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Prophet71
Gast
Wohl mit Recht kann gesagt werden, dass von allen Geistestraditionen, Weltanschauungen und Religionen der Menschheit der Buddhismus - eine geistige und kulturelle Strömung, die vor 2500 Jahren von dem indischen Weisen Siddharta Gautama Buddha - ausging die älteste gewaltfreie Bewegung ist und diejenige, die dem Anliegen der Gewaltlosigkeit in ihrer Geschichte auch am meisten gerecht wurde. In Buddhas Lehrreden (immerhin einige Tausend Texte) wurde bisher keine einzige Rechtfertigung für Gewaltausübung gefunden. Begriffe wie "Heiliger Krieg" oder "Kreuzzug", ja selbst "Kampf gegen das Böse" sind dem Buddhismus unbekannt.
In der langen Geschichte des Buddhismus gab es auch keinen Fall eines buddhistisch begründeten Angriffskriegs. Kein Beispiel, wo mit dem Ziel der Ausweitung des buddhistischen Einflussbereiches, der Mission oder der Bekehrung ein Krieg geführt wurde
Einige Male führten buddhistische Länder Kriege gegen andere buddhistische Länder, zerstörten gar die Tempel der anderen oder entführten wertvolle Buddhafiguren (insb. Thailand und Burma). Dennoch - diese Kämpfe und Kriege gingen nie von inhaltlichen (Lehr-) Streitigkeiten oder Wahrheitsansprüchen aus und nur selten von den religiösen Institutionen oder Führern.
Der Buddhismus hat sich auch, im Unterschied zu den monotheistischen Religionen, in keinem Land Asiens als einzige Religion durchgesetzt, sondern hat die bestehenden oder sogar neu hinzukommenden Religionen (Islam, Christentum) toleriert oder gar in sich aufgenommen.
Buddhistsein hatte für den Buddha keinerlei Bedeutung. Für ihn zählte nur die gelebte Praxis. Es ging ihm nicht um Glaube, Bekenntnis und Zugehörigkeit sondern um Verwirklichung der Buddhaschaft und die bedarf wahrhaft großer Anstrengung und Ausdauer, wird darum nur von wenigen Menschen ernsthaft angestrebt und nur von sehr, sehr wenigen auch verwirklicht.
der historische Buddha selbst war Angehöriger der Kriegerkaste und Sohn eines Politikers. Sein Vater war gewählter Präsident einer kleinen Stammesrepublik mit Namen Shakya (in Nordindien vor 2500 Jahren). Die spätere mythische Überhöhung machte aus Siddharta einen Königssohn und lies ihn aufwachsen in sagenhaftem Reichtum und Luxus, fern allen Leids. Im Alter von 29 Jahren verzichtete er auf seinen Reichtum und seine Macht und verließ seinen Palast, um von da an über 50 Jahre lang als besitzloser Bettelmönch durch Nordindien umher zu ziehen. Zuerst auf der Suche nach Wahrheit - dann als Erwachter, um durch Lehre, Vorbild und Zuwendung den Menschen einen Weg aus dem Leid aufzuzeigen.
Buddha wurde während seines Lebens dreimal mit drohenden Kriegssituationen konfrontiert. Zweimal konnte er durch sein direktes Eingreifen den Ausbruch eines Krieges verhindern. Einmal, indem er sich unmittelbar zwischen die Fronten stellte und die beiden Kriegsparteien zur Einsicht in das Unheilsame ihres Tuns brachte. Ein andermal, indem er einen König im direkten Gespräch von seinen Kriegsabsichten abbringen konnte. In einem dritten Fall gelang es Buddha jedoch nicht, den Hass und die Kriegsentschlossenheit eines Königs zu überwinden, wobei es hier sogar um sein eigenes Heimatland ging. Dieses wurde erobert, Buddhas Heimatstadt zerstört und ein Großteil seiner Verwandtschaft umgebracht.
