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mein papa muss sterben... was soll ich nur tun?

Hier nochmal ein Artikel aus diesem Forum:

Dr. Doris Wolf - Diplom Psychologin, PsychotherapeutinIn unserer Gesellschaft sind die Themen Tod und Sterben weitgehend aus unserem Leben verbannt. Wir tun alles, um uns nicht damit befassen zu müssen, da sie uns Angst machen.
Dennoch wird jeder von uns im Laufe seines Lebens irgendwann einmal mit dem Tod eines nahen Angehörigen und der Trauer über seinen Verlust konfrontiert. Der Tod ist demokratisch und wir können ihn nicht umgehen. Gefühle, die wir bisher nie oder nie in dieser Stärke erlebt haben, bestimmen plötzlich unser Leben. Wir glauben, sie nicht ertragen zu können, abnormal zu sein oder eines Tages "noch verrückt zu werden". Damit Sie sich Ihren Gefühlen und Körperreaktionen, die die Trauer begleiten, nicht hilflos ausgeliefert fühlen, möchte ich Ihnen den Trauerprozess ausführlich beschreiben.
Wir müssen 4 Phasen der Trauerarbeit durchlaufen, bis wir uns wieder in einem seelischen und körperlichen Gleichgewicht befinden. Die einzelnen Trauer-Phasen, die wir durchlaufen, können sich überlappen, zusammenfallen und sich miteinander vermischen.


Die 4 Stadien der Trauerbewältigung


1. Phase der Trauer: Nicht-Wahrhaben-Wollen und Verleugnung
In der ersten Phase der Trauerarbeit wollen wir nicht wahrhaben, dass der uns so sehr am Herzen liegende Mensch gestorben ist und uns für immer verlassen hat. Wir stehen wie unter einem Schock oder bewegen uns wie in Trance.

2. Phase der Trauer: aufbrechende Gefühle
Wir haben die Hoffnung aufgegeben und verspüren den vollen Schmerz und die Verzweiflung. Wir leiden unter Gefühlsschwankungen, fangen aus heiterem Himmel an zu weinen. Unser Körper ist völlig aus dem Gleichgewicht. Wir können nicht mehr schlafen oder kommen kaum noch aus dem Bett. Wir können nicht ruhig sitzen oder uns kaum noch von der Stelle bewegen. Wir schlingen wahllos Essen in uns hinein oder bekommen keinen Bissen hinunter. Wir haben an nichts mehr Freude. Wir glauben, nie mehr wieder glücklich sein zu können. Wir hadern mit dem Schicksal, "womit wir das verdient haben". Wir beneiden andere Menschen, die ihren Partner behalten dürfen, reagieren gereizt, wenn uns jemand sein Beileid ausspricht oder uns helfen will. Unsere Gedanken kreisen ununterbrochen darum, was wir nie mehr gemeinsam mit dem verstorbenen Menschen erleben können. Das Leben draußen erscheint uns wie ein Film, an dem wir nicht mehr teilhaben können. Diese Phase ist die schmerzlichste und schwierigste Phase in der Trauerbewältigung.

3. Phase der Trauer: langsame Neuorientierung
So langsam beginnen wir wieder, uns nach außen zu orientieren. Wir können uns zeitweise wieder konzentrieren, auch mal an etwas erfreuen. Trauer und Hadern lassen langsam nach und sind nicht mehr so intensiv. Jedoch haben wir noch starke Stimmungsschwankungen. Unser Körper gelangt langsam wieder zu seinem normalen Rhythmus.

4. Phase der Trauer: neues Gleichgewicht
Wir sind zu einem neuen körperlichen und seelischen Gleichgewicht gelangt. Es erfüllt uns bisweilen immer noch mit Wehmut, an die Vergangenheit zu denken, doch wir sehen vertrauensvoll in die Zukunft. Wir werden den verstorbenen Menschen nie ersetzen und vergessen können, aber lenken unseren Blick auf das, was wir jetzt im Leben noch haben können. Wir haben uns eine neue Lebensaufgabe gesucht und uns neue Fähigkeiten zugelegt, die Alltagsaufgaben zu bewältigen. Die Trauerarbeit ist beendet.

