Ein echtes bedingungsloses Grundeinkommen ist politisch nicht mehrheitsfähig.
In Umfragen sprechen sich zwar oft über 50% der Befragten für ein BGE aus, aber das ist so als ob man fragen würde, ob die Menschen für Steuersenkungen sind. Klar sagt da jeder ja.
Sobald man konkrete Konzepte bespricht, es jemand bezahlen soll und vor allem auch nicht -wie oft naiv geglaubt- jeder 1.000 € mehr auf dem Konto hat, ändert sich die Stimmungslage.
Derzeit wird das Thema BGE eher ausgenutzt von Parteien wie FDP oder in Italien. Das wohl klingende Wort "Bürgereinkommen" wird für eine Arbeitslosengeld 2 / Hartz 5 Variante benutzt. "Bürgereinkommen" klingt besser, es weißt nicht auf Arbeitslosigkeit hin 😉
Es bleibt aber nach wie vor ein Tabubruch wenn ein Politiker ernsthaft ein BGE fordert, denn für die Mehrheit der Bürger heißt das, dass sie per se für Menschen zahlen sollen, die selber wiederum nicht arbeiten müssen.
Wirklich befürworten tun dies oft nur jene, die sich als Profiteure sehen, also heutige Hartz 4 Empfänger oder Menschen im Mindestlohnsektor, die überdies noch von Arbeitslosigkeit bedroht sind.
Selbst die erkennen aber oft, dass ein BGE nicht die Lösung aller Probleme sein kann. Menschen ohne Arbeit (egal ob mit BGE oder hartz 4) sind die Ärmsten in einer Gesellschaft. Insofern wollen viele Hartz 4 Empfänger und Mindestlöhner vor allem Jobs UND bessere Jobs. Sie sind nicht an einem BGE als Kapitulationserklärung gegenüber der Wirtschaft interessiert.
Ich glaube, es liegt im Kern unseres menschlichen Wesens, dass wir für uns eigenverantwortlich handeln wollen und auch unseren Lebensunterhalt verdienen wollen. Die Mehrheit der Langzeitarbeitslosen sind m.E. auch nicht faul, sondern haben schlicht den "Kontakt zur Welt" verloren.