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Zukunft

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highfifi

Gast
Ich mache mir im Moment viele Gedanken über meine (berufliche) Zukunft. Ich lebe mit meinem Freund in einer glücklichen Beziehung. Mein Freund ist ein toller Mensch, in seinem Wesen absolut einzigartig. Sehr sinnlich, zugänglich, gefühlvoll. Weltoffen, positiv und voller Verständnis. Loyal, sorgend, liebevoll. So einen Mann habe ich vorher noch nie erlebt und ich glaube nicht, dass ich so jemanden jemals wieder finde. Kurzum: Ich bin fasziniert, ganz hin und weg von dieser tollen Persönlichkeit. Es würde mich zerreissen, sollten sich unsere Wege trennen.

Nur weiß ich nicht, wie unsere Zukunft aussehen soll. Er ist in unserer Heimat fest verwurzelt, war auch nie wirklich weg von hier. Er hat nur mal für ein Jahr bei seiner Ex-Freundin in einem anderen Ort innerhalb des Stadtkreises gelebt. Seiner Mutter gegenüber ist er sehr verbunden und ich spüre, dass sie sich nur ungern trennen wollen würden. Er tut sich eher schwer damit, sich in einer neuen Umgebung zurecht zu finden. Er gibt aber stets sein Bestes.

Ich bin gerade in einem tollen Studium und will gerne weg von hier. Nicht, weil ich es hier nicht mag, sondern weil meine beruflichen Chancen und mein geistiger Horizont hier nicht gedeihen können. Ich kann mir absolut nicht vorstellen, für immer in diesem Ort zu leben, immer die gleichen Gesichter zu sehen und nur für den Urlaub zu verreisen. Ich will Städte sehen, im In- und Ausland, Erfahrungen sammeln, das Leben in vollen Zügen genießen und viel lernen. Hier bekomme ich in meiner Branche nur Brotjobs und kaum Aufstiegschancen. Ich würde mein Potential und meine bisherigen Bemühungen vergeuden.

Aktuell steht ein Praxissemester zur Debatte, das ich gerne im Ausland oder zumindest in einer Großstadt in Deutschland durchziehen würde. Das wären 4-6 Monate und mein Freund findet das leider gar nicht toll. Er will so lange nicht von mir getrennt sein. Ich habe ihm zwar gesagt, dass er doch mitkommen kann, aber der Gedanke, sich dort für ein paar Monate einen Job zu nehmen, scheint ihm nicht zuzusagen. Er arbeitet hier im Familienbetrieb (den er mal in zehn, fünfzehn Jahren übernehmen will), es wäre eigentlich möglich, dass er hier mal eine Pause, eine "Gap", einlegt.

Kann ich erwarten, dass er mir da entgegen kommt? Fallen euch irgendwelche Kompromisse ein?
 

Hallo highfifi,

schau mal hier: Zukunft. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Kann ich erwarten, dass er mir da entgegen kommt? Fallen euch irgendwelche Kompromisse ein?

Ja, ich würde schon erwarten, dass er ein Gap macht oder mal 4 Monate auf Dich verzichten kann. 4 Monate sind schnell rum.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass wenn Du einmal damit anfängst, Du immer wieder raus willst. Klingt auch nicht so, als wenn Du Dich in Deinem Ort richtig wohlfühlst.

Für Dich wartet die grosse, weite Welt, Dein Freund will immer da bleiben, wo er herkommt.

Beides sind nachvollziehbare Lebensentwürfe, aber, und darum geht's mir hier, wird das langfristig zwischen Euch nicht vereinbar sein.

Entweder Du steckst zurück oder er gibt sein Leben dort auf. Beides geht nicht.

Ein paar Monate Entfernung sehe ich bei Euch nicht als Problem, eher die Zukunft. Und wenn Du erstmal in einer ausländischen Metropole gelebt hast, viel unterwegs warst, wird Dir Dein Freund noch viel provinzieller vorkommen. Das ist nicht abschätzig gemeint, das ist einfach so.
 
