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Warum gibt es Verschwörungstheorien?

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Man sollte Dinge hinterfragen und nicht blind alles glauben und hinnehmen, was einem die Medien so präsentieren. Eine gesunde Skepsis entwickeln und auch selber recherchieren. Medien berichten gerne sehr einseitig. Die drohende Impfpflicht wurde vor ein paar Monaten ja zb auch als "Verschwörungstheorie" abgetan und diejenigen die davor Sorge hatten, massivst verunglimpft.
 
Die Frage ist, wo fängt die "Verschwörung" an und wo hört sie auf?

Heutzutage ist man ja schnell dabei, jeden als Schwurbler zu betiteln, der eine andere Meinung als die Allgemeinheit vertritt, Dinge hinterfragt und Zweifel am Wahrheitsgehalt bestimmter Meldungen/Geschichten hat.

Es gibt darunter natürlich Sachen, die absolut absurd sind und man muss auch nicht hinter jeder Sache irgendeine Agenda vermuten. Das Brot beim Bäcker z.B. wird garantiert nicht von Reptiloiden in urbanen Räumen mit Zutaten von Satan hergestellt..

Aber gewisse Zweifel haben durchaus ihre Daseinsberechtigung.
 
Einmal wird der Begriff Verschwörungstheorie inflationär gebraucht. Nicht jede mehr oder weniger absurde Überlegung ist eine Verschwörungstheorie. Zu glauben das Pharmafirmen die Wahrheit beugen oder lügen um Profit zu machen, ist einfach nur Misstrauen. Zu glauben das Pharmafirmen, Regierung, Geheimdienste und Polizei unter der Kontrolle eines Geheimbundes stecken der die Bevölkerung mit Chemtrails gefügig machen will, ist eine Verschwörungstheorie.

Die Verschwörungstheorie braucht ein mehr oder weniger geschlossenes Weltbild mit einer bösartigen, kryptischen Macht und dem Gläubigen als einem der wenigen die die Wahrheit erkannt haben. So gesehen unterscheidet sich das absolut nicht vom Teufelsglauben des Mittelalters.

Menschen scheinen einfach das Bedürfnis zu haben, eine komplexe Welt zu ordnen, damit ihre Psyche mit ihr klar kommt. Da Religion diese Ordnungsfunktion nahezu komplett verloren hat, sind da einfach andere Dinge an diesen Platz getreten. Terry Pratchett hatte in seinem Buch Schweinsgalopp mal etwas ähnliches geschrieben: die Menschen haben den Glauben an den Schneevater verloren, das führte zu einem ungenutzten Glaubensüberschuss und der sorgte dafür, dass sich der Warzengnom manifestiert hat. Früher war der Teufel für negative Ereignisse verantwortlich, heute ein Geheimbund. Das Prinzip ist aber das gleiche.

Hier noch ein Video von Ultralativ, weswegen wir lieber an Verschwörungen als an Zufälle glauben:
Danke!
Dem möchte ich noch hinzufügen: Das problematische an den "klassischen" Verschwörungstheorien ist ja, dass sie immer ein Feindbild im Gepäck haben: Also einen klassischen Sündenbock auf den derjenige, der daran glaubt, seinen Hass richten kann: besonders beliebt sind hier dann natürlich die "Ungläubigen", die Juden, die "oberen 10 000" oder jetzt eben auch die Politiker allgemein, oder sonst irgendwelche vermeintlichen Eliten oder aber eben auch vermeintlich Schwächere (Flüchtlinge oä)
Stets gibt es diesen einfachen Schuldigen: Bereits zu Urzeiten gab es bei Naturvölkern die "Praxis" alles schlechte, was einem Dorf passiert ist, auf einen Ziegebock zu "bannen" und diesen Ziegenbock dann zu verjagen oder zu schlachten: Daher der Ausdruck Sündenbock: Wenn die Realität mir nicht greifbar erscheint, werfe ich alles auf den Sündenbock und kann mir selbst das Gefühl geben, ich hätte die Lage im Griff oder zumindest verstanden.

