Ausreden?
Die Tage wurde ein Report über Todeskandidaten in den USA gezeigt. Todeskandidaten wurden interviewt. Einer dieser Todeskandidaten zeigte auf ein Foto, auf dem er abgebildet war. Er sagte: „Die Richter haben mich im Prozess für den Mord schuldig gesprochen und von mir sehr übel gesprochen. Aber so bin ich nicht. Den Mord habe ich nicht begangen. Das war dieser Mann auf dem Foto – aber ich war das nicht. Ich warte und hoffe jetzt, dass dem Gericht das mal jemand klar macht.“
Sicherlich ein Extrem.
Aber vom Prinzip her „wie gehen Menschen mit ihrer Schuld um“ sicherlich eine oft gewählte Art und Weise. Die Schulden sind oft einfach nicht wieder gut zu machen. Schulden zeigen auf, dass das „ich“ schlechter ist, als „ich“ es eigentlich sein möchte. Jeder möchte doch nur ein guter Kerl sein. Ausweglosigkeit stellt sich ein – wenn ich feststelle, dass ich kein guter Kerl sondern Schuldner bin und „meine“ Schulden nicht abtragen kann. Dann wird von vielen Menschen Verleugnen und Verdrängen als der einzige Ausweg gesehen.
Seht Ihr das ähnlich, habt damit evt. Erfahrungen gemacht?
Dieses Verhalten "das war doch nicht ich, der die Vase zerbrochen hat, das war der böse schwarze Mann" findet man bei kleinen Kindern sehr häufig, und manchmal ist der Verdrängungsmechanismus so stark, daß sie wirklich nicht verstehen, warum man sie für die zerbrochene Vase bestraft, weil es doch "der schwarze Mann" war. Bei manchen Menschen erhält sich so ein starker Verdrängungsmechanismus bis ins Erwachsenenalter, oder er wird bei starkem Streß aktiviert (siehe => PTSD). Man könnte sagen, daß dieser Mechanismus unter die Rubrik "einprogrammierter Überlebensinstinkt" fällt, weil "Strafe" unter bestimmten Bedingungen gleichbedeutend sein könnte mit "Tod" (sozialem oder realem). Also wieder mal ein Relikt aus der Entstehungsgeschichte des Menschen, ein tierischer Instinkt, der dem menschlichen Verstand, der es eigentlich "besser" wissen müßte, dazwischenfunkt.