Die Lehre und Praxis des Buddha war schon zu seinen Lebzeiten sehr erfolgreich und breitete sich schnell über Nordindien (insb. die Ganges-Ebene) aus. 200 Jahre nach Buddhas Tod wurde der Buddhismus bereits von dem ersten Gesamtherrscher Indiens als Religion angenommen. Kaiser Ashoka hatte, bevor er zum Buddha gefunden hatte, viele Jahre zahlreiche und mörderische Kriege geführt, um Indien zu einigen. Doch dann begegnete er dem Buddhaweg und wurde von tiefer Trauer und aufrichtigem Bedauern über die leidvollen Folgen seines Tuns erfasst. Fortan bemühte er sich, in jeder Hinsicht ein Leben zu führen, das nicht an Macht und Gewalt sondern an der Achtung allen Lebens, an Mitgefühl und Sorge für die Menschen und Tiere seines Landes orientiert war. Ashoka schwor jeder Kriegsführung ab, initiierte zahlreiche soziale Einrichtungen (wie Brunnen, Krankenhäuser, Rasthäuser, schattenspendende Bäume an den Straßen u.a.) und erließ Gesetze zum Schutze aller Religionen wie auch der Tierwelt. Überall im Lande stellte er Säulen auf, auf denen er seine ethischen Grundsätze bekannt machte und er schickte seine Beamten ins Land hinaus, um sich nach den Sorgen und Nöten der Menschen zu erkundigen. Kaiser Ashoka war der Begründer des ersten Sozialstaates in der Menschheitsgeschichte und bis heute in allen buddhistischen Ländern ein Vorbild für gutes Regieren.
Der Buddhismus in Indien dehnte sich zunächst weniger nach Osten und Süden als insbesondere nach dem Westen hin aus, war es doch die Begegnung mit der griechischen (hellenistischen) Kultur durch den Eroberungszug Alexanders, aus der im heutigen Afghanistan und Pakistan eine der ersten hochentwickelten buddhistischen Kulturen, die früheste buddhistische Kunst und die ältesten Buddha-Darstellungen der Geschichte hervorgingen (Gandhara und das Kushan-Reich). Von hier aus breitete sich der Buddhismus in der Form des Mahayana über die Seidenstraße auch nach Zentral- und Ostasien bis Japan hin aus. Ab dem 8. Jahrhundert wurden Afghanistan, Pakistan und Indien von kriegerisch vordringenden persisch-islamischen Eroberern unterworfen. Für jene galt die Lehre des Buddha, die keine Gottesidee kennt, als besonders ausgeprägter Fall von Ungläubigkeit, so dass der Buddhismus in Indien mit seiner großen Tradition bedeutender Klöster und Universitäten völlig zerstört und ausgerottet wurde. Von buddhistischer Seite aus gab es hiergegen nicht den geringsten gewaltsamen oder militärischen Widerstand. Zahlreiche Mönche und Lehrer flohen stattdessen nach Tibet und verliehen dem dortigen Buddhismus einen enormen Aufschwung.
Dasselbe geschah kurz darauf mit den buddhistischen Kulturen entlang der Seidenstrasse, auch sie wurden von islamischen Eroberern weitgehend zerstört. Viele Mönche und Lehrer wichen nach China aus. Einige Zeit später ereignete sich dies noch einmal mit den buddhistischen Kulturen Indonesiens, die ebenso vom Islam verdrängt wurden. Nirgendwo in all diesen Fällen hat der Buddhismus gewaltsamen Widerstand geleistet. Heute geschieht das Gleiche seit der gewaltsamen Besetzung Tibets durch China.
