Hallo
Ich empfinde es auch so, dassmich die Psychotherapiebesuche sehr überfordern und das schon nur beim Gedankendaran, dass in ein paar Tagen der nächste Termin ansteht.
Danach fühle ich mich jedes Mal auch sehr konfus, energielos und habe richtigeDepressionsschübe.
Nicht einmal, als ich vor ein paar Wochen zum ersten Mal zum Arzt ging und ermir daraufhin die Diagnose Erschöpfungsdepression stellte und ein Zeugnis für 100%-igeArbeitsunfähigkeit ausstellte, ging es mir so sehr schlecht, wie nach denGesprächen mit dem Therapeuten.
Dabei habe ich mir bewussteinen älteren erfahrenen Therapeuten ausgesucht und habe ihn daraufangesprochen und er meint, ich entscheide worüber wir reden. Ich sagte zu ihm,dass ich im Grunde lieber überhaupt nichts sagen würde. Er lässt mir im Prinzipdie Wahl und doch plappere ich zum Schluss wie ein Wasserfall. Er stelltnatürlich immer wieder Fragen. Somit erhält er vermutlich das Gefühl ich seisehr mitteilungsbedürftig und es täte mir gut über längst abgeschlossene,verdrängte oder unnötige Dinge, die teilweise auch vor weit über dreissigJahren geschehen sind zu diskutieren. Da irrt er sich aber. Es kommt nur immerwieder meine durcheinander geratene, zuvorkommende und freundlicheCharaktereigenschaft zum Zug oder so ähnlich, auf jeden Fall empfinde ich dasso. Ich möchte wirklich nicht in meiner Vergangenheit wühlen. Zudem ist es dochgar nicht möglich so viele Probleme, wie auch Du sie beschreibst, die sich invielen Jahren angesammelt haben während ein paar Therapiestunden anzugehen.Wenn, dann passiert das zu Hause, wenn Du alleine bist glaube ich.
Wie Du beschreibst hast auch Dusehr sehr viele schlimme Dinge in Deinem bisherigen Leben erleben müssen. Esist doch schlichtweg nicht möglich 30 Jahre Scheisse (sorry für diesenAusdruck) in 2 oder 5 Jahren zu "verarbeiten", zumal ziemlich sicherimmer Mal wieder etwas Neues hinzukommt. Müssen wir denn alles verarbeiten?Mein Hausarzt (nicht der Therapeut) sagt, dass wir manches Mal besser denkensollen "das geht mir am Allerwertesten vorbei". Ich denke er hatrecht damit.
Bist Du Dir sicher, dass DeineStrategie einzig und allein auf Verdrängen basiert?
Hast Du vielleicht ein paar Erlebnisseakzeptier(en müssen)t. Akzeptieren ist nicht verdrängen. Schliesslich hast Duja beim Psychologen über Deine "verdrängten" Probleme gesprochen.Also bist Du Dir darüber bewusst, so wie ich es auch bin. Ich habe nicht das Gefühl,dass ein "darüber reden" etwas Nutzvolles bringen kann, wenn man sichgleichzeitig und hinterher so mies fühlt. Ein Psychiater interpretiert das aberso, dass es jetzt eben "hochkommt" und ausschliesslich das für dieHeilung gut sein soll. Warum soll es hochkommen? Wofür um Himmels Willen nocheinmal!?! Man und Frau wissen doch bereits darum. Ich finde, es ist etwas ganzanderes, wenn man freiwillig und wenn einem danach ist etwas von sich erzähltoder in sein Tagebuch oder in ein Forum schreibt, weil man es gerade so möchte.Vermutlich ist das dann mehr heilend.
Mir persönlich bringt es viel,wenn ich mir Gedanken, die in mir tagsüber oder natürlich auch nachts aufkommenund die ich für wichtig erachte, diese notiere. Das möchte ich auch für meinennächsten Besuch beim Psychiater machen. Bis anhin vergass ich immer diese dannauch mitzubringen. Schliesslich möchte ich dann wenigstens wirklich über dasreden, was ich denke hat Priorität. Doch ich weiss es eigentlich selbst nicht,auch weil es so viele Dinge sind. Es arbeitet nämlich schon in mir und manchmalhabe ich eine kleine "Erleuchtung", die ich mir dann eben notiere.Das kann nur ein Begriff sein, der letzte war z.B. "Fremdbestimmung".Ich hasse Fremdbestimmung.
