Zu Deinen letzten Beiträgen folgendes:
Das Problem mit Schuld wird aus meiner Sicht von Dir unzulässig vereinfacht. Menschen unterteilen Schuld in verzeihliche und unverzeihliche Schuld. Nach Deiner Ansicht muß man sich Vergebung verdienen. Aber Du teilst nicht mit, was mit Schuld passiert, die von Menschen nicht vergeben wird. Was passiert bei Nicht-Vergebung? Deine oben zitierten Kriterien finde ich ja recht gut. Aber sie lösen grundsätzliche Probleme nicht, zeigen nur unsere Grenzen auf. Die Realität ist doch folgende: Menschen stellen ihre eigenen Regeln und Gesetze auf. Du bist dafür ein gutes Beispiel. Menschen legen die Kriterien für Gut und Böse, für Verzeihungswürdig und Nichtwürdig fest. Wenn es keine oberste Instanz gibt, die die Kriterien für alle festlegt, bleibt Willkür bzw. das Recht des stärkeren Menschen. Wenn Du jemandem nicht vergibst, weil er Deinen vernünftigen Kriterien nicht entspricht, schickst Du ihn damit nicht in die „Hölle“? Wenn mit dem gleichen Recht, Kriterien für Gut und Böse, Verzeihbares und Nichtverzeihbares zu bestimmen, andere Menschen andere Kriterien haben und demnach nicht verzeihen können oder wollen, werden Menschen willkürlich in die „Hölle“ geschickt. Und bei dem Text des zitierten Schreibers ist er es anscheinend selbst, der sich richtet und in die „Hölle“ schickt.
Du schreibst, dass eigene Mutlosigkeit und Verzweiflung der Grund sind, dass Menschen in ihrer (selbstkonstruierten) Hölle bleiben. Dann wären doch Mut und Hoffnung logischerweise die Mittel, sich selbst aus der „Hölle“ zu befreien, oder? Aber Du schreibst nicht „Mut zu was“ und „Hoffnung worauf“.
Ich denke schon, dass Hölle nichts ist, was wir uns mit großer Höhle mit Feuer und Menschen am Spieß über dem Feuer oder ähnlichem vorstellen sollten. Für mich ist Hölle ein Synonym für unbeschreibliches Unglück, schmerzhaft und dies in einem nicht umkehrbaren Endzustand. Nach Deiner Definition (erster Absatz) von änderbar und nicht änderbar wäre meine Definition von Hölle eine Realität, die wir hinnehmen müssen. Wenn meine Definition von Hölle falsch bzw. der Zustand der „Hölle“ in Deinen Augen doch umkehrbar ist, müsstest Du über eine Patentlösung verfügen. Die würde ich – wenn es sie gibt – gerne erfahren.
LG, Nordrheiner
Nicht-Vergebung kann nur die Leute "in die Hölle" schicken, die sich selber psychisch aufgrund irgendeiner (echten oder eingebildeten) Schuld selbst zerfleischen. Findet man in diesem Forum ja oft genug, und häufig sind es reine Trauerspiele von Selbstbestrafungen, wo eigentlich jemand ganz anders bestraft werden müßte (z. B. mißbrauchte und vernachlässigte Kinder). Wer ein dickes Fell hat und keine Schuld anerkennt oder sich einreden läßt, oder wer sich ausreichend selbst belügen kann, den schert eine Nicht-Vergebung (durch andere) nicht. Und ich gehöre auch nicht zu jenen, die sich einreden lassen, sie müßten "um jeden Preis" vergeben. Wenn ich - aus berechtigten Gründen - einen Groll gegen jemand habe und derjenige nicht um Verzeihung bittet - oder mir nur in die Tasche lügt, um ein genauso unehrliches Lippenbekenntnis von mir zu hören - dann kann ich sehr gut damit leben, ihm nicht zu vergeben, die Schuld bleibt dann halt einfach offen. Ich gehöre nicht zu denen, die ihr Seelenheil davon abhängig machen, jedem und alles zu vergeben. Manche Rechnungen im Leben bleiben halt für immer offen und unbezahlt, that´s life. Ich lebe gut damit, und wenn jemand anders Probleme mit solch einer Einstellung zu haben scheint, dann muß er mir die Gründe - die wahren, nicht die vorgeschobenen! - nennen. Insbesondere bei religiös eingestellten Personen findet man ein Verhältnis zu "Schuld", welches darauf schließen läßt, daß sie das Konstrukt "Schuld" gern als Werkzeug gebrauchen (möchten), um Leute zu gängeln und von irgendwelchen "göttlichen Vergebungen" abhängig zu machen, wie einen Junkie vom Heroin. Religiöse Drogendealer, gewissermaßen, die sowohl das Gift als auch die angebliche "Rettung" von dem Gift verteilen, jedoch in Wahrheit gar nicht die Absicht haben, die Abhängigen jemals wieder aus ihren Klauen zu lassen. Klingelt da was bei Dir, @Nordrheiner? Denn Dein Beharren darauf, daß ein Mensch schon ab Geburt "schuldig" sei, ob er was dafür kann oder nicht, deutet genau darauf hin...
Und übrigens, es heißt nicht "Mut zu was", sondern "Mut gegen was", nämlich die eigene Mutlosigkeit, es heißt nicht "Hoffnung worauf", sondern "Hoffnung wogegen", nämlich die eigene Hoffnungslosigkeit. Wer selbst nicht die Kraft findet, da herauszukommen, bleibt für immer gefangen. Oder vielleicht sollte ich schreiben, wer selbst nicht die Kraft finden WILL. Die Kraft hat nämlich grundsätzlich jeder, aber es gibt viele, die sich im Lauf des Lebens den Mut und die Kraft (ab)nehmen lassen, die sich die eigenen Hoffnungen ausreden lassen, damit sie um so leichter von anderen kontrolliert und manipuliert werden können. Lies mal das Buch "Momo"... ein Märchenbuch mit genau diesem Inhalt (kein Wunder, daß gläubige Menschen oft Probleme mit "phantastischer Literatur" haben, da stehen zu viel unangenehme Wahrheiten drin...). Wer aber Angst vor der Hölle hat wie der Autor des Zitats, der sollte auch die genannten Bücher lesen. Da steht nämlich drin, wie man aus dieser "Hölle" herauskommt, Anleitung zur Selbstbefreiung, gewissermaßen... und ganz ohne irgendwelche "göttliche Vergebung"...