Das klingt mehr nach einem ausgewachsenen Helfersyndrom. Damit werden die eigenen Sorgen und Problem verdrängen. Außerdem wirkt dieses Verhalten aufdringlich und verkrampft überzogen, so als ob eine andere Schuld indirekt wieder gut gemacht werden will/soll.
Ich bin heute morgen aufgewacht, habe mich gefragt - was ich tun kann damit ich nicht schon wieder aus Bett falle. Bin ich damit Schuld das anderen nicht geholfen wird, nur weil ich an mich denke?
Hier im Forum kann man jede Minute helfen, aber das ist nicht die Realität. In der weiß doch so gut wie keiner um meine Problem.
Man ist doch nicht dafür da die ganze Welt zu retten. 😕 Was macht man mit denen die sich aus den verschiedensten gründen nicht helfen lassen wollen? Dann haben wir noch jene, die sich nicht helfen lassen können, selbst wenn sie es wollte. bspw. aus Scham und und und....
Woher will ich wissen, wer wer ist, wenn man nur eine aussenstehende "Randfigur" in dessen Leben ist?
Was ist, wenn die gut gemeinte Hilfsaktion dem "Patienten" mehr schadet als hilft? Wer hat denn dann die Schuld? Und/oder kommt dann der Nächste "Ritter", mit seinem vermeindlich besseren Helfersyndrom, um dem "Patienten" erneut zu retten?
Interessanter Beitrag.
Das Helfersyndrom würde ich weitgehend ausschließen, wenn der jeweilige Mensch seine eigenen Aufgaben tatkräftig anpackt.
Trotzdem bleibt die berechtigte Frage "warum tut der Mensch was er tut?" oder "warum unterlässt der Mensch zu tun, was er unterlässt?"
Bei der Lebensaufgabe "ich will unbedingt anderen helfen" würde ich wieder an das Helfersyndrom denken.
Bei meiner Fragestellung "wem oder was kann ich heute etwas Gutes tun?" geht es mir auch um mich selbst. Auch ich brauche und möchte Gutes erleben für mich, auch wenn es mal nichts mit anderen Menschen zu tun hat.
Es geht mir mehr um die Entwicklung und Pflege meiner eigenen Anlagen und Talente. Für mich besteht ein sehr wichtiger Teil des Lebens darin, meine Talente und Fähigkeiten immer stärker zu erkennen und zu pflegen. Das ist das, was ich für mich Gutes tun möchte.
Es ist nicht so, dass ich mit mir unzufrieden bin. Viel eher denke ich "der größte Feind des Guten ist das Bessere".
Also bin ich bestrebt, meine guten Talente zu entdecken und zu verbessern. Wenn ich das permanent im Auge habe, dann werde ich morgen mehr wissen und mehr können als heute. Morgen werde ich Lösungen kennen, die mir heute nicht zugänglich sind. Ich vertraue darauf, dass in mir Schätze verborgen sind, die ich auf meiner Reise in mein eigenes Ich entdecken kann (und hoffentlich entdecken werde).
Ich behalte und nutze die bisher entdeckten Schätze nicht nur für mich, zu meinem Wohl, sondern teile sie gerne mit anderen Menschen. Dabei treffe ich in meinem Leben auf Menschen,
a) die sich öffnen und von meinen Schätzen gerne "kosten" (und teilen verdoppelt das Vergnügen)
b) die sich anregen lassen, ihre eigene Reise in ihr eigenes Ich aufzunehmen oder fortzusetzen
c) die mich von ihren Schätzen "kosten" lassen.
Natürlich treffe ich auch auf Menschen, die weder a noch b noch c wollen. Tja, da bleib ich locker. Ich kann und werde die Menschen nicht ändern. Jeder ist seines Glückes Schmied.