Ich hab so meine Probleme mit Argumenten, in denen "immer" oder "kein einziges Mal" auftauchen, sie sind in der Regel nicht zutreffend.
Es ist nicht nur leicht, die Kirche (welche jetzt genau? Ich spreche von der katholischen, beziehe aber in vielem auch die evangelischen mit ein) zu kritisieren, sondern auch folgerichtig. Einfach schon deshalb, weil ein Großteil dessen, was die Kirche lehrt, in meinen Augen zu dem, wofür Jesus Christus steht, aus der Pervertierung seiner Botschaft der Nächstenliebe und purer Geschichsfälschung besteht. Würde zu weit führen, das im Einzelnen alles aufzuführen - wer Interesse hat, kann sich ja Karlheinz Deschners "Kriminalgeschichte des Christentums" Bd. 1-9 reinpfeifen - will sagen: über die Jahrhunderte haben sich "Christen" so vieler Verbrechen schuldig gemacht, daß es mir schon allein deshalb nicht möglich wäre, einen Glauben an eine Gottheit oder Lehre, die von Organisationen mit derart blutrünstiger, menschenverachtender Vergangenheit anzunehmen, selbst wenn sie sich geläutert gibt und bröckchenweise "Justizirrtümer" hinsichtlich verfolgter und im Namen Gottes gemordeter Wissenschaftler zugibt, das Benutzen von Kondomen für männliche Prostituierte nicht mehr prinzipiell verbietet und vereinzelt Tränen des Bedauerns zeigt über die vielen Mißbräuche, die von ihren Vertretern an Kindern verübt wurden. Auf mich wirkt all das so glaubwürdig wie eine Nachfolgeorganisation der Nationalsozialisten.
Zweifellos vollbringen die "Kirchen" bzw. deren Mitglieder auch gute Taten - mir sind solche Menschen begegnet und mir ist durch solche Menschen schon große Hilfe zuteil geworden. Sie sind mir wertvoll geworden, weil sie das, was ihre Kirche vordergründig postuliert, tatsächlich leben. Unter anderem auch das, wofür Jesus Christus am meisten steht, nämlich Nächstenliebe - und zwar nicht nur dem Glaubensbruder gegenüber, sondern gerade auch schwachen, "sündigen", ungläubigen Mitmenschen gegenüber. Keiner dieser Menschen hat sich jedoch damit begnügt, ein paar formelhafte Gebote oder Richtlinien für alle Menschen auswendig zu lernen und anklägerisch von allen anderen Mitmenschen deren Befolgung einzufordern. Wahrer christlicher Glaube kann nicht darin bestehen, sich auf der "sicheren Seite" zu fühlen, indem man nur die Gebote befolgt und meint, die Nichtgläubigen im Diesseits verurteilen, beschimpfen oder abwerten zu dürfen - das Urteilen über gottgefälliges Leben obliegt Gott allein (wenn man denn seinen christlichen Glauben ernsthaft umsetzen will).
Das relativiert in meinen Augen aber nicht begangene Verbrechen hinweg, und ich denke, es geht den vielen "bösen Ungläubigen" damit nicht anders.
Um den Bogen zur Feiertagsfrage zurückzuspannen: man könnte durchaus auch sagen, daß unsere gesetzlichen Feiertage ein Zugeständnis an die Menschen christlichen Glaubens sind, weil in unserem Staat arbeitsfreie Tage auf die für Christen wichtige Gedenktage gelegt worden sind. Nett von den Nichtgläubigen, dagegen nicht zu protestieren, nicht?