Mary-Kate-1992
Mitglied
Hallo ihr Lieben!
Ich denke nicht, dass sich einer von euch an mich erinnert, da meine letzten Beiträge schon recht lange zurückliegen. Gelegentlich, aber nicht regelmäßig habe ich noch mitgelesen, deshalb bin ich nicht auf dem aktuellsten Stand. Ich würde jetzt nichts lieber tun, als mich wieder ganz in eure Beiträge zu vertiefen J, aber weil ich in drei Wochen irgendwie meine Abiturprüfungen schreiben muss, werde ich das auf die Zeit danach verschieben.
Ich habe mich in der 8. Klasse in meine Sportlehrerin verliebt. Sie hatte mich schon in der 7. Klasse unterrichtet, damals mochte ich sie sehr gerne, hatte aber noch keine zitternden Knie, kein Herzklopfen oder dergleichen. Irgendwann passierte es dann einfach. Ich war natürlich vollkommen überfordert mit meinen Gefühlen. Obwohl ich schon eine „Beziehung“ hatte, hatte ich zuvor nie so gefühlt. Ich lag oft tränenüberströmt im Bett, konnte mich zu nichts aufraffen. Natürlich hatte ich auch noch nie so auf eine Sportstunde hingefiebert! Irgendwann bat ich sie um ein Gespräch, in dem ich ihr anvertraut habe, dass ich für sie schwärme. Ich untertrieb ihr gegenüber maßlos, weil ich das Gefühl hatte, sie zu überfordern. Sie gab das auch offen zu und in den Sportstunden nach dem Gespräch kam ich mir vor wie beim Spießrutenlauf. Wir konnten uns nicht in die Augen sehen, geschweige denn miteinander reden. Das Lächeln gefror uns sprichwörtlich auf den Lippen. Ich litt wahnsinnig in dieser Zeit, fiel in ein tiefes Loch. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis wir wieder zueinander fanden. Die Initiative ging von mir aus. Ich begriff, dass ich nur ein Chance hatte, wenn ich das Thema „Schwärmen, Lehrer-Schüler-Beziehung“ bewusst mied. Ich versuchte es mit Smalltalk, nahm allen Mut zusammen, auch wenn mir kaum ein Wort über die Lippen ging und tatsächlich, es funktionierte. Obwohl wir vor diesem besagten Gespräch nie engeren Kontakt hatten, kamen wir uns jetzt näher. Ich blieb nach den Stunden meist länger, wir saßen auf dem Hallenboden oder auf der Wiese und quatschten. Sie, die den Schülern gegenüber immer die fröhliche, gelassene und starke Lehrerin gab, fing an, sich mir gegenüber zu öffnen. Wir hatten es an der Schule beide nicht leicht und genau das war es, was uns zu diesem Zeitpunkt zusammengeschweißt hat. Wir haben uns gegenseitig zugehört und hatten dieses besondere Verständnis füreinander, das man nur hat, wenn einem die Empfindungen des anderen vertraut sind. Sie hat mich unterstützt und auch ich habe versucht, ihr den Rücken zu stärken. Das Schuljahr ging irgendwann zu Ende und für mich brach eine Welt zusammen. Doch wir blieben in Kontakt, telefonierten ab und an. Natürlich war es immer ich, die sie angerufen oder sie in ihrem Klassenzimmer besucht hat. Ich konnte sie einfach nicht loslassen. Sie hat mich jedes Mal aufs Neue verzaubert, mich immer wieder um den Verstand gebracht. Wenn sie Geburtstag hatte, hab’ ich für sie gesungen oder gespielt. Sie hat immer fast geheult. Wenn sie mich berührt hat, wenn sie mich manchmal minutenlang in ihre Arme geschlossen hat, war das für mich wie ein buntes Feuerwerk der Gefühle, auch wenn es irgendwie weh tat, weil ich unterbewusst immer daran dachte, dass ich sie wieder gehen lassen musste. Ich hatte Angst, sie zu verlieren und fing an zu klammern. Wir stritten uns, sie hatte ständig das Gefühl, meine Erwartungen nicht erfüllen zu können. Die Beziehung ging fast auseinander, dann näherten wir uns wieder an. Dieses Hin- und Her strapazierte die Nerven. Mitte 2008 wurde sie meine Firmpatin. Ich hoffte, sie dadurch an mich zu binden. Ja, das hört sich jetzt komisch an, aber wer wirklich liebt, kann das nachvollziehen. Doch vieles hat sich nicht geändert. Ich habe ihre, sie meine Familie und Verwandtschaft kennengelernt. Wir haben uns gegenseitig besucht, mehr Zeit miteinander verbracht. Emotional hatten wir eine ganz enge Verbindung. Sie stand mir bei, als ich kurz davor war, in die Magersucht abzurutschen. Ich gab mir alle Mühe, sie wieder aufzubauen, ihr auf die Beine zu helfen, wenn sie wegen ihrer Depressionen wieder mal am Boden zerstört war. Ich war eine der wenigen, die Kontakt mit ihr hatte, als sie in der Klinik war. Sie hat mir Gedanken anvertraut, die ihr eigener Mann nicht kannte.
