Ich hoffe es ist okay, wenn ich mich hier zum ursprünglichen Thema äußere...
Ich sehe ehrlich gesagt keinen so große Bedeutung in dem Wort "Opfer". Ist es im Grunde nicht egal, wie man das nennt?
Für mein Verständnis bin ich ein Opfer, solang ich in einer Situation bin, aus der ich aus eigener Kraft nicht rauskomme, sei es aus körperlicher Unterlegenheit, aus Abhängigkeit, falschverstandener Loyalitat oder aus Angst. Wenn ich aus der Situation raus bin, bin ich kein Opfer mehr, auch nicht, wenn ich noch mit den Folgen des Opferseins kämpfe. Aber das Wort "Überlebender" mag ich auch nicht.
Das sind für mich Menschen, die knapp am Tod vorbei geschrammt sind, sei es durch Unfall oder Krankheit oder sonstwas. Mein Bruder hat die Situation nicht überlebt, ich schon- aber ich habe trotzdem nicht das Gefühl, knapp am Tod vorbei gekommen und demzufolge ein Überlebender zu sein. Ich weiß nicht, wie ich mich nennen würde, vielleicht "traumatisiert"? Der Zustand, in dem ich mich befinde, hat meiner Meinung nach auch nichts mit krank zu tun, auch wenn das oft so hingestellt wird. Und auch wenn ich in Behandlung bin, bin ich deswegen doch nicht krank. Oder? Schließlich würde man auch niemanden, der zum Zahnarzt, Logopäden, Ergotherapeuten usw. geht als krank bezeichnen.
Mir geht's zwar manchmal beschissen, aber ich bin nicht krank, nicht verrückt und auch kein Opfer!
Ich bin bloß ein Mensch, der versucht, sein Leben auf die Reihe zu kriegen, wie auch immer.
liebe Grüße
Bowie
Danke dir für diesen Beitrag, da alles längst vorbei ist, ich mich auch den Tätern entgegenstellen konnte, als ich dazu endlich groß, stark und reif genug war, fühle ich mich nicht als Opfer. Doch Überlebende, das bin ich schon, nicht nur aufgrund von Gewalterfahrung, aber eben auch. So richtig bewusst, wurde es mir erst im letzten Jahr durch die nächtliche Atemnot, verschiedenster Art.
Einst Opfer gewesen zu sein, erscheint mir immer noch sehr schwierig zu sehen, vielleicht liegt es einfach daran, wie das ganze damals war. Vielleicht liegt es daran, wie der Überlendsmachanismus ist/war.
Vielleicht liegt es einfach daran, wenn das ich nicht mehr als ich da ist, sondern....
Ich fühle mich nicht mehr als Ofer, weil ich schon oft gezeigt habe, dass ich mich schützen kann.
Weil ich inzwischen weiß, was ich bei Flashbacks tun kann.
Ich fühle mich einfach nicht mehr so ausgeliefert.
Ich fühle mich auch nicht krank, wenn mal etwas nicht ganz so geht, dann habe ich einfach das Gefühl, ich muss alte Wunden versorgen, eben Verletzungen behandeln, die zuvor nie Aufmerksamkeit bekommen hatten, die versteckt werden mussten, die angeblich ich mir zufügte (Aussage Mutter).
Meien Mutter, die ist nicht die hilflose Person, die nur nichts unternehmen konnte, sie hat selbst eine extrem aktive Rolle in dem ganzen was damals war. Obwohl sie oft hilflos tat, war sie e nie. Das hat es so nschwierig gemacht ihr die Verantwortung zurückzugeben, die sie hatte. Das ist sicher auch oft der Grund die Mutter als Täterin zu entlarven. Sie kann sich so gut verstecken hinter ihrer "Führsorglichkeit", hinter ihrere eigenen "Hilflosigkeit"....
Oft kehrt sich dann auch noch das Mutter - Kindverhältnis um, das Kind glaubt für die Mutter sorgen zu müssen, sie schützen zu müssen, alles zu tun, damit ihr und vielleicht auch den Geschwistern Schutz geben zu müssen....
Da verdreht sich alles in einer solchen Familie, da wird "das Opfer zum Täter gemacht" und "der arme Täter und die arme Täterin zum Opfer".
"Traumatisiert" ist sicher richtig, denn das bleibt da sicher nicht aus und die Folgen sind da auch sehr unterschidlich und doch oft sehr ähnlich.
Doch was wir hier an der Diskussion immer wieder erkennen, wird der Begriff Opfer, nicht immer so klar benutzt und sehr Unterschiedlich gehandhabt.
Danke nochmal allen, die was dazu beigetragen haben
Mittendurch