Ich habe acht Monate komplett alleine zuhause nur noch in meinem Gedankenkarussel verbracht und überlegt, wie ich den betreffenden Personen mit gleicher Münze zeigen kann, wie sie mich verletzt haben. Ich finde es komisch, dass ich dann für alle der Böse bin, obwohl sie ja während Corona dasselbe mit mir gemacht haben.
Ich möchte gerne aus diesem Gedankenkarussel raus, schaffe es aber nicht.
Schau mal auf deine Hände. Mach eine Faust. Versuche, etwas zu greifen.
Wenn du etwas neues mit deinen Händen greifen möchtest, musst du die Faust zunächst lösen.
Du hast sehr viel Zeit allein verbracht, unglücklich, verletzt, einsam.
In deinem Unglück hattest du begonnen, Rachegedanken zu spinnen, wie du die verletzen kannst, die dir weh getan haben.
Das ist menschlich verständlich, kommt aber bei denen, an denen du dich rächen willst, trotzdem verständlicherweise nicht gut an.
Lass deinen Zorn und Groll los, dann kannst du etwas neues beginnen.
Es ist ein sehr schöner Gedanke von dir gewesen, dass du an Heiligabend für Obdachlose da sein willst.
Als mein Bruder dann geheiratet hatte, änderte sich das. Mein Bruder hatte mittenmal einen höheren Stellenwert. Er wurde halt nicht mehr als das Schaf angesehen, sondern als Oberhaupt einer eigenen Familie. Während sich mein Vater immer noch in meine Angelegenheiten meinte, einmischen zu müssen. So, als sei er noch mein Erziehungsberechtigter, weil ich ja noch nicht unter der Haube bin
So, wie du das schreibst, finde ich diese Auffassung deines Vaters ziemlich absurd.
Dein Bruder soll mehr Wert haben als du, weil er verheiratet ist und als Familienoberhaupt seiner eigenen Familie nun seiner Ehefrau sagen darf/soll/muss, wo es lang geht?
Das finde ich persönlich ziemlich absurd. Was ist deine Meinung dazu?
Auch als wir schon erwachsen waren, hat er uns als seine Schafe angesehen.
Wie siehst du dich? Als Schaf deines Vaters, als ein Wesen, dem von deinem Vater der rechte Weg gezeigt werden muss?
Es kommt mir so vor, als würde dein Vater seine Familie als Herde brauchen, um sein Selbstbild als Hirte aufrecht zu erhalten.
Versuch es mal so zu sehen: hätte dein Vater dich nicht verletzt, würdest du dich vielleicht immer noch bemühen, sein artiges Schaf zu sein.
Nun bist du frei, deinen eigenen Weg zu gehen.
Du hast deinen Vater so verletzt wie er dich verletzt hat, jetzt seid ihr quitt.
Genieße deinen Urlaub, denk in Ruhe über alles nach. Lass deinen Zorn los, deinen Groll. Deine Rache hast du jetzt gehabt, lass es damit gut sein.
Vielleicht, wenn du deinen Weg weiter gehst, kommst du irgendwann dazu, dass du einfach so glücklich bist, da zu sein, wo du bist, so glücklich, der zu sein, der du bist, dass du zurück schaust und sagst, dass das sogar diese Verletzung wert war.
Denn sonst hättest du vielleicht einen anderen Weg eingeschlagen.
Und lange vorher wird sich dein Zorn so abgekühlt haben, dass du wieder frei bist, deinem Vater und deinem Bruder zu begegnen - ohne, dass du das Bedürfnis nach Rechtfertigung hast oder nach Rache oder ihrer Anerkennung - einfach, weil du selbst mit dir im Reinen bist.