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Jeder ist seines Glückes Schmied, stimmt das?

Stimmt, allerdings gibt es sowieso keine Garantie. Jeder kann anfangen sein Schwert zu schmieden - aber eben entsprechend seinen individuellen Fähigkeiten und Voraussetzungen.

Bei manchen wird das Schwert dann irgendwann fertig, bei anderen nie....

Entscheidend sind dafür auch die unkalkulierbaren Dinge im Laufe des Lebens.
 
Die Frage, ob man sein eigenes Glück schmiedet ist oft gleichsam der Frage ob alles nur Schicksal ist.

Diese Frage stellen sich typischerweise Menschen, denen es schlecht geht und die einen Grund dafür suchen. "Schicksal" ist ein beliebter Grund, weil daran niemand Schuld ist und es unabwendbar ist. An das Schicksal glaube ich nicht. Nichts ist vorherbestimmt, sondern Natur und Menschen gestalten alles.

Man kann dabei natürlich nur schmieden was möglich ist. Nicht jedem ist Edelstahl als Rohmaterial in die Wiege gelebt. Aber selbst billiges Kupfer kann man mit viel Zeit und Mühe zu einem guten Schwert. Es ist nur oft hart zu sehen, dass es andere so viel leichter haben.

Kaum ein Mensch ist Schuld an Krankheiten in seiner Kindheit und niemand entscheidet wo, wie reich und gesund er geboren wurde. Das Leben ist manchmal ein Glücksspiel, aus dem wir dann nur das beste machen können.
 
"Jeder ist seines Glückes Schmied"

Ich höre diesen Satz meistens von Leuten, bei denen im Leben vieles richtig gelaufen ist, die körperlich gesund und fit sind.
Nie höre ich diesen Satz von Menschen, deren Unternehmen trotz bester Voraussetzungen in Insolvenz gegangen ist, von Menschen die chronisch krank sind oder die in einer einkommensschwachen Zeit sich über Wasser halten müssen.

Phalle hat es schon ganz gut beschrieben.

An "Schicksal" glaube ich persönlich auch nicht. Man tut, was man kann, man gibt sein bestes. Manchmal reicht das, manchmal nicht.

Was aber gänzlich falsch ist, ist sich von anderen dauerhaft abhängig zu machen, dazu zähle ich auch einige Sozialleistungen, die in unserem Land gefühlt inflationär gegeben werden wo sie nicht gebraucht werden* (und anderer Stelle nicht, wo sie dringend nötig sind**) und Menschen, die die Kontrolle über ihr Leben an einen Partner abgeben.


Jeder kann versuchen seinen Weg zu gehen. Aber bei manchen reicht die Kraft nicht, den besten und einfachsten zu bewältigen.


* Bsp. Kindergeld / Kinderfreibetrag bei einem sehr hohen Einkommen, Baukindergeld
** Bsp. Baföghöhe und deren Vergabepraxis, Krankengeld, Weiterbildungen, Zahnersatzkostenbeihilfe...
 
Wobei ich meine Ausführungen nicht nur materiell gemeint habe, sondern auch bezogen auf mentale Unterstützung und Förderung von lebenspraktischen Fähigkeiten durch die Eltern bzw. eigene Familie. Es ist halt einfacher, sein eigenes Glück gezielt anzustreben, wenn man vom Elternhaus ein gutes Selbstvertrauen und praktische Fähigkeiten beigebracht bekommen hat. Wenn man jedoch bereits als Kind x-mal zu hören bekommen hat, dass man nichts taugt und es zu nichts bringen wird, dann hat wird man vermutlich eher dazu neigen, sich gar nicht erst so richtig an das Wagnis "Schmieden des eigenen Glücks" herantrauen.

Du hast das sehr gut beschrieben, dass man das Werkzeug zum Schmieden des Glückes in der Kindheit mitbekommt.
Und es ist nichtmal nötig, meiner Meinung nach, einem Kind zu sagen, dass es nichts taugt, sondern vollkommen ausreichend, wenn da nichts an Interesse kommt um zu erreichen, dass ein Mensch dann unzufrieden mit dem ist, was er da auf seinem Amboß zustande bekommt.

Gruß Jim
 
Und es ist nichtmal nötig, meiner Meinung nach, einem Kind zu sagen, dass es nichts taugt, sondern vollkommen ausreichend, wenn da nichts an Interesse kommt um zu erreichen, dass ein Mensch dann unzufrieden mit dem ist, was er da auf seinem Amboß zustande bekommt.

