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Eigene Schuld - fremde Schuld

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Was machst Du mit Deiner Schuld, Nordrheiner...gibst Du sie einfach ab?

Hallo, Spoony,

wenn das immer so einfach wäre, Spoony.

Schuld abgeben bedeutet immer, dass andere Schritte vorab getan wurde: Schuld erkennen, sich selbst Schuld eingestehen und dann demjenigen mitteilen, der sie übernehmen soll. Da ist Schluß mit dem Pragmatismus der Verdrängung.

Und dann muß derjenige, der meine Schuld übernehmen soll, auch noch einwilligen. Und auch das reicht nicht automatisch. Was nützt es, wenn ich z.B. meine erhaltenen Mahnschreiben einer Darlehensschuld meinem Nachbarn übergebe und dieser einwilligt, meine Schulden zu übernehmen? Die Bank wird trotzdem auf mich zurückgreifen, wenn mein Nachbar meine Schulden nicht oder nicht vollständig tilgt. Im schlechten Fall ziehe ich lediglich meinen Nachbarn mit in meine Problematik.

Und dann wird damit zu rechnen sein, dass er – wenn er clever ist – sich nach meiner Gesamtsituation erkundigt und somit abklopft, ob dieser Schuld, die ich heute abgeben will, noch weitere folgen. Das öffnet den Zugang zu neuen Fragen.

Also das einfache „Schuld abgeben“ ist nicht so einfach, wie sich manche das vorstellen. Man sollte es sich nicht zu einfach machen. Das könnte schief gehen.

Das ist jetzt keine direkte Antwort auf Deine Frage. Hilft es Dir trotzdem weiter?
Sonst frag‘

LG, Nordrheiner
 
@Nordrheiner: Da hast Du was falsch verstanden. Pragmatismus ist nicht "hart sein und verdrängen", sondern es heißt Realitäten anerkennen und danach handeln, Veränderbares zu verändern und Dinge, die sich nicht ändern lassen, als solche zu akzeptieren und hinzunehmen. Also weder Verdrängung noch Wunschträumerei nach dem Motto "was wäre wenn... (die Welt ein viel viel besserer Ort wäre als sie ist, oder so...). Wer verdrängt, will die Welt nicht so erkennen wie sie ist, sondern hängt ihr eine hübsche Maske um, wie sie nach seiner Vorstellung sein sollte. Die Neigung dazu hat jeder Mensch, manche mehr, manche weniger stark ausgeprägt, die mit "weniger" nennt man Realisten und Pragmatiker, die mit "mehr" Wunschträumer und Phantasten. Beides hat seine Berechtigung, solange man es nicht übertreibt - der Realist steht mit beiden Beinen fest auf der Erde, der Phantast wirft seinen Blick in die fernsten Fernen, und im günstigsten Fall ergänzen sich beide, so daß was voran geht. Wenn sie aber keine Kontaktpunkte miteinander haben, rührt sich bei keinem etwas, dann wird der Realist total unbeweglich und versteinert irgendwann auf seinem Standpunkt, und der Phantast schwebt in "höheren Sphären" und verliert damit jede Bodenhaftung zur Realität, wird im Extremfall sogar lebensunfähig, weil das Leben sich halt dummerweise in der Realität abspielt und nicht in irgendwelchen erträumten Wolkenkuckucksheimen.

