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Tourette,

ich verstehe worauf du hinaus willst. Ich finde einmal die Bild geselesen zu haben reicht voellig, man muss dies nicht regelmassig tun um zu begreifen, dass sie nicht bildet.

Klar wird mein Kind irgendwann auch mit Kindern in Kontakt kommen, deren Eltern ausschliesslich dieses Heft lesen. Aber ich moechte nicht, dass mein Kind schon voller Vorurteilen diesen Kindern entgegen tritt.
Menschen, die die Bild lesen muessen ja nicht automatisch doof sein. Vielleicht gibt es auch einfach sprachliche Barrieren, die es ihnen nicht ermoeglichen eine andere Zeitung zu lesen. Kinder sind noch sehr anfaellig fuer sterotypisches Denken. Ich moechte es gerne erstmal selbst Erkenntnisse sammeln, bevor ich ihm die Welt erklaere.

Zum anderen muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich mir auch in diesem Thread noch keine allzugrossen Gedanken gemacht habe, was und wie genau ich meinen Kindern vermitteln werde. Grobe Vorstellungen habe ich dies bezueglich sicher, aber so genau analysiert und detailgenau sind sie eben noch nicht.

Es ging ganz allein um die Frage, ob ich meinen Kindern Maerchen als Negativbeispiele vorlesen wuerde oder nicht. Meine Antwort hierfuer ist ganz klar "Nein".
Dies hat jedoch wenig damit zu tun, ob ich sie nun generell von Problemen der Welt fernhalten will oder nicht. Das ist ein voellig anderes Thema. Deshalb faellt es mir momentan auch etwas schwer mich hier mit grosser Leidenschaft an der Diskussion zu beteiligen.
 
Es ging nie darum zu wissen, dass die Bild nicht bildet. Es geht darum zu wissen, woher ein Teil der Gesellschaft ihre Meinung hat. Wenn ich nicht oft die Bild lese, woher soll ich wissen, welche Meinungen sich ein Teil der Gesellschaft bildet. Woher soll ich wissen, warum ein Teil der Bevölkerung nach Sarrazin eine riesen Party feiern und "Ausländer raus" schreien?

Es geht mir darum auch zu sagen, dass Märchen keine Negativbeispiele sind. Sie sind Allgemeinbildung und Teil der Welt und ich bin der Meinung, dass man als Eltern auch mit den Kinder über unserer Meinung nach schlechten Dinge reden sollten. Es gibt keine bessere Möglichkeit Kindern davon fernzuhalten, als wenn man mit ihnen redet. Denn irgendwann werden sie die Geschichten hören, weil sie absolute Allgemeinbildung ist. Und wenn es außer Haus ist, hat man als Elternteil keine Möglichkeit Einfluss daran zu nehmen.

Und es geht mir darum auch dem Kind beibringen zu wollen, dass manche Menschen eben dümmer sind, aber sie genauso viel Respekt verdient haben und dass es Möglichkeiten gibt an deren Meinungen zu arbeiten, wenn man weißt, woher die Meinungen stammen.

Was die Stereotypen angeht, die du vermeiden willst sehe ich das selbe Problem wie vorhin:
Du scheinst Kindheit als etwas abgeschlossenes zu sehen, dass irgendwann vorbei geht und dann ist man eben erwachsen. Das Kind verliert die Unschuld, bekommt Vorurteile und ist dann ein verbitterter Erwachsener mit Vorurteilen. Aber das ist doch - jetzt mal ganz ehrlich - quatsch, oder?

Auch Erwachsene haben Probleme:
Erwachsene kommen nicht mit den Problemen der Welt klar - sie gehen damit um indem sie nicht daran denken.
Erwachsene haben Vorurteile ggü anderen Menschen.
Erwachsene können keinen nutzen aus ihnen widersprechenden Quellen ziehen, weil sie Schwierigkeiten mit einem konstruktiv kritischen Umgang damit haben.

Und warum haben Erwachsene damit Probleme?
Weil ihnen nie jemand beigebracht hat damit umzugehen. Weil irgendwer mal diesen Mythos vom Erwachsenwerden in die Welt gesetzt hat, nach dem heute viele Menschen glauben Kinder würden ganz automatisch, einfach durch den Ablauf von Zeit, psychisch stabiler, vernünftiger, gebildeter - kurz: einfach erwachsener.

Aber woher denn?

Ein 25-jähriger kommt mit Problemen besser klar als ein 5-jähriger. Und warum?
Weil er es irgendwann gelernt hat. Und mit gelernt, meine ich nicht, dass er es plötzlich an seinem 15. Geburtstag konnte, weil dies gemeinsam mit seinem verstärkten Bartwuchs plötzlich aus dem Nichts gekommen ist.

Wenn du willst, dass dein Kind Märchen kritisch gegenübersteht - woher soll es das denn lernen, wenn nicht von dir?
 
