Ich denke, dass die Emanzipation und das langsame Aussterben des Rollen- und Gesellschaftsbildes der 50er-Jahre sicherlich dazu beigetragen haben, dass es heutzutage mehr Singles gibt.
Frauen ist es heute möglich (so sie denn wollen), finanziell völlig unabhängig von einem Mann zu leben. Zahlreiche Verhütungsmittel stehen zur Verfügung, um nicht 5,6,7 Schwangerschaften aushalten zu müssen und aufgrund der Mutterrolle an den Haushalt "gefesselt" zu sein.
Scheidungen sind kein Drama mehr, über das sich das ganze Dorf/die ganze Kleinstadt jahrelang das Maul zerreißt.
Das Stigma der "alten Jungfer", die mit 25 immer noch nicht unter der Haube ist, gibt es auch nicht mehr.
All diese Faktoren führen dazu, dass sich Frauen nicht mehr zwangsläufig binden "müssen."
Die Ehe als religiöses Konstrukt interessiert kaum noch, als wirtschaftlicher Interessenausgleich und Absicherungsmechanismus ist sie auch entbehrlich geworden.
Aus meiner Sicht gibt es aber noch einen ganz anderen Faktor, vor allem bei ungewollten Langzeitsingles, der gerne übersehen wird. Und damit meine ich ausdrücklich Männer UND Frauen.
Bei o.g. ungewollten Langzeitsingles besteht häufig eine große, klaffende Lücke zwischen dem Anspruch, den sie ans Gegenüber haben und dem, was sie selbst zu geben bereit sind.
Da wird häufig gewünscht, dass sich der Traumprinz/die Angebetete zu 100% ins eigene Leben einfügt, bitte selbst keine großen Ansprüche stellt, einem jeden Wunsch von den Augen abliest und natürlich optisch voll und ganz den eigenen Vorstellungen entspricht.
Auch Selbst- und Fremdwahrnehmung liegen häufig meilenweit auseinander. Da schätzt man/frau sich selbst als optisch durchaus attraktiv, eloquent und witzig ein, andere empfinden es möglicherweise aber ganz anders.
Mal ganz abgesehen von den Marotten, die man sich als Langzeitsingle so zulegt (Ich darf das sagen! Ich war selbst vier schöne Jahre lang Single!).
Natürlich ist es aber sehr viel einfacher und auch weniger kränkend für den eigenen Selbstwert, wenn man Misserfolge bei der Partnersuche externalisiert und dem anderen Geschlecht in die Schuhe schiebt.
Männer wollen grundsätzlich nur 20 Jahre jüngere Frauen, die gut kochen, Wäsche waschen und gerne zu jeder Tages- und Nachtzeit gebumst werden.
Frauen wollen selbstbewusste, gutsituierte Alphamännchen mit angegrauten Schläfen, die im Sportwagen vorfahren, den Urlaub auf der Beauty-Farm sponsern, treu, verständnisvoll und am besten impotent sind. Wenn man sich dieses Weltbild aufrechterhält, hat man zwar immer noch keinen Partner, man/frau muss aber auch nichts an sich ändern und aus der eigenen Komfortzone hinaus, weil man das unerreichbar hohe Ideal, dass DIE Männer und DIE Frauen ans andere Geschlecht stellen, ja sowieso nicht erfüllen kann.