Allein der fett markierte Einschub signalisiert meines Erachtens, dass du dazu tendieren könntest, Menschen mit geringerem Einkommen einen fehlenden Willen zu unterstellen. Würden die Leute nur ordentlich wollen, dann wären sie alle viel besser situiert - oder so ähnlich?
In früheren Zeiten hat es auch schon Leute gegeben, die mit ihrem Job und Einkommen unzufrieden waren. Was haben die gemacht? Ganz einfach, wieder die Schulbank gedrückt, häufig nach der Arbeit Abendschule besucht, gebüffelt, monate- oder sogar jahrelang auf die eh knappe Freizeit verzichtet, bis es irgendwann mit dem beruflichen Aufstieg klappte.
Abendschulen gibt es heute immer noch, sogar Fernstudium per Internet ist heutzutage möglich (nicht alle seriös, aber irgendwo gibt es auch ein paar seriöse), sprich sogar wenn man in der hintersten Pampa wohnt, hat man heute Möglichkeiten, höhere Bildung mit Abschlüssen und mehr Fähigkeiten im gewählten beruflichen Spektrum zu erwerben.
Wenn, ja wenn man bereit ist, sich auf den Hosenboden zu setzen, und wenn man auch gezielte Weiterbildung macht, hinein in Berufe, wo Mangel an Arbeitskräften herrscht. Wenn eh schon 1000 Friseure arbeitslos sind, muß man nicht ausgerechnet den 1001. machen.
Aber, klar, dazu braucht es einen festen Willen, das durchzuhalten, sich durchzubeißen und auch mal Frösche in vorübergehenden unerwünschten Berufen zu schlucken. Und ich habe aus vielen Posts, die ich gelesen habe, den Eindruck, daß dieser Wille heutzutage gar nicht mehr vorhanden ist.
Viele Leute meinen anscheinend, der Staat, irgendwelche Firmen oder die Allgemeinheit wäre ihnen verpflichtet, ihnen - ohne nennenswerte Ausbildung, ohne eigenes Zutun - gutbezahlte Berufe hinterherzuwerfen.
Und so läuft es natürlich nicht.
Beamter wird bekanntlich auch nicht jeder, die haben ihre Einstellungstests mitgemacht. Wer da punkten kann, kann sich bewerben. Wer nicht punkten kann oder denkt, er will nie einen Chef über sich wie es jedem Beamten blüht, und deshalb gar nicht erst mitmacht - seine Entscheidung. Nur muß er deshalb später die Beamten nicht schlechtmachen, weil er die falsche Entscheidung getroffen hat.