Und zu Deiner Frage, wie ich mich motiviere: ganz einfach mit dem pragmatischen Spruch "was muß, das muß". Bin ich zu faul zum Aufräumen - dann lasse ich halt die ganzen Sachen genau dort liegen, wo ich jeden Tag darüberfallen muß, und wenn ich dann zum ungefähr zwanzigsten Mal darübergefallen bin, ist der Zorn darüber groß genug, um mich zu Taten zu bewegen. Die Anfangs-Motivation ist das Schwierigste an der Sache, manchmal kann es eine regelrechte Angst sein (bei Deinem Beispiel mit den jungen Leuten, die es nicht schaffen, sich für einen Beruf zu bewerben - die Angst, sich vielleicht auf Jahre hinaus festzulegen/festlegen zu müssen, den falschen Weg in Beruf und Leben zu wählen, wenn man eigentlich noch gar nicht weiß, was man mit seinem Leben anfangen will), aber sobald man diesen inneren Schweinehund überwunden hat, stellt man meistens fest, daß die Sache an sich gar nicht so schlimm war (wie beim Zahnarzt - die Angst vorher ist immer das Schlimmste), und selbst wenn man mal einen Fehler macht - es gibt kaum etwas, was sich nicht irgendwie korrigieren läßt. Am besten lernt man aus gemachten Fehlern, deshalb sollte man sich nie aus reiner Angst vor Fehlern scheuen, einen vielversprechenden Weg einzuschlagen. Das hat allerdings auch mit der Frusttoleranz jedes Einzelnen zu tun, und da sieht es, soviel ich mitbekomme, zumindest in der jüngeren Generation eher mau aus. Wer von kleinauf gewohnt ist, alles sofort und selbstverständlich zu bekommen, jede Laune sofort zu befriedigen und gleichzeitig von möglichen negativen Folgen bewahrt zu werden, muß erst lernen, daß manche Dinge auch Geduld und Arbeit erfordern, und daß es immer wieder irgendwo Probleme und Rückschläge geben wird, egal wie sehr man sich müht. DAS sollten bereits die Eltern ihren Sprößlingen beibringen. (Und auch das ist Pragmatismus.)
 
[/U]

Trotzdem bleiben mir bei Deinem o. zitierten Beitrag Fragen:
Was sind beim Verzeihen Deine Konditionen?
Deine Aussage ist: „Vergebung nur für die, die es tatsächlich verdienen.“
Meine Frage dazu: Wie kann man sich Vergebung (bei Dir) verdienen?
Könntest Du das konkret beschreiben?

Kleiner Exkurs:
Dieses „sich Vergebung verdienen“ findet sich in allen Religionen wieder. Daher erinnert mich Deine Ausdrucksweise sehr stark an Religionen. Es ist die Kombination von „ungetilgter Schuld“ und „Vergebung verdienen“, die ich als Motor ausmache für viele menschliche Aktivitäten. Und nicht wenige dieser „Aktivitäten“ bringen nach meiner Ansicht noch Schuld über die Menschen, die in der guten Absicht handeln, sich ihre Vergebung verdienen zu wollen. Eine paradoxe Situation.

LG, Nordrheiner
Du scheinst eine etwas verkehrte Auffassung von mir zu haben, wenn Du mich als "Rächer"(-natur) bezeichnest. Tatsächlich bin ich eher relaxt, wenn es um Fragen wie Vergebung geht, und in manchen Dingen habe ich eine wahre Eselsgeduld. Nach meiner Erfahrung lassen sich viele Dinge im Leben einfach aussitzen, die andere Leute zum rotieren brächten, und wer einem Gemütsmensch wie mir böse kommt, macht sich auch leicht bei jemand anderem, der keine so lange Geduld hat, so unbeliebt, daß er irgendwann eine blutige Nase kassiert - und dann sehe ich zu, ohne Mitleid zu empfinden, und denke mir mein Teil. Über Kleinigkeiten kann ich stillschweigend hinweggehen, damit muß ich mein Gedächtnis nicht unbedingt belasten. Wenn sich aber jemand bei mir eine Vergebung "verdienen" will oder muß, dann ist der erste und wichtigste Punkt: Ehrlichkeit! Ehrlichkeit beim Zugeben des Delikts, Ehrlichkeit in der Reue und in der Wiedergutmachung. Mit Lügen und Betrügereien, auch mit frommem Selbstbetrug, kann ich nichts anfangen, konnte ich noch nie, dafür bin ich selbst zu ehrlich (oder vielleicht einfach zu dumm - je intelligenter jemand ist, um so besser ist er auch im Lügen...).
P.S. das mit dem "Rächer" bezieht sich auf Situationen, in denen Gerechtigkeit - aus welchen Gründen und von wem auch immer - nicht gewollt ist, zu Lasten des jeweiligen Opfers, weil irgendwer "Einflußreicher" (Politiker, Richter, Priester und/oder deren Kirchen, Kindeseltern, sonstwer) zweifelhafte Sympathien für den oder die Täter hegt. Bei sowas werde ich dann wirklich grätig, egal ob es mich oder jemand anderen trifft.
 