Zuletzt bearbeitet:
Es laesst sich ja bekanntlich darueber steiten, was Allgemeinbildung ist und was nicht. Maerchen gehoeren fuer mich nicht dazu. Oder wenn ueberhaupt, dann erst im Schulalter, wenn das Kind schon verinnerlicht hat, dass Frauen sich Maennern nicht unterzuordnen haben.

Die Bildzeitung werde ich auch nicht lesen, weil mir meine Zeit dafuer zu schade ist. Die Meinung der Allgemeinheit bekommt man auch so ganz gut mit ohne sich diesen Mist selbst auch noch in den eigenen vier Waenden reinzuziehen.
Manch einer liest die FAZ ein anderer die Sueddeutsche und wieder ein anderer ein Lokalblatt oder eben die Bild. Ich werde mir bestimmt nicht alle Zeitungen reinziehen um ja nicht irgendeine Meinung, und sei sie auch noch so wenig stimmig, zu uebersehen.
Tourette, wenn du das tun willst ist das sicher vorbildlich. Aber fuer ein Kind halte ich es schon schwer genug dem normalen Lernpensum nachzukommen.

Kommt natuerlich auf die Persoenlichkeit des Kindes an, aber ich glaube die wenigsten kann man dazu bewegen jedes Kaeseblatt zu lesen, zu analysieren und mit anderen Kaeseblaettern zu vergleichen.
 
Märchen sind Weltkulturgeschichte und pädagogisch auch für die heutige Erziehung wertvoll, zum Ausgleich zu unseren heutigen Kindersendungen oder Actionfilme.
Meine Meinung.
Ohne die Bildzeitung komme ich bestens aus. Volksverdummung hoch Drei. Aber sie manipuliert traurigerweise die "breite Masse" am allermeisten.
Aber um mal wieder etwas das eigentliche Ausgangsthema anzusprechen: Eine harmonische Beziehung zwischen Mann und Frau, die Eltern sind, ist schon die halbe Miete für eine gute Kindheit.... auch hierzu ist m.e. auch nicht nur der Mann als Erzeuger gut. Sicher gibt es auch alleinerziehende Mütter die ihre Sache gut machen, aber wenn ein Kind beide Eltern als Familie hat, ist und bleibt das die beste Voraussetzung für ein Kind.

Nachtblume
 
Nachtblume
und warum sind Maerchen fuer dich paedagogisch Wertvoll? Kannst du das bitte aus deiner Sicht erleutern?
 
Es laesst sich ja bekanntlich darueber steiten, was Allgemeinbildung ist und was nicht. Maerchen gehoeren fuer mich nicht dazu. Oder wenn ueberhaupt, dann erst im Schulalter, wenn das Kind schon verinnerlicht hat, dass Frauen sich Maennern nicht unterzuordnen haben.

Bei der Aussage kommt mir Aschenputtel in den Sinn.

Weißt Du, wenn dir ein 4-5 jähriger sagt, er fühlt sich wie Aschenpauddel, dann hat das Märchen seinen Sinn erfüllt. Dann liegt es an uns Erwachsenen dem nachzugehen!!!!
Kinder können sich nun mal nur ihr kindlichen Sprache bedienen. Die ist erst mit 14 Jahren ausgereift genug!

Ich bin oft als Weihnachsmann unterwegs. Letztes Weihnachten, da war ich in einer Schule. Als ich fertig und am rausgehen war, hielt mich ein 6 jähriger an meinem Mantel fest und meinte: Ich solle seinen Papa nichts schenken, er war böse!!!
Hätte er an das Märchen mit dem Weihnachtsmann nicht gelaubt, was dann?
Die Kinder brauchen den Vergleich zwischen gut und böse. Woher sollen sie denn sonst wissen/erfahren was gut für sie ist/sein kann und was nicht?

Märchen sind greifbare Beispiele. Es liegt an den Eltern, welche Beispiele zeitgemäß sind bzw. fürs Kind kindgrecht nachvollziehbar sind. Das funkrioniert seit Jahrunderten prima!

[...] wenn das Kind schon verinnerlicht hat, dass Frauen sich Maennern nicht unterzuordnen haben.
Das gilt auch andersherrum! Einige Erwachsene können sowas immer noch nicht. Vielleicht hat man denen zu wenig brauchbare Märchen erzählt. Wer weiß. 😉

LG
abendtau
 
Märchen, das ist phantasievolle Prosa!Märchen regen die Phantasie an, wie soll das Powerranger und co schaffen? Und ist es besser wenn Mädchen heute "Hannah Montana" schauen?? Und schon jüngst einen weiblichen Kindheitsschönheitsideal hinterhereifern? Ich glaube es kaum......
 
Oh man, diese Geschichten sind mehrere Hundert Jahre alt. Wie koennt ihr nur solche alten Karmellen eure Kinder erziehen lassen. Ich kann sicher bessere Maerchen schreiben, als diese komischen Gebrueder. Ich find sie haben ein haufen Mist abgeliefert, der damals vielleicht sinnvoll war aber heute nicht mehr.