Ich will jetzt nicht übermäßig über meine Eltern schimpfen, aber letztlich war es bei mir ungefähr so. Meine kindlichen Interessen und Faszinationen wurden in der Regel abgebügelt mit Sätzen wie "Lass das, das bringt doch nichts!" oder "Mach lieber etwas vernünftiges". Auch meine stark ausgeprägte kindliche Neugier wurde als lästige Fragerei abgewimmelt. Irgendwann blieb kaum noch eine innere Motivation übrig, weil ich mir nichts mehr zutraute.
 
Ich will jetzt nicht übermäßig über meine Eltern schimpfen, aber letztlich war es bei mir ungefähr so. Meine kindlichen Interessen und Faszinationen wurden in der Regel abgebügelt mit Sätzen wie "Lass das, das bringt doch nichts!" oder "Mach lieber etwas vernünftiges". Auch meine stark ausgeprägte kindliche Neugier wurde als lästige Fragerei abgewimmelt. Irgendwann blieb kaum noch eine innere Motivation übrig, weil ich mir nichts mehr zutraute.

So manche ´Eltern´verdienen dieses Wort garnicht...
 
Ich will jetzt nicht übermäßig über meine Eltern schimpfen, aber letztlich war es bei mir ungefähr so. Meine kindlichen Interessen und Faszinationen wurden in der Regel abgebügelt mit Sätzen wie "Lass das, das bringt doch nichts!" oder "Mach lieber etwas vernünftiges". Auch meine stark ausgeprägte kindliche Neugier wurde als lästige Fragerei abgewimmelt. Irgendwann blieb kaum noch eine innere Motivation übrig, weil ich mir nichts mehr zutraute.

Bei mir ist ein Vorfall, an den ich mich noch sehr genau erinnern kann.
Ich war so etwa 10 Jahre alt, als ich einen Bericht in der PM über die australischen Ureinwohner und deren Jagdwaffe genannt Bumerang las. Zur Info, in den 70er damals gab es sowas nirgends zu kaufen.
Ich fand den Bericht damals sehr interessant, da in diesem auch die Form der Flügel beschrieben war und die Aerodynamik die dahinter steckt gut erklärt war.
Als ich meinem Vater mitteilte, dass ich einen Bumerang bauen möchte, da kam von ihm die sehr ermutigende Aussage:
"Bumerang, so ein Blödsinn. Das funktioniert eh nur im Fernsehen." Und damit war die Sache für ihn erledigt.

Ich hab mir dann doch noch einen Bumerang gebaut und war ich stolz, als der dann auch so wie gedacht funktionierte.
Nur mit meinem Vater hab ich das halt dann nicht mehr geteilt und im Nachhinein wundert mich das heute nicht mehr, da ich das als Reaktion auf sein Desinteresse an dem Vorhaben oder an Aktivitäten mit mir inzwischen ansehe.

Als Fazit kann ich jedoch klar sagen, dass auch das mit Auswirkungen darauf gehabt, wie ich lange Jahre dann selbst so drauf war.

Gruß Jim
 
Als ich meinem Vater mitteilte, dass ich einen Bumerang bauen möchte, da kam von ihm die sehr ermutigende Aussage:
"Bumerang, so ein Blödsinn. Das funktioniert eh nur im Fernsehen." Und damit war die Sache für ihn erledigt.

Kommt mir total bekannt vor. Solche Sprüche habe ich auch häufig zu hören bekommen. Ich erinnere mich noch, dass ich wirklich neugierig und experimentierfreudig gewesen war. Ich wollte vieles ausprobieren, basteln, war begeistert sowohl von Kunst und Musik, als auch von technischen Baukästen, chemischen Experimenten. Bei allem wollte ich wissen, wie es funktioniert. Aber fast immer hieß es "lass mal lieber, das bringt doch nichts" oder "Lass den Quatsch.", "Hör auf, mach nichts kaputt". Meine Begeisterung für Musik und mein Wunsch nach Musikunterricht wurde mir ausgeredet mit dem Hinweis, dass so etwas nur Zeit- und Geldverschwendung wäre.

Irgendwann blieb kaum noch etwas übrig, was ich mir zugetraut hätte. Dann kamen auf einmal Bemerkungen wie "Aus dir wird nie etwas. Du kannst überhaupt nichts." Meine Mutter brach damals häufig in Tränen aus und schilderte in dramatischen Tönen, wie ich als Erwachsener als Bettler und Obdachloser enden würde.

Ich muss leider sagen, dass ich mir dann als Erwachsener tatsächlich nichts mehr zugetraut habe und mich als Verlierer und Versager gefühlt habe (und in gewisser Weise mein Leben lang so fühle).
 