Die Zeit heilt keine Wunden


Wir durchlaufen die einzelnen Phasen der Trauer nicht automatisch. In jeder Phase gibt es Menschen, die dort verharren. So sind Ihnen sicher auch schon Menschen begegnet, die nur in der Vergangenheit gelebt haben: "Wie schön wäre es, wenn es noch so wäre wie früher". Andere wiederum verbringen den Rest ihres Lebens damit, mit ihrem Los zu hadern: "Warum musste das mir passieren!" Einige Menschen drücken ihre Trauer nicht aus, sondern unterdrücken sie mit Tabletten oder Alkohol, andere reagieren mit psychosomatischen Beschwerden. Alkohol und Medikemante sind vorrübergehend eine Form der Trauerhilfe. Auf Dauer behindern sie jedoch die Trauerarbeit. Und auch die Zeit alleine ist keine Trauerhilfe und sie erleichtert die Trauerarbeit nicht.

Wie geht man in unserer Gesellschaft mit dem Trauern um?

Kommt der Tod in unsere Familie, gibt es gesellschaftliche Regeln, die uns die Trauer erschweren: Wenn ein naher Angehöriger stirbt, wird erwartet, dass wir stark sind und unsere Gefühle nicht oder nicht über einen bestimmten Zeitraum hinaus zeigen. Sind wir nach dieser Zeit noch von Leid erfüllt, dann hören wir den Kommentar: "Das Leben geht weiter. Du solltest nun schon darüber hinweg sein". "Lass dich nicht so hängen". Andererseits bekommen Menschen, die relativ schnell wieder unbeschwert sein können, zu hören: "Sie kann ihren Partner nicht geliebt haben, wenn sie ihn so schnell vergisst". Trauer wird zum Liebesbeweis.

Ganz anders gehen außereuropäische Völker mit dem Tod um. All das, was wir in unserem Körper während der Trauer erleben, aber in unserer Gesellschaft kaum ausdrücken dürfen, ist dort gestattet oder wird sogar erwartet: zu klagen und zu weinen, nicht zu arbeiten, nicht zu schlafen, nicht zu essen, sich von anderen Menschen zurückzuziehen, sein Äußeres zu vernachlässigen. Rituale helfen den Betroffenen, ihre Trauer auf sozial anerkannte Weise zum Ausdruck zu bringen, so dass sich keine schwere Depression oder andere krankhafte Prozesse entwickeln können. Gefühle der Trauer zuzulassen ist ein notwendiger Bestandteil der Trauerarbeit.

Was können Sie tun, um Ihre Trauer zu bewältigen? Eine kleine psychologische Trauerhilfe


Der Weg durch die Trauer bis zu einem neuen Gleichgewicht dauert bei den meisten Menschen zwischen drei und fünf Jahren. Deshalb sollten Sie zunächst lernen, Ihre Gefühle zu akzeptieren - auch "verrücktes Verhalten" wie etwa die ganze Nacht das Radio laufen zu lassen, um die Einsamkeit nicht zu verspüren. Ihren Schmerz sollten Sie nicht mit Tabletten, Alkohol oder Süßigkeiten betäuben - oder zumindest nicht länger als vier Wochen. Ein Tagebuch, dem Sie Tag und Nacht all Ihre Verzweiflung anvertrauen können, kann gute Dienste für Sie leisten.
Heute gibt es in manchen Städten auch Gruppen für die Trauerbewältigung, in denen Sie sich mit Menschen, die sich in der gleichen Lebenssituation befinden, treffen können. Große grundsätzliche Entscheidungen wie Umzug, Hausverkauf oder Stellenkündigung sollten Sie anfangs ebenfalls vermeiden. Ein Tagesplan, in dem Sie sich ganz kleine Schritte vornehmen, wird Ihnen dabei helfen, zumindest das Nötigste zu regeln. Wichtig ist es auch, die Wochenenden zu planen. Sollten Sie nachts den Wunsch nach einer menschlichen Stimme haben, können Sie die Telefonseelsorge (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) vollkommen anonym anrufen.
Ihr Körper braucht - obwohl Sie gerade jetzt wahrscheinlich am wenigsten Interesse an einer gesunden Ernährung haben - Ihre Aufmerksamkeit. Gut bekommen ihm Vollwertprodukte, Salat, Obst und rohes Gemüse. Auch eine Nahrungsergänzung durch die Vitamine B, C und E sowie den Mineralstoff Magnesium ist empfehlenswert. Um Ihre körperliche Anspannung abzubauen, sind Spaziergänge oder eine Entspannungsübung zu empfehlen.

