Wir hatten in der Ausbildung mehrmals genau solche Szenarien im Bezug auf Selbstverletzung bei Borderline. Außerdem könnte man sich ein solches Szenario im Rahmen eines Stockholm-Syndroms vorstellen.
Dein Verhalten empfinde ich an dieser Stelle nicht nur als respektlos. Ich empfinde es als zutiefst verletzend und demütigend. Mit deinen (gedankenlosen?) Worten triffst du auch mich.
Dass du bestimmte Erfahrungen gemacht hast, gibt dir nicht das Recht, die Erfahrungen anderer und ihrer Wahrnehmung in Frage zu stellen.
Du kennst ihre Geschichte nicht, aber du fällst ein Urteil über sie. Ich jedenfalls sehe, dass es in diesem Fall einen Hintergrund gibt, der Vieles erklärt.
Dein Empfinden in Ehren. Mir stellen sich nur ein paar Fragen.
Was sich in diesem Bett abgespielt hat, DAS ist für dich okay? Dass er permanent ihr Nein überhört, ihr ganz brutal sagt, wir hören auf, wenn ich fertig bin, egal, ob es dir weh tut oder nicht, DAS ist für dich keine Vergewaltigung?
Wenn man überwältigt und ins Gebüsch gezerrt wird, ist das schlimm. Aber man kann sich damit trösten, dass man sich nicht wehren konnte, dass man keine Chance hatte, dass einem Gewalt angetan wurde.
Es gibt Täter, die sind nicht an körperlicher Überlegenheit interessiert. Ich bin an so jemanden geraten. Ihm schutzbefohlen, war ich ihm ausgeliefert. Der hätte sich alles mit roher körperlicher Gewalt nehmen können, aber das war es nicht, was ihn gereizt hat. Dem ging es um den Kick, mich zu brechen. Der hatte kein Interesse daran, sich etwas mit Gewalt zu holen. Der wollte, dass ich es ihm am Ende "freiwillig" gebe.
Ich spare mir die Details, wie man einen Menschen dazu bekommt, der eigenen Vergewaltigung zuzustimmen. Schön war es nicht.
Wer sagt, man könne während einer Vergewaltigung keine Lust empfinden? Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, man kann Menschen so kaputt machen, dass sie überhaupt nur noch während einer Vergewaltigung Lust empfinden. Und nein, ich rede hier nicht von einer Form von BDSM. Ich rede von Vergewaltigung.
Über ganz viele Jahre habe ich mich sehr ähnlich verhalten wie die TE. Ich habe nach einer Wiederholung der Tat gesucht. Nach einer Wiederholung der Vergewaltigung. Weil ich tief im Inneren die Hoffnung hatte, dass ich irgendwann Nein sagen kann. Aber ich konnte es nicht.
Jemand, der das nicht erlebt hat, kann sich nicht vorstellen, wie das ist, wenn einem bewusst wird, dass man sich gezielt solche Täter sucht. Man kann sich nie wieder selbst vertrauen. Der V*** sitzt nämlich im eigenen Kopf. Und die ganze Zeit fühlst du diesen Selbsthass, den Ekel, die Schuld, die unglaubliche Abscheu vor dir selbst, weil du nicht verstehst, was mit dir passiert.
Selbst heute, nach all den Jahrzehnten und jetzt da ich weiß, was ein Täterintrojekt ist und wie ferngesteuert man agiert, kann ich mir es nicht verzeihen.
Und auch heute noch werfe ich mir vor, ich hätte doch die Wahl gehabt. ICH habe Ja dazu gesagt.
Nachdem du, Sevi, so genau weißt, was in einem Vergewaltigungsopfer vor sich geht, bin ich offensichtlich keins. Danke, dass du das so nachhaltig für mich geklärt hast.
Da geht es mir doch gleich viel besser, jetzt wo die ganzen Schuldgefühle, die Abscheu, der Hass nach oben geholt werden.
Wenn immer ich mitbekomme, wie jemand glaubt, einem anderen absprechen zu müssen, ihm sei Gewalt angetan worden, geht mir das persönlich nahe. Ich habe es selbst oft genug erlebt. Und ich frage mich dann oft, was schlimmer für mich ist, das, was die Täter mir angetan haben oder dieses permanente Verneinen meiner Verletzungen.
Ich kann dir gerne sagen, welche Erfahrungen ich mit Aussagen wie deinen gemacht habe. Die kommen nicht selten von Menschen, die selbst nicht in der Lage sind, die Grenzen anderer zu wahren und darum die Verantwortung gerne dem Opfer zuschieben.
Kannst dir ja mal überlegen, ob du da auch dazu gehörst.
Danke für diesen wundervollen Beitrag. Er hält mich davon ab, mir heute Abend was Fieses anzutun.