Kommt mir total bekannt vor. Solche Sprüche habe ich auch häufig zu hören bekommen. Ich erinnere mich noch, dass ich wirklich neugierig und experimentierfreudig gewesen war. Ich wollte vieles ausprobieren, basteln, war begeistert sowohl von Kunst und Musik, als auch von technischen Baukästen, chemischen Experimenten. Bei allem wollte ich wissen, wie es funktioniert. Aber fast immer hieß es "lass mal lieber, das bringt doch nichts" oder "Lass den Quatsch.", "Hör auf, mach nichts kaputt". Meine Begeisterung für Musik und mein Wunsch nach Musikunterricht wurde mir ausgeredet mit dem Hinweis, dass so etwas nur Zeit- und Geldverschwendung wäre.
Irgendwann blieb kaum noch etwas übrig, was ich mir zugetraut hätte. Dann kamen auf einmal Bemerkungen wie "Aus dir wird nie etwas. Du kannst überhaupt nichts." Meine Mutter brach damals häufig in Tränen aus und schilderte in dramatischen Tönen, wie ich als Erwachsener als Bettler und Obdachloser enden würde.
Ich muss leider sagen, dass ich mir dann als Erwachsener tatsächlich nichts mehr zugetraut habe und mich als Verlierer und Versager gefühlt habe (und in gewisser Weise mein Leben lang so fühle).
Kannte ich so auch. Immer so ein mieses Gefühl in der Bauchgegend halt und jede Zurückweisung oder so, hab ich dann persönlich genommen. Hatte auch während der Lehrzeit Probleme meine eigene Leistung objektiv zu beurteilen, da ich da viel zu selbstkritisch gewesen bin. Daraus entstand bei mir übrigens ein Drang nach Perfektion. Den Gedanken immer im Hintergrund, wenn du perfekt bist, dann wirst du geliebt.
Wenn dann nichts an Liebe kam, dann war es halt noch nicht gut genug von der Leistung her.
Die Latte hatte ich dann irgendwann so hoch gelegt, dass da teils nur noch Frust entstand, da diese Latte, ab der es denn ja Liebe geben könnte, so unerreichbar hoch lag.
Ähnliches hieß wie du erlebte ich, als viele Kids im Winter Schlittschuh auf einer zugefrorenen Wiese fuhren. Ich hatte keine, wollte mir aber von meinem angesparten Geld welche kaufen. Da hieß es....brauchst du nicht.
Hab damals dann einige Zeit bockig geglotzt, bis die Mutter irgendwann genervt sagte, dass wir halt am nächsten Tag welche kaufen würden.
Hätte ich das nicht durchgezogen, dann könnte ich vielleicht heute nicht Schlittschuh fahren.
Was allerdings der Nachteil dieser Aktion dann gewesen ist, dass ich lange Jahre keinen anderen Weg kannte irgendwie durchzusetzen oder es zu vermitteln, wenn ich was wollte.
Verändert hat sich das alles bei mir übrigens, als ich mittels einer Therapie klären wollte, warum ich das alles so, was mir im Leben widerfahren war, einfach machen lassen hab.
Hatte im dem Zeitraum die Erkenntnis, dass es nicht an mir lag, dass es meine Eltern nicht besser machten.
Kann dir echt nur empfehlen, sowas anzugehen, wenn dich das alles belastet.
Eine lieblose Kindheit nennt sich das und meist verursacht durch eine dysfunktionale Familie.
Zur Zeit, etwa 7 Jahre nach der Therapie, da merkte ich vor einigen Wochen, dass da jetzt auch Wut darüber hoch kam, was mir meine lieblose Kindheit im späteren Leben alles eingebrockt hat oder welche Chancen es mir irgendwie versaut hat.
Als Konsequenz hab ich zur Zeit jeglichen Kontakt zu den Eltern und den Geschwistern erstmal abgebrochen.
Gruß Jim