Meine Gefühle schwieg ich tot, ich hatte sie ganz tief in mein Herz geschlossen. Besser eine Freundschaft als keinen Kontakt mit ihr, dachte ich mir. Ich hatte auch Angst, sie zusätzlich zu belasten. Doch die Freundschaft mit ihr hat an mir gezehrt. Wenn man liebt, will man immer mehr, auch wenn man es sich nicht eingestehen kann. Selbst in der Zeit, in der wir uns wöchentlich trafen, ging es mir nicht wirklich gut damit. Wenn wir Zeit miteinander verbrachten, schwebte ich im siebten Himmel, wenn sie dann wieder ging, hielt ich den Schmerz und die Sehnsucht kaum aus. Irgendwann hielt sie es nicht mehr aus und ging von der Schule (hatte verschiedene Gründe). Die Krankheit hatte sie sehr verändert. Sie kreiste permanent um dasselbe Thema, nahm gar nicht mehr wahr, was um sie herum geschah, was andere fühlten und dachten. Für ihr Umfeld- auch für mich- war das unheimlich anstrengend, irgendwann konnte ich es einfach nicht mehr hören, doch ich bin geduldig geblieben. Wir redeten aneinander vorbei, stritten uns. Ich war oft kurz davor, den Kontakt abzubrechen, weil ich keine Kraft mehr hatte, aber ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht. Heute weiß ich, dass ich damals schon wusste, wie weh es tun würde. Irgendwann hat sie den Kontakt auf Eis gelegt (hatte verschiedene Gründe). Ich habe alles daran gelegt, sie noch umzustimmen – bin zu ihr gefahren, hab ihr geschrieben, sie angerufen - vergebens. Ich war am Boden zerstört, auch weil ich kurz zuvor beschlossen hatte, ihr endlich die ganze Wahrheit zu sagen. Ich hatte bereits einen sehr langen Brief geschrieben, den ich in der Schublade aufbewahrte. Letztes Jahr im Februar habe ich mir Hilfe gesucht. Ich hielt es einfach nicht mehr aus. Die 4 Jahre unterdrückten Gefühle, der Kontaktabbruch und vieles andere wie z.B. eine erneute Essstörung und die Mobbingerfahrung hatten mir alle Kraft geraubt. Ich hatte den besten Coach an meiner Seite, den man sich nur vorstellen kann. Sie hat mir ein Stück weit die Augen geöffnet und mich wieder aufgebaut. Ich hatte irgendwann das Bedürfnis, meiner Enttäuschung Luft zu machen und schrieb meiner Exlehrerin einen Brief, auf den ich natürlich keine Reaktion bekam. Kurz vor Weihnachten, 10 Monate, nachdem ich sie das letzte Mal gesehen hatte, hat mich alles eingeholt. Mir wurde klar, dass ich es nicht mehr bis nach dem Abi aushalten würde. Ich musste zu ihr fahren und reinen Tisch machen. Ich wollte, dass sie wusste, was ich für sie empfunden habe. Ich hatte irgendwie auch das Gefühl, dass sie es verdient hatte, die Wahrheit zu kennen. Als der entscheidende Tag gekommen war, war ich höllisch nervös. Ich zitterte, mir war schlecht, ich konnte kaum noch klar denken und als ich sie schließlich sah, raste mein Herz. Alles kam wieder hoch- der ganze Schmerz, die Enttäuschung, aber auch die intensiven Gefühle, die ich glaubte, überwunden zu haben. Sie schloss mich in die Arme, obwohl sie der Brief wahnsinnig getroffen hatte. Sie nahm meine Hand, ich ihre. Wir redeten, später