Irgendwie liest sich das wie eine Rechtfertigung aus der Bewegung der antiautoritären Erziehung, wo Kindern keine Abneigung gegen Fäkalien beigebracht wurden mit dem Ergebnis, daß die lieben Kleinen den eigenen Unrat als Fingerfarben mißbrauchten und das ganze Haus damit "verziert" haben. Zum großen Vergnügen der Eltern und möglicher Besucher. Kinder die noch keinen Ekel kennen, haben auch keine Hemmungen, ähnlich wie ein Hund aus der Kloschüssel zu schlabbern (hat einer meiner kleinen Brüder mal gemacht.) Oder sich beim Spielen im Sandkasten mit dort zurückgebliebenen Hinterlassenschaften etwa von Katzen zu amüsieren, einschließlich Ansteckungsrisiko mit Würmern und anderen interessanten tierischen Parasiten.Da hast du recht, dass Dreck nicht gleich Dreck ist. Ekel ist oft aber angelernt. Wie zum Beispiel die Angst vor Spinnen. Ein Baby hat keine Angst vor Spinnen oder Ekel vor seinem Stuhl. Im Gegenteil: Es findet es interessant. Wenn die Eltern selbst aber Angst haben oder sich ekeln, dann übernimmt es das Kind: https://www.psy.lmu.de/epp/studium_...ten/seminar2kristen08/referat_entwicklung.pdf
Siehe Folie 8 und 10 zur analen Phase. Das Kind ekelt sich später selbst. Natürlich sind nicht nur die Eltern ein Auslöser (33% macht die Anlage aus), ein Kind kann auch so überaus reinlich sein. Jedoch sind die Eltern das Modell für das Kind (Stichwort: Lernen am Modell nach Bandura).
Wenn du natürlich dein Kind wirklich zwingst zum Windeln wechseln, übernehmen direkt beide ein erhöhtes Ekelverhalten. Da reicht schon die Nase zu ziehen, denn Mimik und Gestik kommuniziert ebenso (Erstes Axiom nach Watzlawik).
Also auch hier: Wenn Kinder solch Verhalten angelernt bekommen, ist das oft durch die Eltern verursacht. Das Kind übernimmt das so (unreflektiert natürlich), da es denkt, dass das Verhalten zum Überleben gehört.
Der anerzogene Ekel vor Ausscheidungen, den eigenen übrigens weniger als denen von anderen (denn am eigenen Dreck kann man sich nicht mit was fremdem anstecken) hat gute und nachvollziehbare Gründe.
Irgendwie komme ich bei Deinem Post auf das Kurzergebnis, daß man Kindern doch bitte keinen Ekel vor (fremden) Ausscheidungen anerziehen solle, damit man irgendwann in der Zukunft mehr willige und billige Pfleger hat, die auch fremde Hintern putzen.
(Hint: wird man nicht finden, in BGE-Zeiten.)