Aktuell bekommt die Szene der Verschwörungstheoretiker leider noch einen sehr hässlichen Beigeschmack, denn durch das gezielte Setzen solcher Theorien kann so manche Strömung billige und einfache Mitläufer gewinnen. Also bedienen sie sich gezielt der Verbreitung von Verschwörungstheorien, Fakes und co um eben Anhänger zu gewinnen und zu mobilisieren (ist ja auch einfacher, als mit Argumenten zu überzeugen)
Mal ehrlich: Würde Trump einfach als überreicher und verwöhnter Bengel mit Allmachtsfantasien auftreten hätte er keine Anhänger: Wer will schon einem verwöhnten Superreichen anhägen, der letztlich nur sich selbst bereichern will?
Aber wenn er sich als Heilsbringer gegen die Etablierten inszeniert, hat er schon seine Anhänger. Dass er selber einer der "Etablierten" ist verschweigt er einfach und damit hat sichs.

Auffällig bei Verschwörungstheoretikern ist ja, dass sie sich eigentlich NIE für echte Verschwörungen interessieren: zB der VW-Abgasskandal: Das war ja eine waschechte Verschwörung und eine riesen Sauerei: Da war der Aufschrei nicht halbsogroß wie er zB bei der angeblichen Abschaffung der Demokratie durch die Coronamaßnahmen war.

WARUM das so ist finde ich dann wirklich rätselhaft: Also warum glaubt man an Cemtrails oder Qanon, aber VW interessiert einen nicht? Vielleicht, weil es viel zu wenig mysteriös ist?
 
Hi
Wären, so gesehen, Religionen nicht aber auch Verschwörungstheorien? Bei näherer Überlegung?
Danke!
Dem möchte ich noch hinzufügen: Das problematische an den "klassischen" Verschwörungstheorien ist ja, dass sie immer ein Feindbild im Gepäck haben: Also einen klassischen Sündenbock auf den derjenige, der daran glaubt, seinen Hass richten kann: besonders beliebt sind hier dann natürlich die "Ungläubigen", die Juden, die "oberen 10 000" oder jetzt eben auch die Politiker allgemein, oder sonst irgendwelche vermeintlichen Eliten oder aber eben auch vermeintlich Schwächere (Flüchtlinge oä)
Stets gibt es diesen einfachen Schuldigen: Bereits zu Urzeiten gab es bei Naturvölkern die "Praxis" alles schlechte, was einem Dorf passiert ist, auf einen Ziegebock zu "bannen" und diesen Ziegenbock dann zu verjagen oder zu schlachten: Daher der Ausdruck Sündenbock: Wenn die Realität mir nicht greifbar erscheint, werfe ich alles auf den Sündenbock und kann mir selbst das Gefühl geben, ich hätte die Lage im Griff oder zumindest verstanden.

Aktuell bekommt die Szene der Verschwörungstheoretiker leider noch einen sehr hässlichen Beigeschmack, denn durch das gezielte Setzen solcher Theorien kann so manche Strömung billige und einfache Mitläufer gewinnen. Also bedienen sie sich gezielt der Verbreitung von Verschwörungstheorien, Fakes und co um eben Anhänger zu gewinnen und zu mobilisieren (ist ja auch einfacher, als mit Argumenten zu überzeugen)
Mal ehrlich: Würde Trump einfach als überreicher und verwöhnter Bengel mit Allmachtsfantasien auftreten hätte er keine Anhänger: Wer will schon einem verwöhnten Superreichen anhägen, der letztlich nur sich selbst bereichern will?
Aber wenn er sich als Heilsbringer gegen die Etablierten inszeniert, hat er schon seine Anhänger. Dass er selber einer der "Etablierten" ist verschweigt er einfach und damit hat sichs.

