Hallo,
mag sein dass meine Meinung recht hart klang, aber ich denke so sieht die Realität aus. Wichtig finde ich für dich v.a. eine gute Lebensqualität in der sich genügend Selbstachtung ausdrückt, aber umgekehrt hat natürlich auch deine Mutter dasselbe Recht auf ein gutes unbelastetes Leben.
Was die Mutterliebe angeht: ich hatte die auch nie. Aber weil ich sehr liebevolle Freunde hatte, einen großen Bekannten und Freundeskreis, einen liebevollen Partner gefunden habe, sinnvollen Beschäftigungen nachgegangen bin in denen ich Anerkennung fand, habe ich da nie groß was vermisst. Grundsätzlich ist es am allerwichtigsten dass man sich selbst ausreichend liebt und achtet, denn damit ist man autonom genug, also unabhängig und frei genug um nie groß was vermissen zu müssen oder Dingen die man nie bekam (und auch nie bekommen wird) an zu haften. Natürlich ist es hart zu erkennen dass man im Leben nicht genügend Mutterliebe bekommen hat und wahrscheinlich auch nicht bekommen wird,..aber das Leben ist oft hart und in den seltensten Fällen ideal und wie ein Märchenbild oder wie im Hollywoodfilm mit idealen Eltern und wo alle sich immer lieb haben und ein Happy End garantiert ist und sich am Ende Mutter und Tochter um den Hals fallen und alles gut wird gestaltet.
Natürlich kannst du diesen Traum träumen aber solltest die Bodenhaftung niemals dabei verlieren und ausreichend realistisch bleiben bei der Sache...
Es gab damals eine Zeit der Erkenntnis in der ich erkannte dass in Sachen Mutterliebe oder Elternliebe insgesamt wenig zu holen war..eine Zeit der Trauer darüber aus der jedoch danach rasch eine Hoffnung und ein neuer Weg für mich erwuchs. Ich ließ ab von der Illusion dass bei meinen Eltern in Sachen Liebe und Anerkennung noch was zu holen war und wendete mich anderen Menschen zu...dieser Weg war wesentlich erfolgsträchtiger...Hätte ich angehaftet wäre ich wohl depressiv geworden, wer weiss?
Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich dir nur raten: traure nicht einer Sache hinterher die du mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erhalten kannst..sieh lieber nach vorne, lerne dich selbst genug zu lieben, selbst genug ICH auf zu bauen und dir ein liebevolles Umfeld zu schaffen. Halte dich an das was du erreichen kannst. Nutze deine kostbare Lebenszeit sinnvoll und verschwende sie nicht zu sehr an Dinge die dich am Ende nur frustrieren und deprimieren werden.
Deine leibliche Mutter hatte offenbar psychische Probleme...hat sie ggf heute noch und du solltest auch wenn du dich dazu entschließt Kontakt zu ihr auf zu nehmen nicht zu viel erwarten in Sachen Mutterliebe. Mutterliebe entsteht in erster Linie durch die Erstbindung und den engen Kontakt zum Säugling in den ersten Lebensjahren des Kindes ...Mutterliebe ist stets ein Ideal und muss nicht zwingend einfach so da sein, ist oft eher Lernsache....In deinem Fall wirst du nun (da die Bindungsphase fehlte) für deine leibliche Mutter eine Fremde sein...zudem steht da ggf. ein Riesenblock an Traumabelastung-, Scham-und Schuldgefühlen von ihrer Seite und von deiner Seite ein sehr starkes Liebebedürfnis zwischen euch und ich sehe sehr die Gefahr für deine leibliche Mutter, dass dein Bedürfnis nach Mutterliebe und ggf deine darauf beruhende unbewusste Vorwurfshaltung ihr gegenüber sie sehr unter Druck setzen wird und ihr gar nicht gut tut. Und dir ebenfalls nicht, denn intuitiv wird sie sich ggf davor sperren und dich ggf vor den Kopf stossen ...um sich selbst zu schützen.