Ein weiteres historisches Beispiel ist die Befriedung Tibets durch den Buddhismus. Tibet kam relativ spät zum Buddhismus. Es war fast 1000 Jahre lang von reich entfalteten buddhistischen Kulturen umgeben (im Süden von Indien, im Westen und Norden von den Kulturen der Seidenstrasse, im Osten von China), war selber aber von einer magisch-schamanistischen Religion (Bön) und einer sehr kriegerisch-expansiven Tradition geprägt (ähnlich wie die Mongolei). Tibet galt in dieser Zeit als der "Schrecken" Innerasiens und war mehrmals in der Lage, das mächtige China zu überfallen und die chinesischen Kaiser tributpflichtig zu machen. Ab dem 7. Jahrhundert drang der Buddhismus von Indien her langsam und unter schweren Rückschlägen in Tibet ein, um sich dann ab dem 11. Jahrhundert endgültig als dominierende Religion und Kultur durchzusetzen und beendete damit alle kriegerischen Aktivitäten Tibets nach außen bis zum heutigen Tag.
Bis heute berühmt-berüchtigt ist Dschingis Khan und der Mongolensturm über fast den gesamten asiatisch-europäischen Kontinent. Im 13. und 14. Jahrhundert herrschten die Mongolen über das größte Reich der Menschheitsgeschichte. In China kamen ihre Herrscher und Militärführer in Kontakt mit der hochentwickelten chinesischen Kultur und mit dem Buddhismus. Der Enkel Dschingis Khans, Kublai Khan (jener, an dessen Hofe Marco Polo zu Gast war) war ein geistig toleranter und gebildeter Herrscher und nahm schließlich den Buddhismus in seiner tibetischen Form als Religion an. Ihm folgte fast das gesamte mongolische Volk. Das hatte zur Folge, dass die Mongolen sich bald darauf weitgehend kampflos aus China in die mongolischen Steppen zurückzogen, wieder ihr anspruchsloses und naturverbundenes Hirten- und Nomadendasein aufnahmen und seither eines der friedlichsten Völker waren.
In unserer heutigen Zeit, im 20. und nun im 21. Jh. gibt es ein breites und ausgeprägtes Friedensengagement bedeutender und zahlreicher buddhistischer Repräsentanten, Lehrer und Anhänger. S.H. der 14. Dalai Lama hat für seine nun 50jährigen, konsequent gewaltfreien Bemühungen um die Unabhängigkeit, Lebensfähigkeit und Entfaltungsmöglichkeit des tibetischen Buddhismus und Volkes 1989 den Friedensnobelpreis erhalten. Heute ist er weltweit die anerkannteste Stimme des Weges der Gewaltfreiheit geworden. Obwohl Tibet in seiner religiösen, kulturellen und ethnischen Existenz gegenwärtig zutiefst bedroht ist, gibt es von Seiten der Tibeter keinen gewaltsamen sondern nur gewaltfreien Widerstand. Stattdessen tragen die zahlreichen aus Tibet geflohenen Mönche und Lamas nun ihre Form des Buddhismus in den Westen und die ganze Welt.
Aung San Suu Kyi, praktizierende Buddhistin und Sprecherin der Demokratiebewegung in Burma (Myanmar), 1990 mit überwältigender Mehrheit zur Präsidentin des Landes gewählt, durch einen Militärputsch bis heute an der Übernahme ihres Amtes gehindert und nun seit über 10 Jahren unter Hausarrest stehend, erhielt 1991 für ihre standhafte und konsequent gewaltfreie Haltung ebenfalls den Friedensnobelpreis. Im Sommer 2002 hatte ihre unermüdliche Ausdauer Erfolg, der Hausarrest wurde aufgehoben, sie kann sich wieder frei im Lande bewegen. Die weitere Entwicklung Burmas darf mit Spannung betrachtet werden.
