Selbstverständlich bezahle ich Miete. Die Nebenkosten werden fair geteilt.
Amory hat das schon ganz richtig erkannt: In einer Partnerschaft macht der Partner, der mehr Freizeit hat, den Großteil des Haushaltes. In vielen Beziehungen arbeitet der Mann in Vollzeit und die Frau in Teilzeit, also macht die Frau mehr im Haushalt.
Bei uns ist es umgekehrt. Ich habe einen Vollzeitjob, einen Nebenjob und ein Fernstudium. Mein Freund arbeitet nur ganz sporadisch 1-3 Stunden täglich, meistens tut er aber nichts. Da ist es doch ganz normal, dass er den Großteil im Haushalt übernehmen muss (das sieht er übrigens auch so).
Unter der Woche kocht er regelmäßig. Am Wochenende mache ich das auch manchmal, aus freien Stücken, weil es mir Spaß macht. Den Einkauf erledigen wir gemeinsam. Wäsche waschen, auf- und abhängen macht jeder für sich selbst.
Mir geht es hier um die Aufgaben, die mit der Reinigung zu tun haben... Putzen, Aufräumen usw. Ich bin sicher nicht pingelig. Aber ich kann das z. B. gar nicht haben, wenn auf dem Boden Schmutzspuren von Schuhsohlen zu sehen sind. In meiner Familie war das generell nie erlaubt, mit Straßenschuhen im eigenen Zuhause rumzulaufen. Wir mussten immer unsere Straßenschuhe am Eingang ausziehen und Hausschuhe anziehen. So pingelig wie meine Mutter bin ich jetzt bei weitem nicht. Wenn es draußen trocken ist, finde ich es nicht schlimm, wenn das Haus mit Straßenschuhen betreten wird.
Aber wenn es regnet oder schneit und nass oder matschig ist, geht das für mich gar nicht. Vor allem nicht in Badezimmer, Esszimmer und Küche. Mein Freund und seine Mutter haben sich noch nie darum geschert und sind früher ständig mit dreckigen Schuhen durchs Haus gelaufen. Er lässt es inzwischen mir zuliebe bleiben, sie leider nicht. Wenn sie von draußen reinkommt und dringend auf Toilette muss, hat sie nicht die Geduld, um noch vorher die dreckigen Schuhe auszuziehen.
Schlimm finde ich auch, dass auf dem Boden in Küche und Esszimmer manchmal Essensreste zu finden sind. Die Mutter meines Freundes ist sehr tollpatschig, ihr fällt öfters mal was Essbares auf den Boden. Aber es kommt ihr nicht in den Sinn, das wegzumachen. Das müssen dann mein Freund oder ich tun, wenn wir einen sauberen Boden haben wollen.
Mir ist es wichtig, dass einmal in der Woche gesaugt wird. Meistens macht mein Freund das, manchmal erledige ich das. Wenn er aber Zeitungen austragen muss oder seinem Nachbarn helfen oder die Temperaturen so hoch sind wie jetzt, dann saugt er nicht. Wenn irgendwas im Haushalt kaputt geht, brauchen er und seine Mutter oft mehrere Monate, um in die Gänge zu kommen und jemanden anzurufen, der das reparieren kann. Schnell geht sowas nur, wenn ich es in die Hand nehme.
Es regt mich halt auf, dass er ganz anders ist, wenn es ums Vergnügen geht. Wenn es um Treffen mit Freunden oder um Hobbys geht, ist er ein sehr aktiver Mensch, der gut und gerne organisiert, schnell und zuverlässig auf Nachrichten antwortet und jede Verabredung einhält. Vorhin beim Essen meinte er, dass er nachher einen Kumpel anrufen und fragen wird, ob dieser evtl. Ende November 2 Tage Urlaub nehmen kann, um mit ihm auf ein Konzert zu fahren. Erst später ist mir eingefallen, dass ich mir wünsche, dass mein Freund über die Winterzeit mal wieder arbeiten geht.
Sein Vater ist schon 2005 oder 2006 gestorben, aber er hat bis Ende 2016 die meiste Zeit gearbeitet. Wir sind seit Mitte 2018 zusammen, die letzten Jahre hatte er keinen richtigen Job mehr. Es kotzt mich auch mächtig an, dass seine Mutter ihm keinen Druck macht. Ihr ist es lieber, wenn er keine Arbeit hat. Dann hat er nämlich immer Zeit, sie spontan irgendwo hinzufahren und ihre Urlaubsvertretung beim Austragen der Zeitungen zu übernehmen.
Auf Hartz IV hat er keinen Anspruch, weil er zu viel besitzt. Das Haus seiner Mutter gehört auf dem Papier noch ihr, aber das Haus seines Vaters hat er geerbt. Verkaufen kann er das Haus des Vaters nicht, weil dort noch jemand drin wohnt, der ein Wohnrecht auf Lebenszeit hat.