Programmieren ist reine Mathematik, die in Wörtern formuliert ist...
Bei all dem grauenhaften, buggy Code, der so im Umlauf und leider auch in Benutzung ist, muss diese Aussage ein Mathematiker als tiefe Schmähung seiner Zunft empfinden (keine Angst, bin keiner)
🙄
achja: Übrignes ist Java eine Scriptsprache, das ist nochmal was anderes als ne richtige Programmiersprache...
Auch dafür würde manch Java-Apologet einen zünftigen Flame War vom Zaun brechen (bin auch kein Java Hacker, andere Sprachen sind mir weit lieber)
Java ist eine typisierte, weitgehend objektorientierte
vollwertige Programmiersprache, die stark von Smalltalk inspiriert wurde aber sich von der Syntax sehr stark an C/C++ orientiert hat, um die Akzeptanz unter dem riesigen Heer von C Hackern hoch und die Lernkurve für diese niedrig zu halten.
(weitgehend deshalb, weil es eben noch einige nicht OO Datentypen kennt)
Ein wesentliches Entwurfskriterium dieser Sprache (die aus dem Hause SUN stammt) war vor allem das
Write Once, Run Everywhere, das durch eine sog. Java Virtual Machine (die alleine platformabhängig ist und für jede solche verfügbar sein muss) lediglich den aus dem Quellcode vorkompilierten, platform-neutralen Byte Code interpretiert.
Ein weiteres Kriterium war die ausgeprägte Netzwerkfähigkeit insbesondere im Hinblick auf das Internet.
Was Du meintest, war sicherlich Javascript (korrekter ECMA Script),
was mit Java - ausser einer ähnlichen Syntax - wenig gemein hat
und tatsächlich eine Skriptsprache (hauptsächlich für client-seitiges HTTP, also als Plugin in fast jedem Browser) verwendet wird.
Aber ich wollte nicht klugscheissen und eher was allgemein zur Frage der Posterin sagen.
Man muss sicher ganz klar zwischen den Inhalten, die ein Informatik-Studium vermittelt und abverlangt, und dem praktischen Alltag eines in der IT Beschäftigten (wobei es hier wiederum hunderte Nischen gibt) unterscheiden.
Ein Informatik-Studium - insbesondere an einer Uni - ist wirklich sehr theorielastig mit einem sehr starken Mathematik-Bezug.
Das Gleiche gilt aber auch für ein Ingenieur-Studium (komme aus dieser Richtung, kann daher allerdings nicht allzuviel zur Uni-Informatik sagen)
Ein Informatik-Studium muss, soweit ich das durch Einblicke während meiner Studienzeit sowie vielmehr durch Kollegen- und Kundenkontakte in meiner jetzigen Tätigkeit in der IT, von denen viele der Ausbildung nach echte Informatiker sind, mitbekommen habe, nicht unbedingt übermässig viel mit Programmierung tun zu haben.
Und wenn, dann werden an den Unis oft für die Praxis eher weniger relevante Sprachen und Techniken vermittelt.
Das schöne an der Branche ist aber, dass sie Quer-Einstiegsmöglichkeiten für Leute aus ganz anderen Richtungen zulässt
(ich bin oft erstaunt wieviel z.B. Physiker ganz passable Hacker sind).
Du solltest allerdings schon ein ausgeprägtes Interesse für das Programmieren entwickeln, wobei die Wahl der Sprache erstmal eher zweitrangig ist (nimm die, die Dir am ehesten zusagt und auch einigermassen verbreitet ist).
Wenngleich ich - wie gesagt - kein Java Fan bin,
ist Deine Wahl aber schon mal sehr gut, weil sie als vollwertige Sprache einerseits zur Vermittlung auch theoretischer Aspekte geeignet ist und daher wohl auch an FHn und Unis gelehrt wird, andererseits aber auch in der Praxis sich sehr grosser Verbreitung erfreut.
D.h. es gibt auch in der Wirtschaft mittlerweile eine riesige Java Code-Basis und daher werden auch viele Java Entwickler bzw. Architekten von Java Applikationen gesucht.
Dass Du aber bereits seit Kindertagen Dich mit Computern beschäftigt haben solltest, ist keineswegs notwendig, denn für viele kommt der Appetit auch erst beim Essen.
Ich z.B. konnte mit Rechnern und Programmiersprachen noch während meines Grundstudiums überhaupt nichts anfangen und war eher ein Bewunderer des Handwerklichen.
Dieses Prinzip ließ sich aber spätestens im Hauptstudium nicht mehr aufrecht erhalten, weil die erteilten Übungen und Hausaufgaben schlicht nur noch mit Rechnerhilfe lösbar waren.