In den letzten Jahren im Westen sehr bekannt wurde der vietnamesische buddhistischer Mönch Thich Nhat Hanh, der seit 30 Jahren im Exil in einer klösterlichen Gemeinschaft in Südfrankreich lebt. Thich Nhat Hanh gehörte Anfang der 60er Jahre zu jenen buddhistischen Mönchen in Vietnam, die sich unter großen persönlichen Opfern bemühten, den Krieg zwischen Südvietnam und den USA einerseits und Nordvietnam und der Untergrundbewegung des Vietkong andererseits zu verhindern bzw. zu beenden. Da sie sich mit keiner der beiden Fronten identifizieren wollten, waren sie von beiden Seiten grausamer Verfolgung ausgesetzt. Thich Nhat Nhat war viele Jahre in den USA und im Westen unterwegs, um die Menschen über die wahren Vorgänge in Südostasien aufzuklären. Martin Luther King, der ihm begegnete und davon tief beeindruckt war, unterstützte daraufhin die Bewegung zur Beendigung des Vietnamkriegs und wurde dafür ermordet. Kurz zuvor hatte er noch Thich Nhat Hanh für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Ungeachtet dessen durfte Thich Nhat Hanh nach dem Sieg der Vietkong in Südvietnam nicht mehr nach Hause zurückkehren und die Buddhisten in Vietnam werden bis heute verfolgt. Nach dem Krieg engagierte sich Thich Nhat Hanh in bewundernswerter Weise in der Überwindung des Kriegstraumas vieler US-Kriegsveteranen und für die Versöhnung zwischen den beiden verfeindeten Seiten. Auch derzeit wieder, angesichts des 11. Sept. und des neuen Kriegs der USA-Regierung "gegen die Achse des Bösen" ist Thich Nhat Hanh weltweit darum bemüht, für andere, gewaltfreie, die Gewalt wirklich überwindende Lösungen und Antworten einzutreten.
Ein ebenso unermüdlich Friedenangagierter ist der heutige Patriarch des kambodschanischen Buddhismus, der Mönch Maha Ghosananda. Nachdem die Roten Khmer Ende der 70er Jahre in Kambodscha fast alle Mönche und Nonnen umgebracht, die Tempel zerstört und den Buddhismus in diesem Land fast ausgerottet hatten, bemühte sich Maha Ghosananda in den langen Jahren des darauf folgenden Bürgerkriegs zwischen den verfeindeten Fronten Frieden und Versöhnung herzustellen. Dazu unternahm er noch in hohem Alter, jährlich, mit Tausenden von Mönchen, Nonnen und Laien, bei sengender Hitze, viele hundert Kilometer lange Friedensmärsche durch Kriegsgebiet und minenverseuchtes Land. Nicht zuletzt seinen Bemühungen ist es zu verdanken, dass sich die Roten Khmer inzwischen aufgelöst haben, der Bürgerkrieg beendet ist und Kambodscha über eine demokratisch gewählte Regierung verfügt.
In der langen Geschichte des Buddhismus gab es auch keinen Fall eines buddhistisch begründeten Angriffskriegs. Kein Beispiel, wo mit dem Ziel der Ausweitung des buddhistischen Einflussbereiches, der Mission oder der Bekehrung ein Krieg geführt wurde
Einige Male führten buddhistische Länder Kriege gegen andere buddhistische Länder, zerstörten gar die Tempel der anderen oder entführten wertvolle Buddhafiguren (insb. Thailand und Burma). Dennoch - diese Kämpfe und Kriege gingen nie von inhaltlichen (Lehr-) Streitigkeiten oder Wahrheitsansprüchen aus und nur selten von den religiösen Institutionen oder Führern.
Der Buddhismus hat sich auch, im Unterschied zu den monotheistischen Religionen, in keinem Land Asiens als einzige Religion durchgesetzt, sondern hat die bestehenden oder sogar neu hinzukommenden Religionen (Islam, Christentum) toleriert oder gar in sich aufgenommen.