Er arbeitet hier im Familienbetrieb (den er mal in zehn, fünfzehn Jahren übernehmen will), es wäre eigentlich möglich, dass er hier mal eine Pause, eine "Gap", einlegt.

Seine Zukunft steht fest. Ich fürchte, damit musst Du Dich abfinden.

Aber ich finde auch, dass er mal eine Pause einlegen könnte und Dich begleiten. Er muss ja vielleicht gar nicht für die ganze Zeit mitkommen, und auch nicht arbeiten. Aber einfach auch mal was anderes sehen. Täte ihm sicherlich gut für die Lebenserfahrung. Und vielleicht (aber eher unwahrscheinlich) bekommt er dann doch auch Lust, vielleicht etwas anderes als den Familienbetrieb in Erwägung ziehen.

Aber zu Hause bleiben für ihn würde ich für dieses Praxissemester auf keinen Fall. Du würdest Dich sicherlich immer fragen, was Du verpasst hast. Und vielleicht, wenn Du mal andere Luft geschnuppert hast, findest Du es zu Hause irgendwann doch am besten...

Sollte jedoch keiner von Euch seine Zukunftswünsche in den nächsten Jahren ändern, sehe ich schwarz für Eure Beziehung.
 
Ich glaube ja nicht einmal, dass ich "für immer" weg von hier bin. Es ist durchaus noch Heimat und ich kann mir auch vorstellen, einen Wohnsitz hier zu haben. Aber eben nicht NUR hier.

Ein paar Monate Entfernung sehe ich bei Euch nicht als Problem, eher die Zukunft. Und wenn Du erstmal in einer ausländischen Metropole gelebt hast, viel unterwegs warst, wird Dir Dein Freund noch viel provinzieller vorkommen. Das ist nicht abschätzig gemeint, das ist einfach so.
Der Witz ist ja, dass er bisher öfter und weiter im Ausland war als ich. Er ist bzw. war Pfadfinder und da waren die dauernd irgendwo unterwegs. Er will auch mal in die USA reisen und nach Asien. Aber eben nur so urlaubsmäßig und das ist nicht so mein Ding. Urlaub finde ich ultrastressig, weil man in wenigen Tagen oder Wochen so viel wie möglich erleben muss, damit es sich gelohnt hat. Keine Ahnung, wieso andere Menschen sowas erholsam finden. Außerdem kriegt man vom "echten" Leben im Ausland nicht so viel mit, wenn man nur einen Trip macht.

Täte ihm sicherlich gut für die Lebenserfahrung. Und vielleicht (aber eher unwahrscheinlich) bekommt er dann doch auch Lust, vielleicht etwas anderes als den Familienbetrieb in Erwägung ziehen.
Das wäre mir ehrlich gesagt auch ziemlich lieb. Ich spüre da dauernd eine gewisse Anspannung, wenn seine Eltern aus betrieblichen Gründen anrufen. Er kommt oft sehr, sehr genervt nach Hause. Liegt wohl alles daran, dass es nicht so einfach ist, als erwachsener Mann immer noch nach der Pfeife der Eltern tanzen zu müssen. Ich denke, dass es für ihn besser wäre, wenn er etwas anderes tun würde. Das habe ich ihm schon gesagt, aber natürlich ist das seine Entscheidung. Er will das jetzt halt durchziehen, damit er den Betrieb dann später übernehmen kann... aber 10, 15, vielleicht sogar 20 Jahre, bis die Eltern freiwillig abtreten (sie sind richtige Arbeitstiere), sind meiner Meinung nach kein Zustand, den man mal eben aushält.
 
Bei Deinen durchaus selbstbewussten, energischen Beiträgen, weltoffen, neugierig kann ich mir keinen Pfadfinder (sowas gab es noch in den letzten 100 Jahren?!?) an Deiner Seite vorstellen, der bei Mama und Papa spurt und als jährliches Highlight das Dorffest feiert.