Ich kann es auch nichtertragen, wenn ich zu verschiedenen Anlaufstellen hingehen muss und überalldasselbe erzählen muss, zumal es im Grunde keinen der Fragesteller imGeringsten interessiert. Am liebsten möchte ich das alles auch mit mir selbstausmachen. Ich habe mich sehr zurückgezogen aus meinem Freundes- undBekanntenkreis, weil ich einfach keine Energie und Lust habe mich zuunterhalten und schon gar nicht rauszugehen. Beim Zuhören wird es nochschlimmer. Ich werde oder wurde sehr viel "vollgequatscht". Ich muss dringendzwingend lernen meine Grenzen zu setzen. Weil ich das (noch) nicht kann, habeich mich absolut zurückgezogen (ist ja im Grunde auch eine Grenzsetzung, nurvermittelt sie mir ein schlechtes Gewissen, manchmal). Es ist für mich aberbesser so. Ich spüre einfach, dass ich sehr viel Ruhe brauche.
Ich lebe glücklicherweise nichtalleine. Darüber bin ich sehr glücklich. Meine (und seine) Kinder und meinLebenspartner sind im Moment im Grunde die einzigen mit denen ich Kontakt habe.Alles was im Aussen ist, ist mir seit langer Zeit zu viel, deshalb meide ich eswo immer ich kann. Andere sagen, dass das nicht gesund ist. Doch ist es. Mirgeht es dabei besser und ich brauche diese Ruhezeit. Vielleicht bleibt das auchimmer so. Na und!?
Dein Lebenswille ist trotzaller Widrigkeiten in Dir, das spürt man. Ansonsten könnte es Dir egal sein,wenn es jetzt bald "böse enden" würde. Ich denke es ist wichtigfortan zu spüren, was für Dich richtig ist. Wenn Du es alleine schaffen möchtest,versuch es. Versuche es so wie es 30 Jahre lang relativ gut geklappt hat. ImGrunde mache ich das auch ähnlich. Ich habe einfach immer weitergemacht,trotzdem dass ich fast keine Kraft mehr hatte. Bei mir war und ist es aber die jahrelangeÜberforderung, auch viele Probleme und schliesslich die lang hinausgezögerte Erschöpfung.Und jetzt darf ich mir die Ruhe gönnen, muss sogar Punkt
Ja, auch ich denke, dass diePsychologen einem doch helfen müssen. Ich war in meinem Leben schon zweimal in Therapie.Damals war es noch schlimmer, ich hatte nämlich das Gefühl, die Psychiaterinprofitiert von unseren Gesprächen mehr als ich. Oder eben, es war schon damalsso, dass ich keinen Nutzen daraus ziehen konnte und lieber auf meine innereStimme hörte.
Handumkehrt weiss ich auch vonMenschen, die richtiges Glück mit der Wahl ihres Psychiaters hatten. Natürlichkann es sein, dass es menschlich und geistig dermassen passt, dass aus denGesprächen Früchte geerntet werden können. Leider ist aber die Suche nach einemTherapeuten so anstrengend, gerade dann wenn man ja krank ist, logischerweise.
Ich wünsche Dir ganz viel Kraftund Zuversicht. Am besten hörst Du auf Dein Bauchgefühl. Du selbst weisst, wasgut für Dich ist. Faul bist Du ja auf jeden Fall nicht, wenn Du so sportlichbist. Ich bin seit ich krankgeschrieben bin richtig faul, esse zu viel und kannmich kaum aufraffen etwas zu tun. Manche Tage ist es aber besser und ichrackere schier so viel wie ich es zuvor immer getan habe. Ich muss micheingrenzen, weil ich meistens alles was ich tue oder eben nicht tue im Übermasstue bzw. unterlasse.
Ich wünsche mir für Dich auch,dass Du einen Menschen an Deiner Seite hast, dem Du alles anvertrauen kannstwas Du möchtest. Ein Freund ist tausend Mal wertvoller als jede Art vonPsychoquatschhilfe.
Alles alles Liebe Dir
Stella8