Die Verarbeitung einer Trauer ist wie eine Bergbesteigung. Sie müssen unten im Tal beginnen und sich langsam nach oben emporarbeiten, bis Sie wieder eine neue Lebensperspektive für sich erkennen können. Sicher ist, dass Sie Ihren verstorbenen Partner, Angehörigen oder Freund nie vergessen können und werden. Die Erinnerung wird Sie im Laufe der Zeit jedoch nicht mehr so stark schmerzen und Ihre Trauer wird nachlassen.
 
Hallo,
mensch Süsse,geh zum Arzt,lass dir helfen.....
Ist doch klar,das du auch mal überreagierst,bist in einer Ausnahmesituation.
Ich drück dich mal ganz doll.
 
in manchen Gemeinden ist der Pfarrer eine gute Ansprechperson bzw hat die Kirche eine Art.. Seelsorge(?) - kA wie man das nennt- eingerichtet. Zumindest kennen die meist auch die anderen lokalen Organisationen für zwischenmenschliche Probleme sehr gut; wenn es also nicht "paßt" kann man dir sagen, wo/was sonst noch möglich ist.

Das ganze ist wahrscheinlich auch recht unabhängig von Deinem Glauben. Ich denke.. sie werden dir trotzdem helfen auch wenn das nicht "Deine Glaubensrichtung" ist. Es sind einfach MEnschen die ausgebildet sind, in solchen Themen zu unterstützen.

alles Gute,
lionhead
 
hallo zusammen,

ich hab s jetzt mal mit der telefonseelsorge probiert. hat mir nicht wirklich weitergeholfen... irgendwie war da ein ganz komischer mensch am telefon... der hat mir gebete vorgelesen und so und nochmal anrufen mag ich nicht unbedingt, weil ich glaube dass es mir längerfristig nicht weiterhilft.

morgen früh habe ich einen termin bei meinem hausarzt. nach einer relativ schlaflosen woche wird es langsam zeit. meine konzentration ist gleich 0. ich trau mich garnicht mehr auto zu fahren.

ich hoffe dass mein hausarzt mir weiterhelfen kann. ich halte euch auf jeden fall auf dem laufenden. heute abend bekomme ich noch besuch von freundinnen. beide halbwaisen. vielleicht frage ich die mal was ich machen kann... wenn ich mich traue.

danke schonmal an alle die mir so geholfen und mich aufgebaut haben
 
liebe sterndal!
oh, wie ich dich verstehe. meine mutter verstarb vor 3 jahren, und ich habe auf "alles gepfiffen", bin zum arzt, also zu meinem hausarzt, habe ihm die angespannte, traurige, ungewohnte situation erklärt, und mir ein beruhigungsmittel, also kein baldrian, verschreiben lassen. ich wurde ruhiger, aber nicht paralysiert, habe den schlaf wieder gefunden, was in einer solchen extremsituation enorm wichtig ist, weil man für beide elternteile und sich selbst stark sein will, oder sein sollte... ich habe mir aber auch phasen gegönnt, in welchén ich mich einfach fallen ließ, um in ruhe zu "begreifen", was sich jetzt ändern wird, wenn sie fort ist. zögere nicht, sterndal, bitte gehe zum arzt. KEINER hält dich für "bekloppt", das ist MENSCHLICH!!!
lieben gruß, frauenrausch
 
seit gestern ist alles wieder schlimmer. ich bin gestern abend zusammengebrochen. ich finde es so schrecklich nichts tun zu können. es macht mich fast verrückt einfach nur dazusitzen. ich verstehe nicht wieso überhaupt noch eine chemo gemacht wird. es bringt ja nichts. da wär es doch besser das leben noch ein bisschen zu geniesen, nochmals zu verreisen und einfach das zu tun was man will als jeden tag an der chemo zu hängen die im endeffekt doch nichts bringt.