Buddhistsein hatte für den Buddha keinerlei Bedeutung. Für ihn zählte nur die gelebte Praxis. Es ging ihm nicht um Glaube, Bekenntnis und Zugehörigkeit sondern um Verwirklichung der Buddhaschaft und die bedarf wahrhaft großer Anstrengung und Ausdauer, wird darum nur von wenigen Menschen ernsthaft angestrebt und nur von sehr, sehr wenigen auch verwirklicht.
der historische Buddha selbst war Angehöriger der Kriegerkaste und Sohn eines Politikers. Sein Vater war gewählter Präsident einer kleinen Stammesrepublik mit Namen Shakya (in Nordindien vor 2500 Jahren). Die spätere mythische Überhöhung machte aus Siddharta einen Königssohn und lies ihn aufwachsen in sagenhaftem Reichtum und Luxus, fern allen Leids. Im Alter von 29 Jahren verzichtete er auf seinen Reichtum und seine Macht und verließ seinen Palast, um von da an über 50 Jahre lang als besitzloser Bettelmönch durch Nordindien umher zu ziehen. Zuerst auf der Suche nach Wahrheit - dann als Erwachter, um durch Lehre, Vorbild und Zuwendung den Menschen einen Weg aus dem Leid aufzuzeigen.
Buddha wurde während seines Lebens dreimal mit drohenden Kriegssituationen konfrontiert. Zweimal konnte er durch sein direktes Eingreifen den Ausbruch eines Krieges verhindern. Einmal, indem er sich unmittelbar zwischen die Fronten stellte und die beiden Kriegsparteien zur Einsicht in das Unheilsame ihres Tuns brachte. Ein andermal, indem er einen König im direkten Gespräch von seinen Kriegsabsichten abbringen konnte. In einem dritten Fall gelang es Buddha jedoch nicht, den Hass und die Kriegsentschlossenheit eines Königs zu überwinden, wobei es hier sogar um sein eigenes Heimatland ging. Dieses wurde erobert, Buddhas Heimatstadt zerstört und ein Großteil seiner Verwandtschaft umgebracht.
Die Lehre und Praxis des Buddha war schon zu seinen Lebzeiten sehr erfolgreich und breitete sich schnell über Nordindien (insb. die Ganges-Ebene) aus. 200 Jahre nach Buddhas Tod wurde der Buddhismus bereits von dem ersten Gesamtherrscher Indiens als Religion angenommen. Kaiser Ashoka hatte, bevor er zum Buddha gefunden hatte, viele Jahre zahlreiche und mörderische Kriege geführt, um Indien zu einigen. Doch dann begegnete er dem Buddhaweg und wurde von tiefer Trauer und aufrichtigem Bedauern über die leidvollen Folgen seines Tuns erfasst. Fortan bemühte er sich, in jeder Hinsicht ein Leben zu führen, das nicht an Macht und Gewalt sondern an der Achtung allen Lebens, an Mitgefühl und Sorge für die Menschen und Tiere seines Landes orientiert war. Ashoka schwor jeder Kriegsführung ab, initiierte zahlreiche soziale Einrichtungen (wie Brunnen, Krankenhäuser, Rasthäuser, schattenspendende Bäume an den Straßen u.a.) und erließ Gesetze zum Schutze aller Religionen wie auch der Tierwelt. Überall im Lande stellte er Säulen auf, auf denen er seine ethischen Grundsätze bekannt machte und er schickte seine Beamten ins Land hinaus, um sich nach den Sorgen und Nöten der Menschen zu erkundigen. Kaiser Ashoka war der Begründer des ersten Sozialstaates in der Menschheitsgeschichte und bis heute in allen buddhistischen Ländern ein Vorbild für gutes Regieren.
Der Buddhismus in Indien dehnte sich zunächst weniger nach Osten und Süden als insbesondere nach dem Westen hin aus, war es doch die Begegnung mit der griechischen (hellenistischen) Kultur durch den Eroberungszug Alexanders, aus der im heutigen Afghanistan und Pakistan eine der ersten hochentwickelten buddhistischen Kulturen, die früheste buddhistische Kunst und die ältesten Buddha-Darstellungen der Geschichte hervorgingen (Gandhara und das Kushan-Reich). Von hier aus breitete sich der Buddhismus in der Form des Mahayana über die Seidenstraße auch nach Zentral- und Ostasien bis Japan hin aus. Ab dem 8. Jahrhundert wurden Afghanistan, Pakistan und Indien von kriegerisch vordringenden persisch-islamischen Eroberern unterworfen. Für jene galt die Lehre des Buddha, die keine Gottesidee kennt, als besonders ausgeprägter Fall von Ungläubigkeit, so dass der Buddhismus in Indien mit seiner großen Tradition bedeutender Klöster und Universitäten völlig zerstört und ausgerottet wurde. Von buddhistischer Seite aus gab es hiergegen nicht den geringsten gewaltsamen oder militärischen Widerstand. Zahlreiche Mönche und Lehrer flohen stattdessen nach Tibet und verliehen dem dortigen Buddhismus einen enormen Aufschwung.