Kommt mir total bekannt vor. Solche Sprüche habe ich auch häufig zu hören bekommen. Ich erinnere mich noch, dass ich wirklich neugierig und experimentierfreudig gewesen war. Ich wollte vieles ausprobieren, basteln, war begeistert sowohl von Kunst und Musik, als auch von technischen Baukästen, chemischen Experimenten. Bei allem wollte ich wissen, wie es funktioniert. Aber fast immer hieß es "lass mal lieber, das bringt doch nichts" oder "Lass den Quatsch.", "Hör auf, mach nichts kaputt". Meine Begeisterung für Musik und mein Wunsch nach Musikunterricht wurde mir ausgeredet mit dem Hinweis, dass so etwas nur Zeit- und Geldverschwendung wäre.

Irgendwann blieb kaum noch etwas übrig, was ich mir zugetraut hätte. Dann kamen auf einmal Bemerkungen wie "Aus dir wird nie etwas. Du kannst überhaupt nichts." Meine Mutter brach damals häufig in Tränen aus und schilderte in dramatischen Tönen, wie ich als Erwachsener als Bettler und Obdachloser enden würde.

Ich muss leider sagen, dass ich mir dann als Erwachsener tatsächlich nichts mehr zugetraut habe und mich als Verlierer und Versager gefühlt habe (und in gewisser Weise mein Leben lang so fühle).
Kannte ich so auch. Immer so ein mieses Gefühl in der Bauchgegend halt und jede Zurückweisung oder so, hab ich dann persönlich genommen. Hatte auch während der Lehrzeit Probleme meine eigene Leistung objektiv zu beurteilen, da ich da viel zu selbstkritisch gewesen bin. Daraus entstand bei mir übrigens ein Drang nach Perfektion. Den Gedanken immer im Hintergrund, wenn du perfekt bist, dann wirst du geliebt.
Wenn dann nichts an Liebe kam, dann war es halt noch nicht gut genug von der Leistung her.
Die Latte hatte ich dann irgendwann so hoch gelegt, dass da teils nur noch Frust entstand, da diese Latte, ab der es denn ja Liebe geben könnte, so unerreichbar hoch lag.

Ähnliches hieß wie du erlebte ich, als viele Kids im Winter Schlittschuh auf einer zugefrorenen Wiese fuhren. Ich hatte keine, wollte mir aber von meinem angesparten Geld welche kaufen. Da hieß es....brauchst du nicht.
Hab damals dann einige Zeit bockig geglotzt, bis die Mutter irgendwann genervt sagte, dass wir halt am nächsten Tag welche kaufen würden.
Hätte ich das nicht durchgezogen, dann könnte ich vielleicht heute nicht Schlittschuh fahren.
Was allerdings der Nachteil dieser Aktion dann gewesen ist, dass ich lange Jahre keinen anderen Weg kannte irgendwie durchzusetzen oder es zu vermitteln, wenn ich was wollte.

Verändert hat sich das alles bei mir übrigens, als ich mittels einer Therapie klären wollte, warum ich das alles so, was mir im Leben widerfahren war, einfach machen lassen hab.
Hatte im dem Zeitraum die Erkenntnis, dass es nicht an mir lag, dass es meine Eltern nicht besser machten.

Kann dir echt nur empfehlen, sowas anzugehen, wenn dich das alles belastet.
Eine lieblose Kindheit nennt sich das und meist verursacht durch eine dysfunktionale Familie.

Zur Zeit, etwa 7 Jahre nach der Therapie, da merkte ich vor einigen Wochen, dass da jetzt auch Wut darüber hoch kam, was mir meine lieblose Kindheit im späteren Leben alles eingebrockt hat oder welche Chancen es mir irgendwie versaut hat.
Als Konsequenz hab ich zur Zeit jeglichen Kontakt zu den Eltern und den Geschwistern erstmal abgebrochen.

Gruß Jim
 
Zuletzt bearbeitet:
Hätte ich das nicht durchgezogen, dann könnte ich vielleicht heute nicht Schlittschuh fahren.
Was allerdings der Nachteil dieser Aktion dann gewesen ist, dass ich lange Jahre keinen anderen Weg kannte irgendwie durchzusetzen oder es zu vermitteln, wenn ich was wollte.

Ja genau, auch ich habe nicht gut gelernt, wie man eigene Bedürfnisse und Wünsche durchsetzen kann. Entweder, ich gebe zu schnell nach und verzichte auf meine eigenen Bedürfnisse, oder ich werde bockig und stoße andere Menschen vor den Kopf, wenn ich mich doch einmal durchsetzen will.
 

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