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Zwangsneurose

Maria339

Mitglied
Hallo 🙂
Nachdem ich vor einiger Zeit einen Thread aufgemacht habe zum Thema Liebe und was das eigentlich ist, habe ich mir wie immer wieder viel Gedanken über mich und mein Leben gemacht und wie alles so läuft. Habe auch wieder viel mit meinem Psychologen gesprochen und wieder einige Dinge über mich selbst gelernt. Aber was bleibt und sich irgendwie immer noch nicht ganz aus meinem Leben verbannen lässt, ist meine Zwangsneurose. Die hat im Oktober 2016 sehr plötzlich angefangen (zu dem Zeitpunkt war es echt schlimm, ich war so überfordert mit diesen plötzlichen Ängsten etwas falsch gemacht zu haben und so gestresst von diesen plötzlich immer anwesenden Gedanken darüber) und auch wenn sich das immer total unglaubwürdig anhört in meinem Alter, hat sich dieses ganze Gegrübel immer gegen meinen damaligen ersten Freund gerichtet. Ich hatte plötzlich solche Panik, in der Vergangenheit vielleicht irgendetwas falsch gemacht zu haben und es einfach vergessen zu haben und hatte für völlig banale Dinge solche Schuldgefühle, dass ich vom Hausarzt über so eine Hotline an den nächsten verfügbaren Psychiater überwiesen wurde. Der hat mich irgendwie überhaupt nicht verstanden und hat mir Aripiprazol verschrieben, was ja eigentlich (laut meinem Psychologen) für Psychosen ist, und was bei einer Neurose gar nicht helfen kann. Davon hab ich nur Schlafprobleme bekommen und geholfen hat es tatsächlich absolut nicht. Dann hatte sich das Ganze eh erstmal erledigt nachdem mein ex Schluss gemacht hat, damit waren dann die Ängste erstmal weg. Irgendwann habe ich angefangen, mich für sexuelle Gedanken schrecklich schuldig zu fühlen und hatte meinem Umfeld gegenüber ein sehr schlechtes Gewissen weil ich dachte "oh man, wenn ihr eigentlich alle wüsstet, wie verrückt ich bin.."
Das habe ich aber mittlerweile auch wieder im Griff, worauf ich schon sehr stolz bin, außerdem weiß ich mittlerweile : egal wie fürchterlich und schuldig ich mich schon für so manches gefühlt habe, nach spätestens mehreren Monaten hatte sich mein Kopf schon wieder was anderes zum drüber Nachdenken gesucht. Jetzt bin ich single und an sich sehr glücklich, allerdings glaube ich mittlerweile auch, dass dieses viele Nachdenken und Schuldigfühlen in meinen letzten 2 Beziehungen auch ein Grund dafür ist, dass ich überhaupt keine Lust mehr habe, mich jemals wieder auf etwas einzulassen. Ich bin auch jetzt zur Zeit minimal von diesem krankhaften Werteverfolgen übermannt, aber das bezieht sich dann meist auf Dinge, die ich schnell wieder ausschalten kann, es ist also auf jeden Fall alle mal erträglicher, als noch vor einem Jahr. Aber trotzdem fragt man sich, warum der eigene Kopf solche Dinge tut? Das fühlt sich so fremd und irgendwie unecht an. Mir ist zb. Treue allgemein sehr wichtig, aber dieser Zwang zwingt mich dazu, das noch viiiiiiel viel enger zu sehen, als ich es normalerweise tun würde. Dieses Gefühl, wenn ich etwas wahrnehme und sich der Zwang dazuschaltet, fühlt sich immer gleich an. Ich kann dieses Gefühl nicht beschreiben aber ich merke dann sofort "ok, das was ich jetzt denke oder wie ich xy bewerte, bin nicht ich." Und trotzdem lässt es mich Schuldgefühle empfinden wenn ich das gar nicht will und ich kann dann nicht anders als so lange darüber nachzudenken, bis ich für mich zu einem zufriedenstellenden Schluss komme.
Warum bin ich so und kann das irgendwann wieder weggehen? Ich würde einfach gern wieder so "normal" denken wie früher, bevor das alles angefangen hat.
Kennt sich irgendwer mit sowas aus?
Ich erwarte keine großen Lösungsvorschläge aber es ist ja auch mal schön, das einfach mal zu ordnen und niederzuschreiben und zu lesen, was andere Leute so darüber denken.