Auffällig bei Verschwörungstheoretikern ist ja, dass sie sich eigentlich NIE für echte Verschwörungen interessieren: zB der VW-Abgasskandal: Das war ja eine waschechte Verschwörung und eine riesen Sauerei: Da war der Aufschrei nicht halbsogroß wie er zB bei der angeblichen Abschaffung der Demokratie durch die Coronamaßnahmen war.

WARUM das so ist finde ich dann wirklich rätselhaft: Also warum glaubt man an Cemtrails oder Qanon, aber VW interessiert einen nicht? Vielleicht, weil es viel zu wenig mysteriös ist?

Exakt. Das eine lässt sich durch Fakten belegen, das andere wirkt wie ein ganz geheimer Mythos von dem nur die aller-aller-aller Ein geweihtesten wissen. Das spielt ja auch mit hinein, das Gefühl zu etwas großem zu gehören, während alle anderen ja 'Schlafschafe' oder sonstiges sind, die die Wahrheit einfach nicht sehen können. Man erhebt sich damit ein Stück weit über andere.
 
Ich fände es interessant jemanden zu hören, der diese Theorien glaubt oder vertritt.

DAs fände ich auch mal super spannend.
Ich hätte so viele Fragen...
Das Problem ist, dass man, wenn man sich WIRKLICH um Austausch mit solchen Menschen bemüht, im Grunde nie auf einen grünen Zweig kommt.
ich habe das schon so oft versucht und wirklich offen und mit ehrlichem Interesse den Austausch gesucht, aber: Fehlanzeige.

Erklärungen bekommt man nie: Wenn man sich nicht interessiert heißt es: Seht her: Keiner will die Wahrheit hören.
Und WENN man sich interessiert und Fragen hört, heißt es: Mach die Augen auf, dann wirst Du selber sehen.
😵
Also ein echter Austausch ist da kaum möglich. Und Fragen stellen wird sowieso gleich als Angriff angesehen.
Das gehört zu diesem Weltbild, dass es alles ausblendet, was auch nur rein theoretisch eine andere Weltsicht bringen könnte.

Das schlimme ist: Jeder kann in so einer Denkwelt ALLES verbreiten: Er muss nur dazu sagen: Wer mir widerspricht, beweist damit, dass ich recht habe und gut ists.
Traurig und beängstigend, denn so ist ja jede Kommunikation nach außen und jeder Austausch unmöglich.
 
Hi
Wären, so gesehen, Religionen nicht aber auch Verschwörungstheorien? Bei näherer Überlegung?


Exakt. Das eine lässt sich durch Fakten belegen, das andere wirkt wie ein ganz geheimer Mythos von dem nur die aller-aller-aller Ein geweihtesten wissen. Das spielt ja auch mit hinein, das Gefühl zu etwas großem zu gehören, während alle anderen ja 'Schlafschafe' oder sonstiges sind, die die Wahrheit einfach nicht sehen können. Man erhebt sich damit ein Stück weit über andere.
Ja im Grunde schon...oder sagen wir so: Verschwörungstheorien können eine Art Religion, oder Sekte sein. Eine Religion ist meist noch etwas vielschichter als eine Verschwörungstheorie, aber ja: Im Grunde kann man das durchaus vergleichen.
Es gehört ja auch dieser innere Zusammenhalt dazu: Ich und meine Gleichgesinnten.
Man grenzt sich gegen andere ab: Das tun ja auch viele Religionen oder Sekten.
Der größte Unterschied ist vielleicht:
Moderne Religionsausübung hat zumindest in weiten Teilen diesen Glauben an einen Sündenbock abgelegt, bzw ist der ja nicht DAS zentrale Thema, aber ja: Radikale Religionsströmungen under Sekten sind schon genau aus dem gleichen Holz.
 
DAs fände ich auch mal super spannend.
Ich hätte so viele Fragen...
Das Problem ist, dass man, wenn man sich WIRKLICH um Austausch mit solchen Menschen bemüht, im Grunde nie auf einen grünen Zweig kommt.
ich habe das schon so oft versucht und wirklich offen und mit ehrlichem Interesse den Austausch gesucht, aber: Fehlanzeige.