Also kaufte ich mir mühsam erspart einen PC (damals waren die Dinger noch wirklich teuer), installierte mit Hilfe von Kommilitonen ein freies Betriebssystem mit freier Entwicklungsumgebung und Compilern für alle möglichen Sprachen darauf und fing an mich damit zu beschäftigen.
Was soll ich sagen, meine ursprüngliche Ablehnung hatte sich schnell in das genaue Gegenteil verkehrt.
Genauso erging es mir bei der Wahl meines Studiums.
Von meinen Voraussetzungen her (Abi Durchschnitt 3.3, Mathe nur so lange wie unbedingt nötig und dann mit 4-5) hätte ich nie und nimmer ein Ingenieurstudium nach meiner Lehre aufnehmen dürfen.
Zum Glück gab es zu dieser Zeit an der TU keinen NC,
während diverse FHn, wo ich eine Immatrikulation zuvor versucht hatte,
trotz Gesellenbriefs aufgrund meines miserablen Zeugnisses mich schnöde abgewiesen hatten.
Das ist doch völlig verrückt.
Mein totales Desinteresse an der Mathematik während meiner Schulzeit hatte sich aber
in meinem Fall in einen völlig unerwarteten Vorteil verwandelt,
indem alles, was ich in Vorlesungen, Übungen und Tutorien vorgeführt bekam, absolutes Neuland und daher von ungekanntem Interesse war.
Was ich nie erwartet hätte, machten mir ausgerechnet die als Horror verschrienen Fächer Mathe, Mechanik, Numerik, Hydromechanik, Theoretische Festigkeitslehre etc. regelrecht Spass, vor allem weil ich das auch von einem philosphischen Standpunkt aus betrachtete
(der Versuch der Erklärung der Welt durch die grössten Geister, Suche nach einem göttlichen Prinzip in der Physik etc.)
Ich weiss, dass das insbesondere bei einem eher als pragmatisch, technokratisch diffamierten Gebiet wie den Ingenieurwissenschaften reichlich abgefahren klingen muss.
Möglicherweise unterscheidet das auch meine Generation von der heutiger Studenten, dass ich es so gar nicht auf berufliche Verwertbarkeit der gewonnen Erkenntnisse abgesehen hatte und allein meinem Interesse verpflichtet war.
Man muss allerdings auch eingestehen, dass so eine Haltung sich in den selbst an Universitäten fast nur noch auf Effizienz und Marktausrichtung bis zur Selbstverleugnung wissenschaftlicher und liberaler Prinzipien ausgelegten Studiengängen sicherlich kaum noch durchhalten lässt.
Ach so, Du schriebst, Du wärst zwar gut in Englisch und Französisch, aber diese Sprachen seien nicht exotisch genug,
um darin erfolgreich zu sein.
Nun, das sehe ich ganz und gar nicht so.
Du könntest ja z.B. Deinen Sprach-Faible auch in der IT ausleben und Dich auf das Übersetzen oder Verfassen von Dokumentationen spezialisieren.
In der SW Entwicklung ist die Lingua Franca Englisch schlechthin.
Schon allein, weil viele SW Projekte von weltweit verstreuten Entwicklern betrieben werden, die sich nur über das Internet untereinander austauschen (und ihren Code in Versionskontrollsystmen einchecken) und sich teilweise noch nie in der Realität begegnet sind, obwohl sie mitunter schon Jahre zusammenarbeiten.
Linux z.B. wäre ohne diese Arbeitsweise überhaupt nicht denkbar.
Somit ist der kleinste gemeinsame sprachliche Nenner das Englische.
Programme müssen aber auch in den jeweiligen Landessprachen dokumentiert und deren Interfaces lokalisiert werden.
Und Programierer hassen das Dokumentieren i.d.R. wie die Pest.
Während viele User das Lesen von Dokumentationen offenbar als ihren Arbeitsfluss zu stark einschränkende Zumutung ansehen und davon ausgehen, dass Programme intuitiv bedienbar sein müssen (auch solche, deren sinnvolle Nutzung zumindest ein Mindestmaß an fachlichem Wissen voraussetzen)
Ich bin jedesmal erstaunt, wie in den allgemeinen Klagen über den
Bildungsnotstand hierzulande die zunehmende
Illiteralität hauptsächlich auf die unter Kindern und Jugendlichen zunehmende Benutzung modernen Medien wie WWW, PC, SMS etc. zurückgeführt wird.
Ich habe eher den Eindruck, dass die modernen Informationstechniken den Teilnehmern viel mehr Lesen und Schreiben abverlangen als irgendeiner Generation zuvor.