Ich freue mich, wenn ihr bis hierhin gelesen habt und bin für jede nette Antwort dankbar.
Liebe Grüße, Maria 🙂
 
A

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Re: Zwangsneurose
Hallo Maria339,

schau mal hier:
Zwangsneurose. Hier findest du vielleicht was du suchst.
Hm, klingt fast Perfektionistisch "Keine Fehler machen - da Furch vor den unerwarteten Konsequenzen" und sich Verantwortlich für etwas zu fühlen.

Zwang kenne ich auch. Mein damaliger bester Freund, ein starker Mann, hatte in Schulzeiten immer wieder ein Schritt zurück auf einer Treppe gemacht und sich noch mal umgedreht, ob alles in Ordnung sei.
Irgendwann sprach ich ihn darauf an. Er sei deshalb schon in Therapie.
Er machte es, weil er keine Fehler machen wollte, das Gefühl zwang ihm das zu tun.

Ich selbst hatte sowas auch mal. Licht immer eine gewisse Häufigkeit zu betätigen. Zu Zählen oder "richtig" zu laufen. Der Zwang sagt was richtig ist.
Im Grunde so lange bis ich es nicht mehr mitmachte und sagte "ja was soll denn passieren wenn nicht".
Man redet sich dann was ein und denkt das passiert dann doch wegen dem aufhören, doch dem ist nicht so.

Rede dir weiter ein, das du so nicht bist. Das hilft irgendwann diesen Zwang klein zu machen, bis er sogut wie verschwindet.
 
Ich kenne das sich zu zwingen etwas förmlich zu zerdenken bis dieser Punkt kommt, wo man mit den Gedanken zufrieden ist. Hatte dazu schlimme andere Zwänge (nicht nur Gedanken sondern Handlungen) und würde dir raten mal über eine Verhaltenstherapie nachzudenken. Durch die Achtsamkeitsübungen hab ich erstmal gelernt, dass sogar ich wirklich mal vollkommen frei von Gedanken sein kann. Die lassen sich auch daheim immer wieder anwenden, sobald man den Druck aufkommen spürt und kann sich von den Gedanken lösen und von der Zwangshandlung abhalten
 
Hi.

Ich habe auch Zwänge. Schon Jahre lang. Kann dir nur raten gleich was dagegen zu machen. Lg
eclipse. Was sind das für Achtsamkeitkeitsübungen
 
eclipse. Was sind das für Achtsamkeitkeitsübungen

Das ist für mich nicht so einfach in Worte zu fassen. Es geht dabei primär um die eigene Körperwahrnehmung, meine Thera hatte mir am Anfang immer gesagt was ich tun soll, wie Augen schließen und dann nach und hat sie Dinge gesagt auf die achten soll bei meinem Körper bzw. die einmal ganz bewusst wahrzunehmen, das Ziel dabei ist halt ringsrum mal alles auszublenden, die Gedanken abzuschalten und völlig zu entspannen. ^^
 