ging ich nach Hause, ohne ihr von meinen Gefühlen erzählt zu haben. Ich konnte es einfach nicht. Ich habe ihr ein paar Tage später in einem Brief gestanden, dass sie meine erste große Liebe war. Sie hat nicht darauf reagiert. Ich sah sie wieder, versuchte, mit ihr zu reden. Sie gab vor, den Brief nicht gelesen zu haben. Sie meinte noch, dass sie Fehler gemacht habe, dass wir beide daran zerbrechen würden, wenn wir den Kontakt aufrecht erhielten. Irgendwann, als sie ging, sagte ich (sie hatte mir schon den Rücken zugewandt): „Ich war sehr lange in dich verliebt“. Sie stockte im Schritt, drehte sich aber nicht um. Es tat so weh; mir wurde bewusst, dass ich mich selbst belogen hatte. Es war keinesfalls vorbei, ich hatte immer noch dieses Herzklopfen. Aus meiner Verzweiflung heraus schrieb ich ihr noch eine sms. Wir haben uns noch ein paar Mal gesehen seit diesem Tag. Meistens schwieg sie, sah mich kaum an. Letzte Woche stritten wir uns heftig. Sie ist wahnsinnig enttäuscht, weil ich so lange geschwiegen habe, kann mit meinen Gefühlen nicht umgehen. Inzwischen hält sie es nicht mal mehr mit mir in einem Raum aus. Wenn sie mich sieht, sieht sie nur noch rot und flüchtet. In 3 Wochen schreibe ich Abi und sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich bin wieder in Therapie, weil ich die Situation, wie sie momentan ist, kaum noch aushalte.
Aber genug von mir- was ich euch eigentlich sagen will, ist, wenn ihr mit dem Gedanken spielt, ehrlich zu sein, von euren Gefühlen zu erzählen, tut es gleich! Ich dachte immer: irgendwann, wenn du nur noch freundschaftliche Gefühle für sie hast, sagst du es ihr. Ich bin fast an meinen Gefühlen zerbrochen. Zudem habe ich mir etwas vorgemacht und zu spät gemerkt, dass sich die Gefühle überhaupt nicht verändert haben. Nicht zuletzt habe ich sie jetzt so sehr verletzt, dass ich wahrscheinlich den endgültigen Keil zwischen uns getrieben habe und das werde ich mir immer vorwerfen. Und im Bezug auf Freundschaft: Überlegt es euch gut, ob ihr euch wirklich darauf einlasst, ob es euch wirklich glücklich macht. Solange ihr noch auf euren Verstand hören könnt und das Herz denselben noch nicht komplett unterdrückt, tut es! Wenn man wirklich liebt, will man immer mehr. Selbst wenn die Freundschaft toll ist – tief im Herzen wünscht man sich mehr, lösen kann man sich nicht und eine neue Liebe hat überhaupt keine Chance. Wenn sie mich in ihre Arme geschlossen hat, war ich der glücklichste Mensch auf diesem Kontinent und doch hat jede Berührung irgendwie weh getan. Wenn sie gegangen ist, hab ich gelitten wie ein Hund. Überlegt euch, ob ihr das aushalten könnt und ob ihr das aushalten wollt.
Ich wünsche euch, dass sich alles so fügt, wie ihr euch es wünscht oder wie es für euch richtig ist. Manchmal ist der richtige Weg nicht der, den das Herz gehen will. Das ist so leicht gesagt, ich weiß! Ich will es selbst nicht begreifen.
Alles Liebe
eure Mary-Kate
PS: Tut mir Leid, dass es so lang geworden ist, aber ich habe mich schon kurz gefasst!
