Die drei Klassiker sind aus meiner Sicht:
- Der Sparkassenkunde, der nach den neusten Regeln extrem viele Dokumente ausfüllen muss, wenig wirklich versteht und dann extrem konservativ anlegt. Die Aktienfonds die er kauft sind von der DEKA, auf den DAX, aktiv gemanaged und kosten das 5 fache wie ETFs. Er weiß nicht, dass die Beratung der Sparkasse nicht wirklich kostenlos ist....
- Der gierige Selbstanleger, der Hebelprodukte wie CFDs kauft oder bei Etoro anderen Anlegern auf diese Weise folgt. Das funktioniert oft sogar eine Weile gut, bis es kracht. Das sind die typischen Geschichten wenn man von Totalverlusten hört.
- Der sicherheitsorientierte Rentner, der "das beste Unternehmen" sucht und dann alles darin investiert - ungeachtet dessen, dass ein Einzelunternehmen nie ein besonders sicheres Investment sein kann. Ich sehe jetzt noch die Bilder von Rentnern, die ihre Altesvorsorge komplett in Wirecard investiert hatten.
Statistisch ist es dabei
so einfach:
WELT ETF kaufen
10+X Jahre liegen lassen
freuen
Das kann man natürlich auf diverse Weise ergänzen und optimieren, aber die Basis ist einfach.
Woran es scheitert ist oft eher das Mindset, also Angst und Gier. Insofern ist die TE keine Ausnahme sondern eher die Regel wenn sie Angst vor der Zukunft hat und mit einem Wind ETF etwas sucht, was vermeintlich sicherer und besser sein soll.
Und wie du richtig sagst, machen das auch Fondsmanager. Sie müssen ja sagen, dass sie schlauer sind als Andere, sonst gäbe es ja keinen Grund ihre Fonds statt ETFs zu kaufen. Deswegen müssen wie auf die ihrer Meinung nach "besten Unternehmen" wetten und das mit Überzeugung dem Anleger verkaufen:
habe in letzter Zeit viel mit 70/30 gelesen und war bisschen verwirrt. Damit ist schon 70% Premium Fond von Dirk Müller und 30% Wirecard gemeint oder?
www.youtube.com
Dazu muss man dann noch sagen, dass es nicht selten schlichtweg die Manager selber sind, die ihren Fonds soweit verteuern, dass er mit einem vergleichbaren ETF nicht mithalten kann.
Die Vergleichsweise hohe TER eines aktiv gemanagten Fonds entfällt auf die Managementgebühren.
Glaubhaften Quellen zufolge sind jedoch nur etwa 15-20% der aktiv gemanagten Fonds besser gegenüber ETFs mit ähnlichem Risikoprofil.
Ich selber habe 2004 ganz klassisch mit aktiv gemanagten Fonds, empfohlen von einer Filialbank, begonnen. ETFs und eine "eigenes kostenoptimiertes Depot" kamen bei mir erst 2011 dazu.
Dabei war es weniger die TER, die mich seinerseits massiv gestört hat (sie ist bereits in den Kurs eingerechnet und fällt eigentlich gar nicht auf als Anfänger), sondern die enormen Ausgabeaufschläge. Ich durfte damals pro Kauf innerhalb eines monatlichen Sparplans 2,5% Ausgabeaufschlag zahlen.
Die meisten aktiv gemanagten Fonds habe ich zwischenzeitlich abgestossen. Sparpläne auf aktiv gemanagte oder neue Anlagen in diese Richtung sind bei mir nicht mehr vorgesehen.
Allerdings halte ich noch eine Position in meinem Depot, die aktiv gemanagt ist und nu nauch schon seit mehr als 10 Jahren besteht.
Daher kann ich Kursverläufe mit ähnlich ausgestalteten ETFs gut vergleichen und es stimmt:
Der ETF läuft langfristig etwas besser. Die Aufschläge und die hohe TER können vermieden werden. Die Stärke des aktiven Fonds zeigt sich lediglich in meinem Fall in schlechten Börsenzeiten (wie jetzt gerade). Mein aktiver Fonds hat etwas weniger Verlust eingefahren.
In starken Börsen-Zeiten wie den vergangenen 3 Jahren ist er den passiven Anlagen hinterher gehinkt, hauptsächlich dank hoher TER, nichtmal wegen schlechter Einzelwerte.
Aber auch hier wieder das alte Credo:
Lange Laufdauern, mindestens 10 Jahre, besser länger.
Breit gestreute Fonds in Branchen und Regionen als Kernanlagen für hohe Beträge wählen.
Große und ältere Fonds ( mindestens 5 Jahre alt und 500 Mio schwer) bevorzugen.
"Sektor-Wetten" wie solche auf bestimmte Branchen, Regionen und Wirtschaftszweige entweder unterlassen oder mit kleinem Geld als "Spielerei" ansehen. Erfolg und Mißerfolg gehen hier Hand in Hand und man übertrifft alles zusammen gerechnet selten die breite Weltwirtschaft.
Trends sehr kritisch beäugen und im Zweifel links liegen lassen... ist etwas bereits in den Nachrichten, ist es meist schon zu spät.
Immer kühlen Kopf bewahren, auch wenns mal 30-40% runter geht (habe ich bisher zweimal 2008 und 2020 "live" miterleben dürfen).
Und genau für dieses eigentlich eher ruhige und besonnene Handeln ist nunmal nicht jeder geeignet. So manch einer wird da schnell Teil von
@tonytomate `s Stammtisch-Statistik.
Meiner Erfahrung nach sind besonders solche Menschen am Finanzmarkt erfolgreich, die eine gewisse Grundruhe mitbringen, ein gutes Zahlenverständnis über die Grundrechenarten hinaus mitbringen, eventuell auch beruflich viel mit Zahlen und Statistik (nicht unbeding Finanzen, aber das natürlich auch) zu tun haben.
Kurzum Leute, die realitätsbezogen - und faktenbasiert denken und handeln.