche im Dorf lassen 😉 Zwang wäre es, wenn der Therapeut z.B. noch gedroht hätte. Aber das war hier anscheinend nicht der Fall.
 

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