Liebe Maria339,
ich habe auch Zwänge und habe deshalb (und wegen einer psychiatrischen affektiven Störung) schon einen kompletten Therapiezyklus durch. Damit war es erstmal was besser, aber es bleibt dieses "Gegendenken". Jedesmal, wenn ich einen angstauslösenden Gedanken bekomme, muss ich mich selbst mit einem bestimmten Satz von der Zwangshandlung oder dem Zwangsgedanken abhalten: "Das ist nicht mein Gedanke, sondern der Gedanke meiner Erkrankung." Die gute Nachricht ist, mit etwas Übung klappt das. Die schlechte Nachricht ist, es ist am Ende des Tages nichts anderes als ein Ersatzzwang.
Laut Statistik sind die meisten Zwangsstörungen durch kognitive Verhaltenstherapie gut behandelbar. Du solltest dich vielleicht mal um sowas bemühen, wäre mein erster Gedanke.
Medikamentös können tatsächlich Neuroleptika wie Aripiprazol, eher aber noch Risperidal oder Seroquel helfen, weil sie die angstauslösenden Gedanken hemmen. Gute Ergebnisse erzielten auch Studien mit Patienten, die Antidepressiva aus der Gruppe der Serotonin-Reuptake-Hemmer, insbesondere Paroxetin, Fluoxetin und Cipralex einnahmen. Die senken das Angstpotential langfristig. Allerdings wirken beide Medikamente nicht bei jedem und haben eine ganze Menge unschöner Nebenwirkungen. Ich habe da schon so ungefähr alles ausprobiert und mir hat Paroxetin bisher am besten geholfen, leider konnte ich das wegen meiner anderen Störung nicht weiternehmen. Ob das aber für jeden ein Weg ist, sei mal dahin gestellt. Therapie ist eindeutig die langfristigere Lösung.
Was ich damit eigentlich nur sagen will, du bist nicht verrückt, weil du diese Gedanken hast. Das passiert. Es sind "nur" Gedanken. Ich weiß, dass das wie eine Bagatellisierung klingt, aber es soll nur heißen: Sie tun dir nichts. Sie sind nur lästig. Du bist nicht verrückt. Und auch kein schlechterer Mensch als du ohne sie wärst.
Ich wünsche dir alles Gute.
 
Ich danke euch für eure Antworten.
Was mich so stört bzw. was mir das Gefühl gibt, dass es kaum möglich ist diese Ängste je loszuwerden ist halt, dass ich es theoretisch ja hinbekommen könnte, nicht mehr über diese Dinge nachzudenken, aber dann bleibt ein grausames Gefühl dass da die ganze Zeit was in mir ist, was noch nicht abgehakt ist. Ich habe dann Angst, vielleicht unverdienterweise mein Leben zu genießen, obwohl es vielleicht doch etwas gibt, was ich falsch mache. Etwas, das dann vielleicht so schlimm ist, dass ich die Freundschaft oder gute Beziehung zu anderen Leuten nicht verdient habe.
Ich hab das Gefühl die gesunde Sichtweise auf viele Dinge, z.B. Treue, durch mein exzessives Grübeln darüber in der Vergangenheit total verloren zu haben. Ich kann nicht mehr neutral bewerten, welche Gedanken ok sind und welche nicht. Mein Therapeut sagt, ich müsste meine Einstellung zu bestimmten Dingen lockern damit ich eine gesünderes Verhältnis zu manchen Dinge bekomme und nicht mehr solche Angst habe. Aber wie löst man sich von so.. ja immer so streng eingehaltenen Wertvorstellungen?
Ich denke, viele Menschen mit Zwängen kennen das Gefühl und wissen wie hartnäckig sie sind, aber ich weiß nicht, inwiefern Zwangshandlungen mit "zwanghaften Ängsten" sag ich mal vergleichbar sind. Was mir aber auch bekannt ist, ist diese bedrückenden Gedanken durch Rituale loswerden zu wollen. Jetzt mache ich das nicht mehr so krass wie vor einem Jahr, aber zu der Zeit, wo es richtig schlimm war, habe ich fast nichts anderes mehr getan als mit mir selber darüber zu sprechen, ich konnte einfach nicht anders.
Über noch mehr Erfahrungsberichte wäre ich sehr dankbar. 🙂
LG Sina
 

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