Zu der Frage „gibt es ein Leben nach dem Tod“ las ich folgendes:
Meine Hoffnung dazu ist eher ungewöhnlich, da ich hoffe, dass es so etwas nicht gibt. Es gibt derzeit neben Krieg, Folter und Altersarmut keine andere Sach vor der ich so viel Angst habe wie nach dem Tod eine Ewigkeit voll endloser Schmerzen und Qualen zu erleiden (denn wenn es eine Hölle gibt ist ein Platz für mich schon unumkehrbar reserviert).
Gibt es irgendwelche Fachschriften in denen ein Leben nach dem Tod WIDERLEGT wird?
Wenn ja, dann wäre ich euch wirklich dankbar wenn ihr mir die Publikationen nennen könntet.


Lieber Daoga,
der oben genannte Beitrag lässt ein großes Schuldbewusstsein vermuten. Deine Beiträge, Daoga, sind vernünftig und ich finde Deine Meinung, auf allgemeine übliche Lebenssituation angewendet, gut. Aber mit Pragmatismus lassen sich bestimmte Fragen nicht beantworten. So auch im obigen Zitat. Oder meinst Du doch?

Auch wenn man dieser Frage ausweicht bzw. sie abtut mit Worten wie z.B: „alles Unsinn, Leben nach dem Tod gibt es ebenso wenig wie eine Hölle“ so ist das aus meiner Sicht doch nur ein Schieben in die Zukunft auf unbestimmte Zeit. Und dann kann es passieren, wie dem Schreiber des obigen Textes, dass sich die Frage aufdringlich bemerkbar macht. Rätst Du als Pragmatiker dazu, nochmal ein Schieben, Verdrängen, zu probieren? Oder wie würdest Du dem Schreiber antworten bzw. helfen können?

Wie geschrieben, finde ich Pragmatismus als eine wichtige Einstellung und stehe Dir da nahe. Nur eben sehe ich auch Grenzen des Pragmatismus.

LG, Nordrheiner
 
Zu dem Zitat würde ich als erstes sagen, daß es kaum möglich ist, die "Nichtexistenz" von etwas zu beweisen. Beweise mal, daß der Osterhase oder die Zahnfee oder das Christkind nicht existieren... oder wenn sie auf unserem Planeten nicht existieren, so könnten sie doch auf einem anderen Planeten irgendwo im Universum existieren... allerdings gibt es Lektüre dazu, daß es so etwas wie Reinkarnation durchaus zu geben scheint ("Früher, als ich groß war" von Joanne Klink, "Indizienbeweise für ein Leben nach dem Tod und die Wiedergeburt" von Dieter Hassler, um nur zwei zu nennen). Demjenigen, der den Post eingestellt hat, würde ich dringend raten, mal diese Bücher durchzulesen, dann würde er seine Angst vor seiner primitiven Höllen-Vorstellung ziemlich schnell verlieren. Manche der Wiedergeborenen, von denen in den Büchern berichtet wird, berichten zwar von Höllen-Visionen, aber auch davon, daß man aus diesem Zustand herauskommen kann - wenn man es will und sich nicht von seiner eigenen (!) Mutlosigkeit und Verzweiflung unterkriegen läßt - mit anderen Worten, es hängt allein von einem selber ab, ob man in seiner ganz privaten (selbstkonstruierten?) Hölle bleibt oder nicht. Mir persönlich ist der Glaube an Wiedergeburt auch sympathisch, aus ganz rationalen Gründen - die Natur, von der wir alle Teil sind, ist eine Meisterin des Recycling, nichts geht verloren, und wenn es sowas wie von der Existenz eines Körpers unabhängig existierende Seelen geben sollte (als energetische Imprints in die Struktur der Realität oder so, schließlich besteht jedes Leben, von der kleinsten Zelle aufwärts, aus "elektrisch betriebenen organischen Einheiten"), dann wäre es ebenso möglich, daß diese Seelen ihre "eigenen Orte" haben, wo sie sich im körperlosen Zustand aufhalten - virtuelle Realitäten oder so, Matrix läßt grüßen - und daß sie sich auch neue Körper suchen können, wenn sie meinen, in der materiellen Welt noch was zu tun oder zu lernen haben. Bin zwar Atheist (für das Konzept der Wiedergeburt braucht man keinen Gott oder Götter), aber nicht ganz phantasielos... 🙂
 
@Nordrheiner: Da hast Du was falsch verstanden. Pragmatismus ist nicht "hart sein und verdrängen", sondern es heißt Realitäten anerkennen und danach handeln, Veränderbares zu verändern und Dinge, die sich nicht ändern lassen, als solche zu akzeptieren und hinzunehmen. Also weder Verdrängung noch Wunschträumerei nach dem Motto "was wäre wenn... (die Welt ein viel viel besserer Ort wäre als sie ist, oder so...). Wer verdrängt, will die Welt nicht so erkennen wie sie ist, sondern hängt ihr eine hübsche Maske um, wie sie nach seiner Vorstellung sein sollte.