Ich denke nicht, dass sich einer von euch an mich erinnert, da meine letzten Beiträge schon recht lange zurückliegen. Gelegentlich, aber nicht regelmäßig habe ich noch mitgelesen, deshalb bin ich nicht auf dem aktuellsten Stand. Ich würde jetzt nichts lieber tun, als mich wieder ganz in eure Beiträge zu vertiefen J, aber weil ich in drei Wochen irgendwie meine Abiturprüfungen schreiben muss, werde ich das auf die Zeit danach verschieben.
Ich habe mich in der 8. Klasse in meine Sportlehrerin verliebt. Sie hatte mich schon in der 7. Klasse unterrichtet, damals mochte ich sie sehr gerne, hatte aber noch keine zitternden Knie, kein Herzklopfen oder dergleichen. Irgendwann passierte es dann einfach. Ich war natürlich vollkommen überfordert mit meinen Gefühlen. Obwohl ich schon eine „Beziehung“ hatte, hatte ich zuvor nie so gefühlt. Ich lag oft tränenüberströmt im Bett, konnte mich zu nichts aufraffen. Natürlich hatte ich auch noch nie so auf eine Sportstunde hingefiebert! Irgendwann bat ich sie um ein Gespräch, in dem ich ihr anvertraut habe, dass ich für sie schwärme. Ich untertrieb ihr gegenüber maßlos, weil ich das Gefühl hatte, sie zu überfordern. Sie gab das auch offen zu und in den Sportstunden nach dem Gespräch kam ich mir vor wie beim Spießrutenlauf. Wir konnten uns nicht in die Augen sehen, geschweige denn miteinander reden. Das Lächeln gefror uns sprichwörtlich auf den Lippen. Ich litt wahnsinnig in dieser Zeit, fiel in ein tiefes Loch. Es hat ein paar Wochen gedauert, bis wir wieder zueinander fanden. Die Initiative ging von mir aus. Ich begriff, dass ich nur ein Chance hatte, wenn ich das Thema „Schwärmen, Lehrer-Schüler-Beziehung“ bewusst mied. Ich versuchte es mit Smalltalk, nahm allen Mut zusammen, auch wenn mir kaum ein Wort über die Lippen ging und tatsächlich, es funktionierte. Obwohl wir vor diesem besagten Gespräch nie engeren Kontakt hatten, kamen wir uns jetzt näher. Ich blieb nach den Stunden meist länger, wir saßen auf dem Hallenboden oder auf der Wiese und quatschten. Sie, die den Schülern gegenüber immer die fröhliche, gelassene und starke Lehrerin gab, fing an, sich mir gegenüber zu öffnen. Wir hatten es an der Schule beide nicht leicht und genau das war es, was uns zu diesem Zeitpunkt zusammengeschweißt hat. Wir haben uns gegenseitig zugehört und hatten dieses besondere Verständnis füreinander, das man nur hat, wenn einem die Empfindungen des anderen vertraut sind. Sie hat mich unterstützt und auch ich habe versucht, ihr den Rücken zu stärken. Das Schuljahr ging irgendwann zu Ende und für mich brach eine Welt zusammen. Doch wir blieben in Kontakt, telefonierten ab und an. Natürlich war es immer ich, die sie angerufen oder sie in ihrem Klassenzimmer besucht hat. Ich konnte sie einfach nicht loslassen. Sie hat mich jedes Mal aufs Neue verzaubert, mich immer wieder um den Verstand gebracht. Wenn sie Geburtstag hatte, hab’ ich für sie gesungen oder gespielt. Sie hat immer fast geheult. Wenn sie mich berührt hat, wenn sie mich manchmal minutenlang in ihre Arme geschlossen hat, war das für mich wie ein buntes Feuerwerk der Gefühle, auch wenn es irgendwie weh tat, weil ich unterbewusst immer daran dachte, dass ich sie wieder gehen lassen musste. Ich hatte Angst, sie zu verlieren und fing an zu klammern. Wir stritten uns, sie hatte ständig das Gefühl, meine Erwartungen nicht erfüllen zu können. Die Beziehung ging fast auseinander, dann näherten wir uns wieder an. Dieses Hin- und Her strapazierte die Nerven. Mitte 2008 wurde sie meine Firmpatin. Ich hoffte, sie dadurch an mich zu binden. Ja, das hört sich jetzt komisch an, aber wer wirklich liebt, kann das nachvollziehen. Doch vieles hat sich nicht geändert. Ich habe ihre, sie meine Familie und Verwandtschaft kennengelernt. Wir haben uns gegenseitig besucht, mehr Zeit miteinander verbracht. Emotional hatten wir eine ganz enge Verbindung. Sie stand mir bei, als ich kurz davor war, in die Magersucht abzurutschen. Ich gab mir alle Mühe, sie wieder aufzubauen, ihr auf die Beine zu helfen, wenn sie wegen ihrer Depressionen wieder mal am Boden zerstört war. Ich war eine der wenigen, die Kontakt mit ihr hatte, als sie in der Klinik war. Sie hat mir Gedanken anvertraut, die ihr eigener Mann nicht kannte.
