Genau. Wir alle stammen ja aus einer Familie, haben also durchaus eigene Erfahrungen damit gemacht, und spätestens als Erwachsener erkennt man, was die Eltern bei der Erziehung geleistet (oder manchmal auch: sich geleistet 😉) haben. Es ist deshalb eine äußerst dümmliche, primitive Einstellung zu glauben, Kinderlose könnten da nicht mitreden. Letztlich Hilflosigkeit und mangelnde Kritikfähigkeit, weil einem keine gescheiten Argumente einfallen oder man sich als Mutter oder Vater nicht gern kritisieren lässt von Leuten, die das Ganze aus einer gewissen emotionalen Distanz heraus und daher mit mehr Objektivität betrachten können.
Als Kind hast du deine Welt mit der Fähigkeit, die Kinder ihrer Entwicklungsstufe gemäß mitbringen, wahrgenommen. Du kannst sicherlich beurteilen, ob du dich geliebt gefühlt hast oder im Vergleich mit anderen gut behandelt wurdest.
Was du als Kind jedoch sicherlich nicht konntest, das war die Erwachsenenwelt in ihrer Gänze zu begreifen (denn diese hat sich Kindern naturgemäß noch nicht wirklich erschlossen) mit all ihren Verantwortlichkeiten, Zwängen, Gefühlen und Gedanken.
Was ein Kind ebenfalls nicht kann, das ist ein Perspektivwechsel. Das muss es auch nicht können, schließlich hat es erstmal andere Dinge zu lernen.
Das heißt - eine nachträgliche Betrachtung ist lückenhaft, aufgebaut auf den unvollständigen Wahrnehmungen des Kindes. Zumindest, wenn es darum geht aus der Sicht des Kindes die damalige Erwachsenenwelt im Perspektivwechsel zu betrachten.
Hinzu kommt der Aspekt, dass es für JEDEN Menschen nahezu unmöglich ist, sich wirklich in Situationen einzufinden, die er noch nicht erlebt hat. Und das ist auch gut so. Empathie und verstandsmäßiges Verständnis in allen Ehren, sie haben jedoch ihre Grenzen. Wäre man in der Lage alles wirklich empathisch nachzuempfinden, würde man wahrscheinlich verrückt werden. Verstandsmäßig sind einem da eh Grenzen gesetzt, weil es die Mitempfindung ausschließt.
Dies ist auch beim Onkologen so. Sicherlich weiß er die medizinischen Details, das sollte er auch. Sicherlich weiß er um das Leid der Patienten. Wenn er jedoch nicht selbst mit einer solchen Krankheit und dem drohenden Tod konfrontiert war in seinem Leben, dann wird er nicht genau nachvollziehen können, was dies emotional und existentiell für diese Menschen heißt. Das muss er auch nicht wirklich, seine Aufgabe ist eine andere.
Es ist egal um was es geht. Frage Selbständige - dir wird nahezu jeder sagen, dass er/sie es sich in dem Ausmass nicht vorgestellt hat. Frage Menschen, die sich neuen Lebenssituationen gestellt haben, die meisten sind überrascht, was alles auf sie zukam womit sie nicht gerechnet haben. Das Selbe ist mit dem Kinderkriegen.
Du meinst von außen be-(ver-)urteilen zu können. Und das ist nicht in diesem Ausmaß richtig.
Du möchtest geachtet werden als Kinderlose. Ich habe niemals Kinderlose missachtet. Ich weigere mich jedoch auch von jemanden, der keine Kinder hat, missachtet zu werden, weil ich eines habe und damit mein Leben naturgemäß anders verläuft.