Hallo, Daoga,
danke erstmal für Deine guten Überlegungen.

Du schreibst:
„Wenn sich aber jemand bei mir eine Vergebung "verdienen" will oder muß, dann ist der erste und wichtigste Punkt: Ehrlichkeit! Ehrlichkeit beim Zugeben des Delikts, Ehrlichkeit in der Reue und in der Wiedergutmachung. Mit Lügen und Betrügereien, auch mit frommem Selbstbetrug, kann ich nichts anfangen, konnte ich noch nie, dafür bin ich selbst zu ehrlich….“


Zu Deinem Beitrag 103 kamen mir folgende Gedanken.
Wir können mit dem Begriff Beweis wenig anfangen, wenn es um Realitäten (Fakten) geht, die für unsere Sinne nicht zugänglich sind. Dass wir Gott nicht beweisen können, sagt nichts über Seine von Dir angenommene Nicht-Existenz aus.


Zu Deinen letzten Beiträgen folgendes:
Das Problem mit Schuld wird aus meiner Sicht von Dir unzulässig vereinfacht. Menschen unterteilen Schuld in verzeihliche und unverzeihliche Schuld. Nach Deiner Ansicht muß man sich Vergebung verdienen. Aber Du teilst nicht mit, was mit Schuld passiert, die von Menschen nicht vergeben wird. Was passiert bei Nicht-Vergebung? Deine oben zitierten Kriterien finde ich ja recht gut. Aber sie lösen grundsätzliche Probleme nicht, zeigen nur unsere Grenzen auf. Die Realität ist doch folgende: Menschen stellen ihre eigenen Regeln und Gesetze auf. Du bist dafür ein gutes Beispiel. Menschen legen die Kriterien für Gut und Böse, für Verzeihungswürdig und Nichtwürdig fest. Wenn es keine oberste Instanz gibt, die die Kriterien für alle festlegt, bleibt Willkür bzw. das Recht des stärkeren Menschen. Wenn Du jemandem nicht vergibst, weil er Deinen vernünftigen Kriterien nicht entspricht, schickst Du ihn damit nicht in die „Hölle“? Wenn mit dem gleichen Recht, Kriterien für Gut und Böse, Verzeihbares und Nichtverzeihbares zu bestimmen, andere Menschen andere Kriterien haben und demnach nicht verzeihen können oder wollen, werden Menschen willkürlich in die „Hölle“ geschickt. Und bei dem Text des zitierten Schreibers ist er es anscheinend selbst, der sich richtet und in die „Hölle“ schickt.


Du schreibst, dass eigene Mutlosigkeit und Verzweiflung der Grund sind, dass Menschen in ihrer (selbstkonstruierten) Hölle bleiben. Dann wären doch Mut und Hoffnung logischerweise die Mittel, sich selbst aus der „Hölle“ zu befreien, oder? Aber Du schreibst nicht „Mut zu was“ und „Hoffnung worauf“.



Ich denke schon, dass Hölle nichts ist, was wir uns mit großer Höhle mit Feuer und Menschen am Spieß über dem Feuer oder ähnlichem vorstellen sollten. Für mich ist Hölle ein Synonym für unbeschreibliches Unglück, schmerzhaft und dies in einem nicht umkehrbaren Endzustand. Nach Deiner Definition (erster Absatz) von änderbar und nicht änderbar wäre meine Definition von Hölle eine Realität, die wir hinnehmen müssen. Wenn meine Definition von Hölle falsch bzw. der Zustand der „Hölle“ in Deinen Augen doch umkehrbar ist, müsstest Du über eine Patentlösung verfügen. Die würde ich – wenn es sie gibt – gerne erfahren.