Meine Gefühle schwieg ich tot, ich hatte sie ganz tief in mein Herz geschlossen. Besser eine Freundschaft als keinen Kontakt mit ihr, dachte ich mir. Ich hatte auch Angst, sie zusätzlich zu belasten. Doch die Freundschaft mit ihr hat an mir gezehrt. Wenn man liebt, will man immer mehr, auch wenn man es sich nicht eingestehen kann. Selbst in der Zeit, in der wir uns wöchentlich trafen, ging es mir nicht wirklich gut damit. Wenn wir Zeit miteinander verbrachten, schwebte ich im siebten Himmel, wenn sie dann wieder ging, hielt ich den Schmerz und die Sehnsucht kaum aus. Irgendwann hielt sie es nicht mehr aus und ging von der Schule (hatte verschiedene Gründe). Die Krankheit hatte sie sehr verändert. Sie kreiste permanent um dasselbe Thema, nahm gar nicht mehr wahr, was um sie herum geschah, was andere fühlten und dachten. Für ihr Umfeld- auch für mich- war das unheimlich anstrengend, irgendwann konnte ich es einfach nicht mehr hören, doch ich bin geduldig geblieben. Wir redeten aneinander vorbei, stritten uns. Ich war oft kurz davor, den Kontakt abzubrechen, weil ich keine Kraft mehr hatte, aber ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht. Heute weiß ich, dass ich damals schon wusste, wie weh es tun würde. Irgendwann hat sie den Kontakt auf Eis gelegt (hatte verschiedene Gründe). Ich habe alles daran gelegt, sie noch umzustimmen – bin zu ihr gefahren, hab ihr geschrieben, sie angerufen - vergebens. Ich war am Boden zerstört, auch weil ich kurz zuvor beschlossen hatte, ihr endlich die ganze Wahrheit zu sagen. Ich hatte bereits einen sehr langen Brief geschrieben, den ich in der Schublade aufbewahrte. Letztes Jahr im Februar habe ich mir Hilfe gesucht. Ich hielt es einfach nicht mehr aus. Die 4 Jahre unterdrückten Gefühle, der Kontaktabbruch und vieles andere wie z.B. eine erneute Essstörung und die Mobbingerfahrung hatten mir alle Kraft geraubt. Ich hatte den besten Coach an meiner Seite, den man sich nur vorstellen kann. Sie hat mir ein Stück weit die Augen geöffnet und mich wieder aufgebaut. Ich hatte irgendwann das Bedürfnis, meiner Enttäuschung Luft zu machen und schrieb meiner Exlehrerin einen Brief, auf den ich natürlich keine Reaktion bekam. Kurz vor Weihnachten, 10 Monate, nachdem ich sie das letzte Mal gesehen hatte, hat mich alles eingeholt. Mir wurde klar, dass ich es nicht mehr bis nach dem Abi aushalten würde. Ich musste zu ihr fahren und reinen Tisch machen. Ich wollte, dass sie wusste, was ich für sie empfunden habe. Ich hatte irgendwie auch das Gefühl, dass sie es verdient hatte, die Wahrheit zu kennen. Als der entscheidende Tag gekommen war, war ich höllisch nervös. Ich zitterte, mir war schlecht, ich konnte kaum noch klar denken und als ich sie schließlich sah, raste mein Herz. Alles kam wieder hoch- der ganze Schmerz, die Enttäuschung, aber auch die intensiven Gefühle, die ich glaubte, überwunden zu haben. Sie schloss mich in die Arme, obwohl sie der Brief wahnsinnig getroffen hatte. Sie nahm meine Hand, ich ihre. Wir redeten, später