Erklärungen bekommt man nie: Wenn man sich nicht interessiert heißt es: Seht her: Keiner will die Wahrheit hören.
Und WENN man sich interessiert und Fragen hört, heißt es: Mach die Augen auf, dann wirst Du selber sehen.
😵
Also ein echter Austausch ist da kaum möglich. Und Fragen stellen wird sowieso gleich als Angriff angesehen.
Das gehört zu diesem Weltbild, dass es alles ausblendet, was auch nur rein theoretisch eine andere Weltsicht bringen könnte.

Das schlimme ist: Jeder kann in so einer Denkwelt ALLES verbreiten: Er muss nur dazu sagen: Wer mir widerspricht, beweist damit, dass ich recht habe und gut ists.
Traurig und beängstigend, denn so ist ja jede Kommunikation nach außen und jeder Austausch unmöglich.

Hmm. Es gibt einmal im Jahr so eine Konferenz bzw. Versammlung von der Flat Earth Society. Ausführliche Gespräche mit denen sollte man sich aber nur gönnen, wenn man viel Beruhigungsmittel dabei hat. Sonst erwischt man sich irgendwann dabei, das man vor lauter mentaler Verzweiflung in der Nordsee steht und ein Cellphone Vid darüber dreht, das die Erdkrümmung sehr wohl existiert.
 
Das Problem ist, dass man, wenn man sich WIRKLICH um Austausch mit solchen Menschen bemüht, im Grunde nie auf einen grünen Zweig kommt.
Bin letztens so einer Frau begegnet. Ihre Behauptung: Der CO2-Gehalt der Atmosphäre hat sich gar nicht verändert. Der liegt heute bei 0,04% (oder 400 ppm, je nach Belieben), und der hätte schon vor mehr als 100 Jahren bei 0,04 % gelegen. Beweis: So steht es in einer uralten Ausgabe des Meyerschen Lexikons. Zunächst konnte ich nicht dagegen halten, weil ich das nicht ad hoc überprüfen konnte.
Später dann, zuhause, fand ich im Internet, dass das so tatsächlich in einer Ausgabe des Meyerschen Konversationslexikons aus dem Jahre 1890 steht. Aaaaaber: Das war eine grobe Schätzung, weil man damals gar nicht die genauen Messmethoden von heute hatte. Spätere Kernbohrungen im ewigen Eis haben dann ergeben, dass der CO2-Gehalt um 1890 tatsächlich viel niedriger lag und vor Beginn der Industrialisierung bei 0,28 %.
Auch das ein Merkmal der Verschwörungstheoretiker: manchmal recherchieren sie, aber nie bis zum Ende. Nur so weit, dass es in ihre Verschwörungstheorie passt.
Schon durch einfaches Nachdenken muss man doch bezüglich des CO2-Gehalts zu folgendem Schluss gelangen: Wir verbrennen seit über 100 Jahren Öl in rauhen Mengen und seit über 200 Jahren Kohle. Das sind doch bis jetzt Milliarden und Abermilliarden Tonnen. Das MUSS einfach einen Einfluss auf den CO2-Gehalt der Atmosphäre haben.
 
Es gibt einmal im Jahr so eine Konferenz bzw. Versammlung von der Flat Earth Society. Ausführliche Gespräche mit denen sollte man sich aber nur gönnen, wenn man viel Beruhigungsmittel dabei hat. Sonst erwischt man sich irgendwann dabei, das man vor lauter mentaler Verzweiflung in der Nordsee steht und ein Cellphone Vid darüber dreht, das die Erdkrümmung sehr wohl existiert.
Auch hier wieder: Durch einfaches Nachdenken kommt man darauf, dass die Erde gekrümmt sein MUSS. Wenn sich ein großes Segelschiff aus großer Entfernung nähert, sieht man doch zuerst die Mastspitzen und erst zum Schluss den ganzen Rumpf.
Würde mich mal interessieren, welche Erklärung die dafür haben.
 
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