LG, Nordrheiner
 
Hallo, Daoga,
danke erstmal für Deine guten Überlegungen.
Zu Deinem Beitrag 103 kamen mir folgende Gedanken.
Wir können mit dem Begriff Beweis wenig anfangen, wenn es um Realitäten (Fakten) geht, die für unsere Sinne nicht zugänglich sind. Dass wir Gott nicht beweisen können, sagt nichts über Seine von Dir angenommene Nicht-Existenz aus.
LG, Nordrheiner
Der Witz ist doch, daß Gläubige aller Fassungen zwar keinen unumstößlichen Beweis für die Existenz ihres Gottes (oder eines Gottes unter vielen) haben - genauso wie es keinen unumstößlichen Beweis für die Existenz des Osterhasens gibt - sie jedoch alle ganz fest daran glauben zu wissen, was dieser - nichtbewiesene - Gott will, und was er nicht will. Da ist in Wahrheit der Wunsch der Vater des Gedankens, die eigenen Wünsche werden als die eines Gottes ausgegeben, und diese Wünsche werden - oft genug - auch mit Gewalt gegen "Ungläubige" durchgesetzt. Wie man zur Zeit ja wieder mal in vielen Ländern sieht...
 
Zu Deinen letzten Beiträgen folgendes:
Das Problem mit Schuld wird aus meiner Sicht von Dir unzulässig vereinfacht. Menschen unterteilen Schuld in verzeihliche und unverzeihliche Schuld. Nach Deiner Ansicht muß man sich Vergebung verdienen. Aber Du teilst nicht mit, was mit Schuld passiert, die von Menschen nicht vergeben wird. Was passiert bei Nicht-Vergebung? Deine oben zitierten Kriterien finde ich ja recht gut. Aber sie lösen grundsätzliche Probleme nicht, zeigen nur unsere Grenzen auf. Die Realität ist doch folgende: Menschen stellen ihre eigenen Regeln und Gesetze auf. Du bist dafür ein gutes Beispiel. Menschen legen die Kriterien für Gut und Böse, für Verzeihungswürdig und Nichtwürdig fest. Wenn es keine oberste Instanz gibt, die die Kriterien für alle festlegt, bleibt Willkür bzw. das Recht des stärkeren Menschen. Wenn Du jemandem nicht vergibst, weil er Deinen vernünftigen Kriterien nicht entspricht, schickst Du ihn damit nicht in die „Hölle“? Wenn mit dem gleichen Recht, Kriterien für Gut und Böse, Verzeihbares und Nichtverzeihbares zu bestimmen, andere Menschen andere Kriterien haben und demnach nicht verzeihen können oder wollen, werden Menschen willkürlich in die „Hölle“ geschickt. Und bei dem Text des zitierten Schreibers ist er es anscheinend selbst, der sich richtet und in die „Hölle“ schickt.


Du schreibst, dass eigene Mutlosigkeit und Verzweiflung der Grund sind, dass Menschen in ihrer (selbstkonstruierten) Hölle bleiben. Dann wären doch Mut und Hoffnung logischerweise die Mittel, sich selbst aus der „Hölle“ zu befreien, oder? Aber Du schreibst nicht „Mut zu was“ und „Hoffnung worauf“.

Ich denke schon, dass Hölle nichts ist, was wir uns mit großer Höhle mit Feuer und Menschen am Spieß über dem Feuer oder ähnlichem vorstellen sollten. Für mich ist Hölle ein Synonym für unbeschreibliches Unglück, schmerzhaft und dies in einem nicht umkehrbaren Endzustand. Nach Deiner Definition (erster Absatz) von änderbar und nicht änderbar wäre meine Definition von Hölle eine Realität, die wir hinnehmen müssen. Wenn meine Definition von Hölle falsch bzw. der Zustand der „Hölle“ in Deinen Augen doch umkehrbar ist, müsstest Du über eine Patentlösung verfügen. Die würde ich – wenn es sie gibt – gerne erfahren.