Wenn mir ne Vierjaehrige sagt, sie fuehlt sich wie Aschenputtel, dann glaubt sie wohl auch vom Prinzen gekuesst zu werden. So ein Quatsch. Mein Kind soll stark sein und sich nicht mit solchen Gesatalten identifizieren muessen. Aschenputtel, Dornroeschen...., dann doch schon lieber Pippi Langstrumpf, die war zwar nicht immer nur lieb und nett, hatte aber immerhin ihren eigenen Kopf.
 
Es laesst sich ja bekanntlich darueber steiten, was Allgemeinbildung ist und was nicht. Maerchen gehoeren fuer mich nicht dazu. Oder wenn ueberhaupt, dann erst im Schulalter, wenn das Kind schon verinnerlicht hat, dass Frauen sich Maennern nicht unterzuordnen haben.
Warum?
Weil Kinder, wenn sie erst einmal Dornröschen ohne emanzipatorische Vorbildung lesen, niemals dieses überholte Frauenbild mehr aus dem Kopf bekommen? Das ist doch Quatsch.
Auch Alice Schwarzer ist in einer nicht-emanizipierten Welt aufgewachsen und hat daran etwas geändert.
Man überzeugt jemanden nicht von einer Sache indem man die Gegenmeinung ignoriert.

Ganz einmal davon abgesehen, dass die Reduzierung von Grimms Märchen auf überholte Gesellschaftssysteme ziemlich albern ist. Da steckt auch noch wesentlich mehr drin - und die gesellschaftlichen Aussagen sind in den historischen Rahmen einzuordnen.

Die Bildzeitung werde ich auch nicht lesen, weil mir meine Zeit dafuer zu schade ist. Die Meinung der Allgemeinheit bekommt man auch so ganz gut mit ohne sich diesen Mist selbst auch noch in den eigenen vier Waenden reinzuziehen.
Manch einer liest die FAZ ein anderer die Sueddeutsche und wieder ein anderer ein Lokalblatt oder eben die Bild. Ich werde mir bestimmt nicht alle Zeitungen reinziehen um ja nicht irgendeine Meinung, und sei sie auch noch so wenig stimmig, zu uebersehen.
Du sollst das ja nicht jeden Tag lesen. Das geht natürlich nicht. Aber es kann sicherlich nicht schaden diese Zeitungen alle mal durchgeblättert zu haben - allein schon um entscheiden zu können, ob für dich da etwas dabei ist.

Tourette, wenn du das tun willst ist das sicher vorbildlich. Aber fuer ein Kind halte ich es schon schwer genug dem normalen Lernpensum nachzukommen.
Wovon redest du?
Was verstehst du denn unter lernen? Wer mit offenen Augen durch die Welt geht,lernt andauernd und überall etwas. Und wenn mein Kind etwas nicht versteht, weil das Thema tatsächlich noch zu schwierig ist, dann versteht es das eben nicht.

Wie bereits erwähnt: Davon wird sein Gehirn keinen Schaden nehmen.

Ganz im Gegenteil. Kinder lernen schnell - und das Lernen und Denken zu schulen wird dem Kind helfen später auch andere Dinge schneller zu verstehen.

Sag mir doch bitte mal umgekehrt einen einzigen Nachteil daran seinem Kind Zusämmenhänge in der Welt zu erklären. Du sagst immer nur "das Kind kann das nicht - das ist überfordert", aber was wäre daran schlimm?
Was hat man zu verlieren?

Kommt natuerlich auf die Persoenlichkeit des Kindes an, aber ich glaube die wenigsten kann man dazu bewegen jedes Kaeseblatt zu lesen, zu analysieren und mit anderen Kaeseblaettern zu vergleichen.
Aber die Persönlichkeit eines Kindes ist doch nichts starres und festes, sondern auch zu einem nicht unwesentlichen Teil, Folge der Erziehung. Und wenn ich Neugierde und Wissbegierigkeit von Beginn an fördere - und das nicht aus elterlichem Ehrgeiz, mein Kind zu einem Karrieremonster heranzuzüchten, sondern mit der Absicht ihm meine offene weltsicht weiterzugeben - und es dabei meine ehrliche Freude und Begeisterung spüren lasse, denke ich, dass ich mein Kind damit anstecken kann.
 
Märchen, das ist phantasievolle Prosa!Märchen regen die Phantasie an, wie soll das Powerranger und co schaffen? Und ist es besser wenn Mädchen heute "Hannah Montana" schauen?? Und schon jüngst einen weiblichen Kindheitsschönheitsideal hinterhereifern? Ich glaube es kaum......

Als Kind mochte ich Schneewittchen un Dornroeschen am liebsten, weil sie so huebsch waren und am Ende eine tolle Hochzeit hatten. 🙄 Nun erklaer mal einer Vierjaehrigen, dass man auch anders gluecklich werden kann und Schoenheit bei weitem nicht so wichtig ist wie ein guter Charakter? Das nimmt doch den ganzen Zauber den das Maerchen eigentlich bewirken will.
 

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