Warum nabelst Du Dich nicht endlich von Deiner Mutter ab ?
Du fragst Dich, wo Du falsch abgebogen bist, Du bist in meinen Augen nicht falsch abgebogen, sondern falsch behandelt worden.
Aus der Fehlerziehung , die Du genossen hast resultieren allerdings Muster und denen folgst Du , ohne wirklich zu erkennen, wie sie Dich niederdrücken.
Ich kann Dir nur den Rat geben, Dich wirklich auf die eigenen Füße zu stellen, auch mit 44 ist das möglich.
Mit den Narben aus der Vergangenheit wirst Du leben müssen, aber deshalb die Zukunft zu negieren, ist in meinen Augen der falsche Weg, denn er führt nicht zu einem glücklichen und harmonischen Leben.
Die ganze Systemverbundenheit macht es aber sehr schwer sich abzunabeln.
Sie läßt den Raum, die eigenen Empfindungen falsch zu verstehen.
Der Trott in den der Mensch verfällt bezüglich seines Altags ist ähnlich, wie der gedankliche Trott.
Ein Bekannter, dem es ähnlich ging, der hatte die Idee in die Natur zu gehen , um mit sich sozusagen alleine zu sein, einen klaren Kopf zu bekommen, Back to the Roots sozusagen, 6 Wochen Australien....Tagesablauf ...
Wasser holen, Essen besorgen, Nachtlager bereiten, abschalten, keine Autos , keine Flugzeuge, kein Eletrosmog, er sagt , hätte er vorher gewußt ,wie er funktioniert, also als Mensch, hätte er sich ne Menge Tharapieen sparen können.
Wenn ihn heute die Depression wieder begrüßt, grüßt er zurück und sagt tschüß, an Dir habe ich keinen Bedarf.
Du kannst gehen.
Ich habe keine Zeit, mich um Dich zu kümmern.
Vieles sieht er heute anders. Die Einstellung zum Leben hat sich geändert, das Essen bereien ist etwas wichtiges geworden, das Wasser wird bewußt getrunken, der Kreativität hat es gut getan, der Psyche auch, die Freundin sagt, ein neuer Mensch, nach einem schweren Kampf.
Ich denke hier ist das viel schwieriger , für ihn war es jahrelang nicht möglich , sich abzunabeln aus der gedanklich neuronalen Autobahn der depressiven Niedergedrücktheit , weder mit Medikamenten, noch mit irgendwelchen Therapien. Da war es gar keine Frage, sondern Tagesablauf, man muß Durst haben um Wasser zu schätzen, man muß Hunger, haben um Essenszubereitung zu werten und je weiter die Gedanken vom eigentlchen Überlebenswichtigen Handeln abschweifen um es zu verhindern, desto mehr merkt man dann wie sehr man sich selbst im Weg steht, holt man kein Wasser , hat man keines. Macht man kein Essen , ißt man nicht, das geht maximal 1,5 Tage gut, dann geht man los und beginnt zu leben...so sagt er das heute.
Jetzt tut er nicht anderes und es ist für ihn schwer zu verstehen, warum er das Glück hatte herauszufinden, wo doch die innerliche Verankerung der Vergangenheit sagt, er sei es nicht wert.
Da denkt er heute nicht mehr, die hat woh recht, sondern sagt Hallo und Tschüß . für Dich habe ich grade keine Zeit, denn ich habe etwas besseres zu tun.
Hallo Zebaothling,
das was Du über Deinen Bekannten schreibst, ist ja ein gutes Beispiel dafür, Selbstwirksamkeit zu erfahren - das Gefühl, dass man einen Einfluss auf seine Situation und sein Leben hat. Menschen die zufrieden sind, fühlen sich selbstwirksam, sie haben das Gefühl ihr Leben mitsteuern zu können. In unserer Gesellschaft ist das zunehmend schwer zu erfahren, weil wir in enge Gefüge und Verstrickungen eingebunden, die uns bestimmen.
Ich muss in diesem Zusammenhang an den Begriff erlernte Hilflosigkeit denken. Wenn man wie ich unter einer narzistischen Mutter aufgewachsen ist, hat man kein stabiles und gesundes Selbstbild, kein Selbstwertgefühl, weil man nicht gespiegelt, sondern manipuliert und emotional missbraucht wurde. Erlernte Hilflosigkeit ist das Gefühl, sowieso nichts an der Situation ändern zu können, weil man glaubt hilflos zu sein. Ein Bild dafür ist der Elefant im Zirkus, der an einen kleinen Pflock angebunden ist, und man fragt sich, warum er sich nicht losreisst - der Pflock ist so klein, er könnte ihn mühelos aus der ERde ziehen. Die Antwort ist: Der Elefant wurde bereits als Baby angefpflockt und hat gelernt, dass er den Pflock nicht aus der Erde ziehen KANN. Er weiss nicht dass er sich verändert hat und es jetzt mühelos schaffen könnte.Was ich gerade mache, ist gegen die Hilflosigkeit anzukämpfen. Das Abnabeln fällt nicht leicht, ich mag meinen Vater zb sehr, auch wenn er nicht so ganz versteht was da alles vor sich geht. Und dann ist es natürlich auch schwer, weil ich auch gute Situationen mit seiner Mutter hatte und ich mir oft selbst nicht glaube, dass sie wirklich auch all das Schlimme gemacht haben kann. Ich denke dann: " Das kann nicht sein. Du irrst Dich. Du bist falsch". Auch ein wesentlicher Punkt wenn man so aufgewachsen ist: man traut seinen Gefühlen nicht. Man denkt immer eher, man selbst sei falsch, als dass jemand anderes falsch ist.