Hallo Respekt
Ich finde, die letzten Beiträge haben Deine Situation noch einmal gut zusammen gefasst.
Mal ein anderes Beispiel. Spielautomatenaufsteller beklagen sich darüber, dass ihre Kunden sie nicht so besonders mögen, und dass das Image der Automatenbranche etwas schmuddelig ist. Nur, was soll ich den Menschen dazu sagen? Das Image wird schmuddelig bleiben. Entweder sie machen ihr Ding und nehmen das in Kauf, oder sie müssen etwas anderes machen. Eine Spielhalle wird nicht dasselbe Image bekommen, wie ein anderer Betrieb der Freizeitbranche, zum Beispiel ein Schwimmbad.
Bei Dir ist das ähnlich. Das Ansehen der Prostitution mag sich im Laufe der Zeit noch verändern, aber ich glaube nicht, dass ich erlebe, dass sie voll in die Gesellschaft integriert ist.
Dass Dein erster Thread so abgedriftet ist, wird auch daran gelegen haben, dass Du über das Ansehen von Prostitutierten sprechen wolltest, Meinungen hören wolltest. Letztlich hast Du genau das bekommen. Die Menschen haben ihre Meinung zu Prostitution gesagt. Du hast damit rechnen müssen, dass Dir viele Meinungen nicht gefallen. Selbst eine Krankenschwester muss auch mit kritischen Betrachtungen rechnen, wenn sie nach Meinungen zu ihrem Beruf fragt.
Dazu gehören übrigens auch Bedenken zur Kindererziehung. Natürlich fragen sich Menschen, ob eine Mutter, die mit Sozialhilfe nicht auskommt, und als einzige Alternative die Prostitution sieht, ihren Kindern vermitteln kann, dass man im Leben auch eine Ausbildung machen kann, für ein Durchschnittsgehalt arbeiten geht, und dass es im Leben auch Durststrecken gibt, die man überstehen muss.
So, nun zu meiner persönlichen Meinung.
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich jemals die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nehme. Es gibt nichtmaterielle Dinge wie Sympathie oder Freundschaft, die man im Leben nicht kaufen kann. Es gibt materielle Dinge, die man kaufen kann. Und es gibt eine Grauzone, zu der auch Sex gehört. Sex kann käuflich sein, wenn man es als reine Befriedigung seiner Bedürfnisse betrachtet.
Das ist für mich nicht so. Körperliche Nähe und damit auch Sex ist für mich etwas Persönliches, was zwischen zwei Menschen stattfindet. Insofern kann sie für mich nicht käuflich sein. Ich gehöre auch nicht zu den Menschen, die sich der Illusion hingeben, dass Prositutierte Spaß am Sex mit ihren Kunden haben. So etwas kommt in seltenen Fällen vor, ist aber in der Regel Unsinn. Der Prostituierten geht es ums Geld, sonst würde sie es nicht machen. Ich würde mich täuschen lassen.
Prostitution für mich eine erweiterte Selbstbefriedigung für den Mann, und ein gekaufter körperlicher Mißbrauch für die Frau. Dann bleibe ich lieber bei meinen sexuellen Phantasien, wo mir die Frauengestalten nichts vormachen, bzw wo ich mit mir alleine bin, keine Frau hineingezogen wird, wenn die Phantasien auf den reinen sexuellen Akt reduziert sind.
Im privaten Umgang war ich früher verhalten, heute bin ich vorsichtig. Begriffe wie Rechtschaffenheit, Verantwortungsbewußtsein oder Zuverlässigkeit schwächeln nach meiner Erfahrung bei Menschen aus dem Milieu etwas, besonders in jungen Jahren.
Das ist natürlich nur meine persönliche Sichtweise.
So, nun noch etwas dazu, wie aus meiner Sicht die Ablehnung von Prostitution in der Gesellschaft zustande kommen könnte.
Ich glaube schon einmal, dass ähnliche Sichtweisen, wie ich sie habe, bei Männern eine Rolle spielen. Viele Männer wollen sich nicht täuschen lassen. Welcher Mann findet es schon toll, dass ihm ein Orgasmus vorgespielt wird? Sicher wird es Kunden geben, die Prostitution so in Anspruch nehmen können, wie sie ist. Genauso, wie es Prostituierte gibt, die mit ihrem Job zurecht kommen. Ich glaube aber, dass so mancher Kunde die Illusion braucht, dass die Frau Spaß am Sex mit ihnen hatte. Ich glaube, dass diese Täuschung im Intimbereich, bei der es letztlich darum geht, an das Geld des Kunden zu kommen, zur Ablehnung in der Gesellschaft beiträgt.
Ein anderer Punkt wäre der Einfluß auf Partnerschaften. In welcher Beziehung kann man schon seine Sexualität so frei ausleben, wie man sie sich in der Phantasie vorstellt? Ich glaube, man muss immer Kompromisse eingehen, zwischen dem, was man sich alles vorstellen kann, und dem, was mit dem jeweiligen Partner möglich ist. Prostitution bietet die Möglichkeit, sich das zu kaufen, was mit dem Partner nicht realisierbar ist. Nun sind die meisten Menschen nicht glücklich darüber, wenn ihr Lebensgefährte körperliche Nähe oder Sexualität auch bei einem anderen Menschen sucht bzw auslebt.
Genauso gibt es viele Beziehungen, wo der Sex im Laufe des Alltags einschläft. Die Beziehungen haben aber aus verschiedenen Gründen bestand, sie bestehen ja nicht nur aus Sex. Ob und wie die sexuellen Bedürfnisse der Partner befriedigt werden könnten, ist ein Thema für sich. Aber auch hier werden viele Menschen nicht einverstanden sein, wenn ihr Lebensgefährte sich bei anderen Menschen im Intimbereich sucht, was er in der Beziehung nicht bekommt.
Relikte aus der Vergangenheit könnten auch am schlechten Ansehen beteiligt sein. Verhütung und Schutz vor Krankheiten gibt es noch nicht lange, und es braucht einige Zeit, bis das in den Köpfen der Menschen zu Veränderungen führt. Wobei - das mit den Krankheiten ist auch heute noch aktuell. Mal abgesehen davon, dass es nicht nur Krankheiten gibt, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden, wird ein Kunde, der Sex ohne Schutz sucht, den auch bekommen. Sicher nicht bei jeder Frau, und vielleicht auch nicht in jeder Bar. Aber es findet sich eine Frau, die gegen entsprechenden Aufpreis dazu bereit ist.
Ein weiterer Aspekt wird sein, dass das Milieu illegalen Bereichen näher steht, als beispielsweise eine Warenhauskette. Es gibt Zuhälter, wenn auch meist auf privater Ebene, es gibt Zwangsprostitution, und bei vielen Prositutierten gehören Alkohol und Drogen dazu, um besser mit dem Job umgehen zu können. Die Männer aus dem Milieu, die ich kennengelernt habe, saßen entweder schon einmal im Gefängnis, oder waren schon einmal knapp davor - wobei das sicher nicht auf alle zutreffen wird. Ich glaube nicht, dass das eine Folge des gesellschaftlichen Abseits ist. Da, wo man mit einfachen Mitteln viel Geld machen kann, sammeln sich solche Menschen an.
Das waren jetzt nur einige Aspekte.
Übrigens respekt fände ich es auch besser wenn du deine texte mit satzzeichen und vielleicht auch mit absätzen strukturieren würdest du hast diesen aufwand nur einmal während viele menschen beim lesen den text im kopf so setzen müssen dass sie ihn verstehen das hat auch etwas mit respekt zu tun
Günter