Im Notfall braucht man einen Studienkredit. Ist zwar blöd, wenn man dann nach dem Studium erst einmal Schulden zurückzahlen muss. Aber je nachdem, in welcher Höhe ich den gebraucht habe und wie leicht man mit dem Studiengang später an einen (hoffentlich gut bezahlten) Job kommt, ist man ihn flott wieder los.
Es hat übrigens schon einen Sinn, dass man für Pflichtpraktikas keinen Mindestlohn o.ä. bekommt. Das wurde bei der damaligen Diskussion des Mindestlohns sogar überlegt. Das Problem wäre nur gewesen, dass viele Unternehmen dann einfach gar keine Praktika mehr angeboten hätten. Man darf nicht vergessen, ein GUTES Praktikum (in welchem der Praktikant nicht nur schuftet, sondern in erster Linie was lernt) kostet Geld. Nicht nur die Vergütung des Praktikanten, sondern auch die weit höhere des Betreuers, der durch den Praktikanten häufig von seiner eigentlichen Arbeit abgehalten wird (da wo ich mein Praktikum gemacht hatte, hatte man sogar extra Personal, das nur für die Betreuung eingestellt war).
Gäbe es nicht mehr so viele Praktikastellen, wäre das ungut für Studenten. Denn die Anzahl an Studenten steigt, damit auch die Zahl der nötigen Pflichtpraktikumsplätze. Gäbe es davon nicht mehr genug, würden Studenten in ihrer Studienzeit verzögert bzw. alle, die nicht "überdurchschnittliche Leistungen" zeigen (oder dank Eltern über Vitamin B verfügen), könnten ihr Studium genauso gut gleich abbrechen (da sie kaum an den nötigen Platz kämen). Gerade weil man Pflichtpratikanten so gut als billige Arbeitskraft nutzen kann, bekommen auch schlechte Studenten eine Chance und können sich dadurch unter Beweis stellen.
Sonst hätte man Pflichtpraktika auf Dauer wohl ganz aus dem Studienplan streichen müssen. So hat man immerhin dafür gesorgt, dass Pflichtpraktikanten besonders gern gesehen sind (und einen Vorteil gegenüber jenen Studenten haben, bei denen es keine Pflicht ist). Irgendwie musste man ja dafür sorgen, dass die Unart, dass selbst Studienabsolventen nur noch kaum bis gar nicht bezahlte Praktika machen, beseitigt wird ohne jene zu benachteiligen, die fürs Studium aber eins machen müssen.
Was du am Ende wohl bekommst, hängt stark von der Umgebung und vor allem vom Studiengang ab. Mit Informatik solltest du deine 700€ schaffen, unter dem Lohn hätten ich und meine Kommilitonen das Vorstellungsgespräch direkt wieder abgebrochen (zum pendeln sollte man ggf. bereit sein). Bei überlaufenen Studiengängen (vor allem "irgendwas mit Medien") wirst du voraussichtlich aber weniger bekommen, da weiß ich von einigen Firmen, die nach dem Motto "unser Name in deinem Lebenslauf ist doch Bezahlung genug" arbeiten. Genug Bewerber finden sie trotzdem, es werden genug von Mama und Papa versorgt, die notfalls das Unternehmen auch noch dafür bezahlen würden, ihren Sprössling für ein halbes Jahr aufzunehmen...