Hallo Tuesday,
deine Aussagen zum Gott des AT kann ich gut verstehen. Wir müssen hier sicher auch immer im Auge behalten, dass die Bibel ein Glaubenszeugnis von Menschen ist und kein von Gott diktiertes Glaubensbuch.
Allerdings empfehle ich dir zu der Frage nach dem grausamen Gott, wenn ich es mal so nennen soll, ein meiner Meinung nach hervorragendes Buch. "Wenn guten Menschen böses widerfährt" heißt es und stammt aus der Feder des jüdischen Rabbi Harold Kushner, der sich sehr schlüssig mit der Frage beschäftigt, warum Gott Leid überhaupt zulässt.
In seinem Buch entfaltet Kushner das Bild eines leidenden Gottes, der sich uns im Leiden nahe weiß, uns also gerade in solchen Situationen nahe ist.
Und damit kann ich nahtlos an Jesus anknüpfen, der Gott seinen Vater nannte. Wörtlich heißt das hebräiische Urwort abba sogar eher Papa und beschreibt also eine Beziehung der Liebe. Ich habe von Kushner gelernt, dass dieser Gott, der Jesus in seiner letzten Stunde so sehr nahe war, auch bei all jenen ist, denen unendliches Leid begegnet.
Es gibt eine Geschichte von Elie Wiesel, in dem der KZ - Überlebende die Hinrichtung eines Jungen in einem KZ beschreibt. Als sie den Knaben aufgehängt haben und die angetretenen Häftlinge abrücken, fragt einer der Augenzeugen nach Gott. Aus der Menge hört man die Antwort: "Dort, dort hängt er am Galgen."
Insofern knüpft der Jude Elie Wiesel an die Geschichte von der Kreuzigung Jesu an.
Natürlich wünschen wir uns alle einen Gott, der eingreift, der uns vor Not und Elend bewahrt.
Der von mir zitierte Kushner sagt dazu, dass Gott eben nicht allmächtig ist, dass er die Gesetze des Lebens und der Natur nicht außer Kraft setzen kann.
Und er beschreibt dann einen Gott, der auch an seiner Schöpfung und seinen Geschöpfen leidet. Genau darin ist er uns dann nahe.
H.