Dasselbe geschah kurz darauf mit den buddhistischen Kulturen entlang der Seidenstrasse, auch sie wurden von islamischen Eroberern weitgehend zerstört. Viele Mönche und Lehrer wichen nach China aus. Einige Zeit später ereignete sich dies noch einmal mit den buddhistischen Kulturen Indonesiens, die ebenso vom Islam verdrängt wurden. Nirgendwo in all diesen Fällen hat der Buddhismus gewaltsamen Widerstand geleistet. Heute geschieht das Gleiche seit der gewaltsamen Besetzung Tibets durch China.
Ein weiteres historisches Beispiel ist die Befriedung Tibets durch den Buddhismus. Tibet kam relativ spät zum Buddhismus. Es war fast 1000 Jahre lang von reich entfalteten buddhistischen Kulturen umgeben (im Süden von Indien, im Westen und Norden von den Kulturen der Seidenstrasse, im Osten von China), war selber aber von einer magisch-schamanistischen Religion (Bön) und einer sehr kriegerisch-expansiven Tradition geprägt (ähnlich wie die Mongolei). Tibet galt in dieser Zeit als der "Schrecken" Innerasiens und war mehrmals in der Lage, das mächtige China zu überfallen und die chinesischen Kaiser tributpflichtig zu machen. Ab dem 7. Jahrhundert drang der Buddhismus von Indien her langsam und unter schweren Rückschlägen in Tibet ein, um sich dann ab dem 11. Jahrhundert endgültig als dominierende Religion und Kultur durchzusetzen und beendete damit alle kriegerischen Aktivitäten Tibets nach außen bis zum heutigen Tag.
Bis heute berühmt-berüchtigt ist Dschingis Khan und der Mongolensturm über fast den gesamten asiatisch-europäischen Kontinent. Im 13. und 14. Jahrhundert herrschten die Mongolen über das größte Reich der Menschheitsgeschichte. In China kamen ihre Herrscher und Militärführer in Kontakt mit der hochentwickelten chinesischen Kultur und mit dem Buddhismus. Der Enkel Dschingis Khans, Kublai Khan (jener, an dessen Hofe Marco Polo zu Gast war) war ein geistig toleranter und gebildeter Herrscher und nahm schließlich den Buddhismus in seiner tibetischen Form als Religion an. Ihm folgte fast das gesamte mongolische Volk. Das hatte zur Folge, dass die Mongolen sich bald darauf weitgehend kampflos aus China in die mongolischen Steppen zurückzogen, wieder ihr anspruchsloses und naturverbundenes Hirten- und Nomadendasein aufnahmen und seither eines der friedlichsten Völker waren.
In unserer heutigen Zeit, im 20. und nun im 21. Jh. gibt es ein breites und ausgeprägtes Friedensengagement bedeutender und zahlreicher buddhistischer Repräsentanten, Lehrer und Anhänger. S.H. der 14. Dalai Lama hat für seine nun 50jährigen, konsequent gewaltfreien Bemühungen um die Unabhängigkeit, Lebensfähigkeit und Entfaltungsmöglichkeit des tibetischen Buddhismus und Volkes 1989 den Friedensnobelpreis erhalten. Heute ist er weltweit die anerkannteste Stimme des Weges der Gewaltfreiheit geworden. Obwohl Tibet in seiner religiösen, kulturellen und ethnischen Existenz gegenwärtig zutiefst bedroht ist, gibt es von Seiten der Tibeter keinen gewaltsamen sondern nur gewaltfreien Widerstand. Stattdessen tragen die zahlreichen aus Tibet geflohenen Mönche und Lamas nun ihre Form des Buddhismus in den Westen und die ganze Welt.