LG, Nordrheiner

Nicht-Vergebung kann nur die Leute "in die Hölle" schicken, die sich selber psychisch aufgrund irgendeiner (echten oder eingebildeten) Schuld selbst zerfleischen. Findet man in diesem Forum ja oft genug, und häufig sind es reine Trauerspiele von Selbstbestrafungen, wo eigentlich jemand ganz anders bestraft werden müßte (z. B. mißbrauchte und vernachlässigte Kinder). Wer ein dickes Fell hat und keine Schuld anerkennt oder sich einreden läßt, oder wer sich ausreichend selbst belügen kann, den schert eine Nicht-Vergebung (durch andere) nicht. Und ich gehöre auch nicht zu jenen, die sich einreden lassen, sie müßten "um jeden Preis" vergeben. Wenn ich - aus berechtigten Gründen - einen Groll gegen jemand habe und derjenige nicht um Verzeihung bittet - oder mir nur in die Tasche lügt, um ein genauso unehrliches Lippenbekenntnis von mir zu hören - dann kann ich sehr gut damit leben, ihm nicht zu vergeben, die Schuld bleibt dann halt einfach offen. Ich gehöre nicht zu denen, die ihr Seelenheil davon abhängig machen, jedem und alles zu vergeben. Manche Rechnungen im Leben bleiben halt für immer offen und unbezahlt, that´s life. Ich lebe gut damit, und wenn jemand anders Probleme mit solch einer Einstellung zu haben scheint, dann muß er mir die Gründe - die wahren, nicht die vorgeschobenen! - nennen. Insbesondere bei religiös eingestellten Personen findet man ein Verhältnis zu "Schuld", welches darauf schließen läßt, daß sie das Konstrukt "Schuld" gern als Werkzeug gebrauchen (möchten), um Leute zu gängeln und von irgendwelchen "göttlichen Vergebungen" abhängig zu machen, wie einen Junkie vom Heroin. Religiöse Drogendealer, gewissermaßen, die sowohl das Gift als auch die angebliche "Rettung" von dem Gift verteilen, jedoch in Wahrheit gar nicht die Absicht haben, die Abhängigen jemals wieder aus ihren Klauen zu lassen. Klingelt da was bei Dir, @Nordrheiner? Denn Dein Beharren darauf, daß ein Mensch schon ab Geburt "schuldig" sei, ob er was dafür kann oder nicht, deutet genau darauf hin...

Und übrigens, es heißt nicht "Mut zu was", sondern "Mut gegen was", nämlich die eigene Mutlosigkeit, es heißt nicht "Hoffnung worauf", sondern "Hoffnung wogegen", nämlich die eigene Hoffnungslosigkeit. Wer selbst nicht die Kraft findet, da herauszukommen, bleibt für immer gefangen. Oder vielleicht sollte ich schreiben, wer selbst nicht die Kraft finden WILL. Die Kraft hat nämlich grundsätzlich jeder, aber es gibt viele, die sich im Lauf des Lebens den Mut und die Kraft (ab)nehmen lassen, die sich die eigenen Hoffnungen ausreden lassen, damit sie um so leichter von anderen kontrolliert und manipuliert werden können. Lies mal das Buch "Momo"... ein Märchenbuch mit genau diesem Inhalt (kein Wunder, daß gläubige Menschen oft Probleme mit "phantastischer Literatur" haben, da stehen zu viel unangenehme Wahrheiten drin...). Wer aber Angst vor der Hölle hat wie der Autor des Zitats, der sollte auch die genannten Bücher lesen. Da steht nämlich drin, wie man aus dieser "Hölle" herauskommt, Anleitung zur Selbstbefreiung, gewissermaßen... und ganz ohne irgendwelche "göttliche Vergebung"...
 
Der Witz ist doch, daß Gläubige aller Fassungen zwar keinen unumstößlichen Beweis für die Existenz ihres Gottes (oder eines Gottes unter vielen) haben - genauso wie es keinen unumstößlichen Beweis für die Existenz des Osterhasens gibt - sie jedoch alle ganz fest daran glauben zu wissen, was dieser - nichtbewiesene - Gott will, und was er nicht will. Da ist in Wahrheit der Wunsch der Vater des Gedankens, die eigenen Wünsche werden als die eines Gottes ausgegeben, und diese Wünsche werden - oft genug - auch mit Gewalt gegen "Ungläubige" durchgesetzt. Wie man zur Zeit ja wieder mal in vielen Ländern sieht...


Lieber Daoga,
was macht Dich so sicher, dass Du die Wahrheit für alle kennst?
LG, Nordrheiner
 
Lieber Daoga,
was macht Dich so sicher, dass Du die Wahrheit für alle kennst?
LG, Nordrheiner
Leg halt Beweise vor, daß einer der Tausende oder Millionen Götter, an die Menschen geglaubt haben und noch glauben, "echt" ist... aber solange sich alle Religionen so widersprechen, wie sie es tun, ist die einfachste Annahme die, daß sie alle miteinander Unrecht haben, und daß kein einziger dieser Götter wirklich existiert. (Nein, Märchenbücher als alten Zeiten sind KEIN Beweis! Ein Beweis müßte etwas aktuelles, unumstößliches und nachprüfbar "Übernatürliches" sein.)
 
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