Falls du Kontakt möchtest, dann rate ich dringend dazu ihn in der ersten Zeit nur in psychologischer Begleitung zu pflegen...damit vermieden wird dass deine leibliche Mutter mit unberechtigten Schuldgefühlen belastet wird und auch damit klar kommt dass du sie ggf vom Aussehen oder vom Geruch her an den Täter erinnerst, was flashbacks bei ihr auslösen könnte, zwischen euch beiden nicht zu viel Druck entsteht etc.
Sie hatte sich damals entschieden dich ab zu geben und auch das Recht dazu..sie schuldet dir an sich nichts..auch keine Mutterliebe...denn jeder Mensch darf frei entscheiden wen er wann liebt oder nicht....Ihre Entscheidung hat jedoch nichts mit dir zu tun...sondern war eher ne Sache zwischen ihr und dem Täter und allein der hat euch entzweit...nicht sie! Hier bitte ne klare Grenze ziehen was wichtig zur Wahrung der persönlichen Integrität deiner Mutter ist. Du solltest die damalige Entscheidung deiner Mutter achten...es wird nicht funktionieren wenn du nun zu ihr Kontakt aufnimmst und ihr (bewusst oder unbewusst) ein schlechtes Gewissen machst weil du ihre Mutterliebe so sehr vermisst hast und ihr eventuell sogar indirekt das Scheitern deiner Beziehung oder dein Scheitern im Leben zum Vorwurf machst? Ich kann deinen Zorn verstehen, aber du solltest dir da auch Grenzen setzen können...denn sonst kannst du ziemliche Schäden anrichten, das wird euch beide nur runterziehen und ggf kaputt machen und damit wirst du dein Ziel auch gewiss nicht erreichen...
Klappen könnte es wenn sie genügend stabil ist und verarbeitet hat und auch du genügend stabil bist (also weniger zornig und ungerecht in deiner Wertung...ungerechte Wertung = deine Logik dass aufgrund der fehlenden Mutterliebe deine Beziehung schief ging etc.) und von dem Traum eines HappyEnds absehen kannst, sondern ggf mit weniger zufrieden bist...also einer kleinen Aussprache oder gelegentlichen Kontakten..also nicht zu sehr ziehst sondern locker genug drauf bist um gar keinen Druck zu machen....bist du das?
Das wärest du meiner Ansicht nach eher in einer solideren Lebenssituation...mit einem festen Partner, mit einem guten Job und in einer Situation in der du dich nicht so sehr an eine vermisste Mutterliebe klammern würdest.
Ich warne also vor zu großer Fixierung auf unrealistische Wünsche und zu viel "Ziehen" (Forderungshaltung) ggü deiner leiblichen Mutter und rate zu psychologischer Begleitung.
Tyra
Noch ein paar aufklärende Worte zu deiner leiblichen Mutter: sie war Gewaltopfer (wer weiss wie oft) und wer weiss was noch so alles schiefgegangen ist in ihrem Leben, zudem scheint sie psychisch labil..in Sachen Liebesfähigkeit kann sie somit (falls sie nicht genug verarbeitet hat oder psychologisch betreut wurde etc.) mit hoher Wahrscheinlichkeit aus gesundheitlichen/energietechnischen Gründen sozusagen sehr wenig leisten, wenig geben denn sie ist ggf nicht einmal in der Lage sich selbst genügend Liebe zu geben..sowas ist oft symptomatisch nach Gewalttraumata..nicht weil sie nicht will, sondern weil sie nicht KANN....daher solltest du nicht zu egoistisch sein und von jemandem etwas erwarten dass er nicht geben kann.
Also abwägen ob sie nicht ggf mit deinem Anspruch Mutterliebe nach zu holen überfordert ist und du damit letztlich ebenfalls überfordert sein wirst.
Und noch was zur Trennung von deinem Freund: deine Mutter ist nicht Schuld daran dass deine Partnerschaft im Eimer ist...es gab sicherlich noch einige andere Gründe...
hechte nicht immer so sehr der Liebe anderer hinterher...hast du nicht nötig...du hast ja dich! Das genügt an sich. Selbstgenügsamkeit ist ohnehin der Schlüssel zu einer guten Beziehung..nur so als Tipp für deine nächste Männerbeziehung und Partnerschaft...
Betr. Glaube: der Glaube an sich selbst reicht an sich 😉