Aung San Suu Kyi, praktizierende Buddhistin und Sprecherin der Demokratiebewegung in Burma (Myanmar), 1990 mit überwältigender Mehrheit zur Präsidentin des Landes gewählt, durch einen Militärputsch bis heute an der Übernahme ihres Amtes gehindert und nun seit über 10 Jahren unter Hausarrest stehend, erhielt 1991 für ihre standhafte und konsequent gewaltfreie Haltung ebenfalls den Friedensnobelpreis. Im Sommer 2002 hatte ihre unermüdliche Ausdauer Erfolg, der Hausarrest wurde aufgehoben, sie kann sich wieder frei im Lande bewegen. Die weitere Entwicklung Burmas darf mit Spannung betrachtet werden.
In den letzten Jahren im Westen sehr bekannt wurde der vietnamesische buddhistischer Mönch Thich Nhat Hanh, der seit 30 Jahren im Exil in einer klösterlichen Gemeinschaft in Südfrankreich lebt. Thich Nhat Hanh gehörte Anfang der 60er Jahre zu jenen buddhistischen Mönchen in Vietnam, die sich unter großen persönlichen Opfern bemühten, den Krieg zwischen Südvietnam und den USA einerseits und Nordvietnam und der Untergrundbewegung des Vietkong andererseits zu verhindern bzw. zu beenden. Da sie sich mit keiner der beiden Fronten identifizieren wollten, waren sie von beiden Seiten grausamer Verfolgung ausgesetzt. Thich Nhat Nhat war viele Jahre in den USA und im Westen unterwegs, um die Menschen über die wahren Vorgänge in Südostasien aufzuklären. Martin Luther King, der ihm begegnete und davon tief beeindruckt war, unterstützte daraufhin die Bewegung zur Beendigung des Vietnamkriegs und wurde dafür ermordet. Kurz zuvor hatte er noch Thich Nhat Hanh für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Ungeachtet dessen durfte Thich Nhat Hanh nach dem Sieg der Vietkong in Südvietnam nicht mehr nach Hause zurückkehren und die Buddhisten in Vietnam werden bis heute verfolgt. Nach dem Krieg engagierte sich Thich Nhat Hanh in bewundernswerter Weise in der Überwindung des Kriegstraumas vieler US-Kriegsveteranen und für die Versöhnung zwischen den beiden verfeindeten Seiten. Auch derzeit wieder, angesichts des 11. Sept. und des neuen Kriegs der USA-Regierung "gegen die Achse des Bösen" ist Thich Nhat Hanh weltweit darum bemüht, für andere, gewaltfreie, die Gewalt wirklich überwindende Lösungen und Antworten einzutreten.
Ein ebenso unermüdlich Friedenangagierter ist der heutige Patriarch des kambodschanischen Buddhismus, der Mönch Maha Ghosananda. Nachdem die Roten Khmer Ende der 70er Jahre in Kambodscha fast alle Mönche und Nonnen umgebracht, die Tempel zerstört und den Buddhismus in diesem Land fast ausgerottet hatten, bemühte sich Maha Ghosananda in den langen Jahren des darauf folgenden Bürgerkriegs zwischen den verfeindeten Fronten Frieden und Versöhnung herzustellen. Dazu unternahm er noch in hohem Alter, jährlich, mit Tausenden von Mönchen, Nonnen und Laien, bei sengender Hitze, viele hundert Kilometer lange Friedensmärsche durch Kriegsgebiet und minenverseuchtes Land. Nicht zuletzt seinen Bemühungen ist es zu verdanken, dass sich die Roten Khmer inzwischen aufgelöst haben, der Bürgerkrieg beendet ist und Kambodscha über eine demokratisch gewählte Regierung verfügt.