Ja natürlich aber es gibt da eben auch Ausnahmen. Egal wie leidig es manche empfinden, die Beschneidungsdebatte war ein riesen Armutszeugnis unserer Regierung. Wie die gekuscht sind um ja nicht als die Buhmänner dazustehen war mehr als erbärmlich. Eine ekelhafte archaische Tradition, die hilflose Babys/Kinder betrifft und wir schaffen ein Gesetz um sie zu schützen. Immer noch ein Unding in meinen Augen.
Da hätten sie mal ein Zeichen bzw. eine Grenze setzen können. Aber so geben sie Organisationen wie Pegida doch nur Futter.
Dass der deutsche Michel anfällig für Paranoia und Panikmache ist ist ja nun wirklich kein Geheimnis.
Morgen Friek,
es tut mir leid, aber ich bin ganz entschieden nicht deiner Meinung. Das Argument des "deutschen Michels", der sich alles gefallen lässt, passt genau in die rechte Argumentationsecke und stammt aus dieser Kiste.
Wenn Du ausgerechnet den Beschneidungsritus anführst, erinnere ich dich daran, dass damit auch eine jüdische Tradition angesprochen wird.
Und sie ist in der Tat archaisch, liest man doch von ihr früh auf den ersten Seiten der Bibel. Ich habe gerade dazu die Debatte im Deutschen Bundestag am Fernsehen verfolgt, und ich fand die Argumentation der Befürworter einer gesetzlichen Regelung sehr plausibel.
Der Gesetzgeber hat diesen Ritus herausgehoben aus den Hinterhöfen und Hinterzimmern, die Beschneider einer staatlichen, medizinischen Kontrolle zugeführt.
Und dann sollten wir vorsichtig sein, was die "hilflosen Babies" angeht, lässt unser Abtreibungsrecht doch die Tötung von ungeborenen Menschen zu, die alle körperlichen Merkmale eines jg. Menschen tragen und die unter bestialischen Bedingungen lebend im Uterus zerstückelt und abgesaugt werden.
Da höre und lese ich wenig von "archaischen Bräuchen".
Ich nenne dir noch ein Beispiel: Den staatlich kontrollierten islamischen Religionsunterricht. Lange Zeit haben wir in Deutschland die religiöse Unterweisung junger Muslime selbsternannten Predigern überlassen und hingenommen, dass sie in eigener Vollmacht und oft abseits der islamischen Lehre den Kindern ihr Bild vom Islam vermittelten, wozu oft all die Inhalte gehörten, die man zu Recht am Islam kritisieren kann und darf: Etwa die Dominanz der Männer, die damit verbundene Unterdrückung der Frau.
Auch da wieder weise ich daraufhin, dass es ja auch in der christlichen Tradition Richtungen und Gemeinschaften gibt, die durchaus archaische Rollen-und Familienbilder pflegen und vermitteln.
Jetzt gibt es einen Lehrstuhl für Islamische Theologie und die dort ausgebildeten Religionslehrer unterliegen deutschem Prüfungsrecht, sowohl was die Inhalte ihres Unterrichts angeht als auch die Methodik.
Das ist ein Meilenstein.
Nochmals zu Pegida: Ich bestreite, dass es Menschen, die für diese Bewegung auf die Straße gehen, um deutsche und europäische Kulturwerte geht, auch nicht um die Rettung des Abendlandes.
Es geht ihnen um politische Macht, wollen sie doch den von dir zitierten "deutschen Michel" erneut instrumentalisieren.
Da wurden über etliche Jahre gesetzliche Regelungen getroffen, die die Ärmsten der Armen in der deutschen Bevölkerung noch ärmer und das Armutsrisiko für eine ständig wachsende Schicht immer größer machten.
Diesen Menschen wird nun eine scheinbare Ursache gezeichnet, nämlich die Migranten. Das ist zugleich ein Trick, kommt doch der von dir zitierte "deutsche Michel" nicht auf die Idee, dass seine Situation das Ergebnis gewollter Politik ist, an der fast alle systemrelevanten Parteien mitgewirkt haben.
Und so wirft man ihm die Migranten und vermeintlich Fremden als Feindbilder vor.
Für mich ist das nichts Anderes als ein Ablenkungsmanöver, um nicht wirklich die Fragen stellen zu müssen, um die es in Wahrheit geht: Um die soziale Gerechtigkeit in Deutschland und die Balance zwischen Armen und Reichen.
Burbacher