Diejenigen, die in Bayern das Dreifache verdienen, haben aber auch dreimal so hohe Lebenserhaltungskosten. Also i.d.R. effektiv auch nicht mehr in der Tasche. Daher gibt es regional ja auch so erhebliche Unterschiede bei den Durchschnittsgehälter, eben weil die Kosten auch regional unterschiedlich sind. Wobei Durchschittsrechnungen meistens eh nur Augenwischerei und wenig aussagekräftig sind.
kasiopaja's Angaben sind nicht fiktiv sondern durchaus real. Sie hat Berufserfahrung und wird es daher wohl auch besser beurteilen können! Ich komme selber auch aus der Buchhaltung und kann ihre Angaben bestätigen. Wobei es natürlich auch drauf ankommt, was man genau macht. Es gibt ja verschiedene Bereiche; Kreditoren-, Debitoren, Anlagen-, Lohn-, Finanz- und Bilanzbuchhaltung. Das Alter spielt beim Verdienst auch eine Rolle, egal in welchem Beruf. Berufsanfänger kriegen immer weniger, als "alte Hasen" und auch je länger die Betriebszugehörigkeit, desto höher das Gehalt. Der Arbeitgeber selber ist natürlich auch ein Faktor. Kleine Firma, große Firma, Konzern, Zeitarbeit etc. Bei einer Zeitarbeitsfirma habe ich für 40 Stunden pro Woche lächerlicher 980,- Euro verdient. NETTO! Zu wenig zum leben, zu viel zum sterben. Später dann bei Festanstellung 1.850,- netto.
Das Buchhalter ein aussterbender Beruf ist, bezweifel ich auch sehr stark. Es gibt natürlich mittlerweile elektronische Möglichkeiten um Personal einzusparen, aber ganz ohne menschliche Arbeit geht es nicht und wird es auch niemals gehen.
Das alle Selbsständige soviel Geld verdienen, ist auch ein Trugschluss. Kommt natürlich drauf an, was man genau macht. Als Lebensberater des Stars oder Hundpsychologe von Paris Hilton, kann man sicherlich 'ne Mark machen. Aber beispielsweise im handwerklichen Dienstleistungsbereich hat man heute ziemlich schlechte Karten. Ich hab's ausprobiert, ich weiß wovon ich spreche. Die Leute legen für das neuste Handy oder irgenwelche Designer-Sonnenbrillen hunderte von Euros auf den Tisch, aber die Putzfrau oder der Gärtner kriegt den Mindestlohn. Wenn's geht noch weniger. Am besten alles schwarz und zur Not ist es ja in der EU auch kein Problem, sich ausländische Arbeiter zu holen.
Dann darf man nicht vergessen, das die Einnahmen aus einer Selbstständigkeit auch nicht gleich der Nettoverdienst sind. Auch ein Selbstständiger muss Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherungen zahlen. Dazu kommen Steuerberaterkosten, Betriebshaftplicht-, Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherung, Beiträge für irgendwelche Kammern und Innungen und der Staat will auch seinen Anteil. Die Gewerbesteuer schlägt ganz gut zu Buche (das gibt es aber regional auch erhebliche Unterschiede, da müssen sich einige Gemeinden nicht wundern, dass die Leute abwandern...) und natürlich auch die Einkommenssteuer. Da stehen viele nach dem Jahresabschluss ganz schön doof da, wenn die dicke Rechnung kommt. Nicht umsonst gehen viele in den ersten zwei Jahren pleite.
Urlaub und Freizeit hat man als Angestellter definitiv mehr. Selbständigkeit bedeutet selbst und ständig. Ich habe zwischen 50-70 (körperlich schwer) gearbeitet, PLUS die administrativen Tätigkeiten im Büro. Von Freizeit oder Feierabend konnte man da nicht wirklich sprechen. Und Urlaub ist auch keine Selbstverständlichkeit. Den muss man sich ersten mal leisten, denn a) gibt es kein Urlaubsgeld und b) währenddessen haste keine Einnahmen.
Ich hab's durch und ich würd's nicht noch mal machen. Jedenfalls nicht in einem Bereich, wo man nicht unverschämt viel Kohle scheffeln kann. Zuviel Arbeit, zuviel Risiko für zu wenig Verdienst. Und selbst wenn man viel verdient, hat man keine Zeit, die Kohle auszugeben, weil man nur am Malochen ist. Vom Tellerwäscher zum Millionär funktioniert halt in den seltensten Fällen. Dann lieber Angestellter mit geregeltem Einkommen und regelmäßig Urlaub, Wochenenden und Feierabend. Bei 40 Stunden Arbeit, bleiben trotzdem noch 128 Stunden Freizeit übrig 😉