ging ich nach Hause, ohne ihr von meinen Gefühlen erzählt zu haben. Ich konnte es einfach nicht. Ich habe ihr ein paar Tage später in einem Brief gestanden, dass sie meine erste große Liebe war. Sie hat nicht darauf reagiert. Ich sah sie wieder, versuchte, mit ihr zu reden. Sie gab vor, den Brief nicht gelesen zu haben. Sie meinte noch, dass sie Fehler gemacht habe, dass wir beide daran zerbrechen würden, wenn wir den Kontakt aufrecht erhielten. Irgendwann, als sie ging, sagte ich (sie hatte mir schon den Rücken zugewandt): „Ich war sehr lange in dich verliebt“. Sie stockte im Schritt, drehte sich aber nicht um. Es tat so weh; mir wurde bewusst, dass ich mich selbst belogen hatte. Es war keinesfalls vorbei, ich hatte immer noch dieses Herzklopfen. Aus meiner Verzweiflung heraus schrieb ich ihr noch eine sms. Wir haben uns noch ein paar Mal gesehen seit diesem Tag. Meistens schwieg sie, sah mich kaum an. Letzte Woche stritten wir uns heftig. Sie ist wahnsinnig enttäuscht, weil ich so lange geschwiegen habe, kann mit meinen Gefühlen nicht umgehen. Inzwischen hält sie es nicht mal mehr mit mir in einem Raum aus. Wenn sie mich sieht, sieht sie nur noch rot und flüchtet. In 3 Wochen schreibe ich Abi und sie geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich bin wieder in Therapie, weil ich die Situation, wie sie momentan ist, kaum noch aushalte.
Aber genug von mir- was ich euch eigentlich sagen will, ist, wenn ihr mit dem Gedanken spielt, ehrlich zu sein, von euren Gefühlen zu erzählen, tut es gleich! Ich dachte immer: irgendwann, wenn du nur noch freundschaftliche Gefühle für sie hast, sagst du es ihr. Ich bin fast an meinen Gefühlen zerbrochen. Zudem habe ich mir etwas vorgemacht und zu spät gemerkt, dass sich die Gefühle überhaupt nicht verändert haben. Nicht zuletzt habe ich sie jetzt so sehr verletzt, dass ich wahrscheinlich den endgültigen Keil zwischen uns getrieben habe und das werde ich mir immer vorwerfen. Und im Bezug auf Freundschaft: Überlegt es euch gut, ob ihr euch wirklich darauf einlasst, ob es euch wirklich glücklich macht. Solange ihr noch auf euren Verstand hören könnt und das Herz denselben noch nicht komplett unterdrückt, tut es! Wenn man wirklich liebt, will man immer mehr. Selbst wenn die Freundschaft toll ist – tief im Herzen wünscht man sich mehr, lösen kann man sich nicht und eine neue Liebe hat überhaupt keine Chance. Wenn sie mich in ihre Arme geschlossen hat, war ich der glücklichste Mensch auf diesem Kontinent und doch hat jede Berührung irgendwie weh getan. Wenn sie gegangen ist, hab ich gelitten wie ein Hund. Überlegt euch, ob ihr das aushalten könnt und ob ihr das aushalten wollt.
Ich wünsche euch, dass sich alles so fügt, wie ihr euch es wünscht oder wie es für euch richtig ist. Manchmal ist der richtige Weg nicht der, den das Herz gehen will. Das ist so leicht gesagt, ich weiß! Ich will es selbst nicht begreifen.
Alles Liebe
eure Mary-Kate
PS: Tut mir Leid, dass es so lang geworden ist, aber ich habe mich schon kurz gefasst!