Ich sehe das schon anders, hat vielleicht was damit zu tun daß ich nicht der Auffassung bin, daß "der Staat" mir was schuldet. Ich sehe auch nicht, daß "heutzutage" alles schwieriger sein soll als früher - klar, andere Zeiten, mehr Begehrlichkeiten im Vergleich zu dem, was andere haben und man selbst vielleicht nicht - wie auch immer.
Ich selbst hab nie irgendwas von irgendwem "in den A****" geblasen gekriegt. Ich kenne beide Seiten: heute lebe ich nicht "luxuriös", aber finanziell doch besser als der TE (auch nach Abzug der Kreditraten, die wir wg. Hauskauf auf viele Jahre noch an der Backe haben).
Ich habe auch Zeiten erlebt, in denen ich deutlich unter dem damals üblichen Sozialhilfesatz gelebt habe und Zeiten, in denen mein Single-Netto-Einkommen in etwa dem des TE entsprach. Bis auf die Zeiten, in denen ich tatsächlich verzweifelt war, weil ich nicht wußte, wie ich über die Woche kommen sollte (täglich ein Brühwürfel, heißes Wasser und paar Nudeln waren auf Dauer bissl wenig) hab ich mir nie so besonders viele Gedanken darüber gemacht. Auch mit dem besseren Einkommen hab ich nicht sonderlich geschickt haushalten können, sprich: kurz vor Monatsende war ich immer blank, egal wie viel oder wenig ich verdient hab. Weiß nicht wieso, hat mich nicht so interessiert - ich war allerdings auch nur für mich alleine verantwortlich, mit Familie / Kindern wäre mir das vielleicht weniger egal gewesen.
Mit 1300 € netto kann man gut und vernünftig leben und auch was beiseite legen - vorausgesetzt, man macht sich bewußt, was einem nun wirklich wichtig ist. Wenn ich es wichtig finde, für mich etwas anzusparen - meinetwegen ein Eigenheim aufzubauen - dann ließe sich auch ein Weg finden, entsprechend viel beiseite zu legen. Allerdings: wenn ich mir sage, ich will Auto, gut leben, ausgehen usw. haben, dann geht eben das Beiseitelegen von nennenswerten Beträgen für's Eigenheim nicht. Sprich: feststellen, was man möchte, vergleichen mit dem, was man verdient, Prioritäten festlegen und danach handeln.
Sagt sich wahrscheinlich leichter, als getan... Aber auf die Gefahr hin, mir da 'nen Schiefer reinzuziehen: es scheint heute nicht mehr modern zu sein, zugunsten eigener Wünsche in anderen Bereichen Verzicht zu üben - und "Schuld" ist dann der Staat (wer soll denn das sein?) - es war zu keiner Zeit so, daß man im Leben alles bekommt, was man gerne hätte.