ich bin so sauer auf die ärzte. sie hätten es viel früher sehen müssen.

ich bin wütend und enttäuscht. und ich weiß nicht wie das alles noch enden soll. ich kann nicht so stark sein wie man es von mir erwartet.
 
Hallo,
wenn dein Papa Chemo bekommt,die er warscheinlich dringend benötigt,besteht denn vielleicht doch noch Hoffnung????
 
nein uli durch die chemo besteht keine hoffnung mehr. es handelt sich um eine palliative behandlung die nur dafür sorgt dass er noch mehr zeit hat!
 
Hallo sterndal,

ich kann sooo.... mit Dir mitfühlen, mein Vater ist vor fast 6 Jahren auf ähnliche Weise an Darm- und Leberkrebs gestorben. Es ging ca. 2 Jahre hin- und her, Operationen, bei denen die (wirklich guten) Ärzte alles versucht haben. Letztlich kam dann die Chemo, die zwar den Krebs immer gestoppt hatte, aber sie mußte zyklisch abgesetzt werden, weil der Körper das sonst nicht verträgt und dann flammte es wieder auf. Ja, es ist furchtbar, wenn man einen Menschen liebt und man zusehen muß, wie er abbaut, leidet und stirbt. Da gibt es auch keine einfachen Antworten drauf. Es reißt einem einfach das Herz heraus.

Ich habe mich auch oft gefragt, was hätte ich tun können und müssen. Die Ohnmacht, die man in diesem Moment bzw. in dieser Situation empfindet, ist belastend.

Ein paar Erfahrungen würde ich Dir ans Herz legen: Verbringe Zeit mit Ihm, sag ihm, dass Du ihn liebst und auch immer lieben wirst, danke ihm für die vielen Dinge, die er für Dich getan hat. Falls es irgendetwas zwischen Euch geben sollte, was noch nicht ausgesprochen ist, sprich es an und vergib ihm, falls es erforderlich sein sollte. Schau ihn durch die Augen der Liebe an. Die Liebe ist stärker als der Tod, sie ist ewig. Das kann Dir niemand jemals wegnehmen.

Mir war das leider nicht so möglich, weil zwischen uns über 400 Km Entfernung lagen. Heute würde ich alles in Bewegung setzen, um die letzten Wochen, Tage und Stunden für ihn da zu sein.

Es war furchtbar, ihn beim letzten Besuch im Krankenhaus zu verlassen und von ihm zu hören "das ist nun das letzte Mal, dass wir uns sehen". Mir läuft heute noch ein Schauer über den Rücken.

Die Frage, nach dem "Warum" des Sterbens ist außerordentlich schwierig.

Ich muß noch dazu schreiben, zu dieser Zeit war bereits Christ, aber eben noch nicht so weit wie heute. Da stand ich der Situation teilweise hilflos gegenüber. Mit der Erfahrung und den Erlebnissen, die ich inzwischen habe, würde ich mit einem Team von Leuten den Himmel herunterbeten für entweder Heilung oder ein Sterben und Abschied nehmen in einem tiefen Frieden, der alles menschlich Vorstellbare übersteigt. Die Sache funktioniert wirklich. Wir erleben Dinge, die ich noch vor einiger Zeit nicht für möglich gehalten hätte.

Ich wünsche Dir und Deinem Vater diesen tiefen himmlischen Frieden und die Geborgenheit, die Du dadurch erfahren wirst.....

Herzliche Grüße...

Liebermann
 

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