Ich hoffe Du verstehst meine Überspitzung der Situation, aber Ihr passt wirklich langfristig zusammen?!? 😕
 
Bei Deinen durchaus selbstbewussten, energischen Beiträgen, weltoffen, neugierig kann ich mir keinen Pfadfinder (sowas gab es noch in den letzten 100 Jahren?!?) an Deiner Seite vorstellen, der bei Mama und Papa spurt und als jährliches Highlight das Dorffest feiert.

Ich hoffe Du verstehst meine Überspitzung der Situation, aber Ihr passt wirklich langfristig zusammen?!? 😕
Naja, was heißt schon Pfadfinder. 🙄 Eigentlich treffen die sich unter der Woche nur, um dann zusammen was zu unternehmen und übers Jahr gibts dann ein paar größere und kleinere Outdoorausflüge. Aber er ist da inzwischen auch ausgetreten.

Er "spurt" nicht bei Mama und Papa, er macht seinen Job. Kannst zum Chef ja nicht einfach sagen, dass du heute keinen Bock hast. Nur ist sein Vater eben auch ein anstrengender Mensch und ein dementsprechend nerviger Chef.

Mein Freund ist nicht hinterwäldlerisch oder sowas. Er mag das Leben unkompliziert und das weiß ich auch zu schätzen. Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich eine harmonische Beziehung führe, in der ich mich einfach wohlfühlen kann, in der ich Ich sein darf, ohne dafür kritisiert zu werden. Er stellt mich nicht in Frage, er spornt mich an, glaubt an mich, hilft mir wo er kann. Es gibt wenige Reibungspunkte und wenn wir streiten, dann streiten wir um zusammenzufinden. Wir haben wahnsinnig tollen Sex, wir wollen beide Familie und haben ein sehr ähnliches Nähebedürfnis. Zwischenmenschlich passen wir perfekt zueinander und das ist das Balsam, nach dem sich meine Seele all die Jahre verzehrt hat. Ich wollte vorher nie irgendjemanden heiraten – aber jetzt weiß ich, dass ich ihn nie mehr missen will und da würde ich auch einen Ring drauf stecken. Das alles steht nicht zur Diskussion.
 
in der ich Ich sein darf, ohne dafür kritisiert zu werden.

Was Du schreibst klingt doch schonmal besser. Also passt es bei Euch. Bis auf den Punkt Abenteuerlust.

Ich habe den Satz oben mal stehen lassen. Wenn dem wirklich so ist, dann kannst Du auch Deine Pläne durchziehen.

Man kann auch eine Liste machen, pro und contra, und dann abwägen. Oder fragen, warum er nicht so lang auf Dich verzichten mag. 4 Monate sind keine Ewigkeit. Vielleicht Angst, Dich zu verlieren?

Wenn alles so gut passt, ist auch die Frage, ob Du diesen einen Punkt, ich nenne es mal auswandern, aufgeben magst.

Oder ob Du dieser Chance ewig nachtrauerst.
 
Wo wohnt ihr denn?

Was wäre... wenn du dir eine Großstadt suchst die gut (mit der Bahn/Auto) erreichbar ist.

Als Kompromiss könnte man sich dann ja 4-6 Monate lang trotzdem jedes WE abwechselnd sehen.

Das hätte auch den Vorteil seine Angst vor Veränderung vielleicht etwas abzubauen, auszuprobieren...

Unter der Woche gibt es ja Telefon usw. um sich auszutauschen.
 
Hifhfifi: Das wäre mir ehrlich gesagt auch ziemlich lieb. Ich spüre da dauernd eine gewisse Anspannung, wenn seine Eltern aus betrieblichen Gründen anrufen. Er kommt oft sehr, sehr genervt nach Hause. Liegt wohl alles daran, dass es nicht so einfach ist, als erwachsener Mann immer noch nach der Pfeife der Eltern tanzen zu müssen. Ich denke, dass es für ihn besser wäre, wenn er etwas anderes tun würde. Das habe ich ihm schon gesagt, aber natürlich ist das seine Entscheidung. Er will das jetzt halt durchziehen, damit er den Betrieb dann später übernehmen kann... aber 10, 15, vielleicht sogar 20 Jahre, bis die Eltern freiwillig abtreten (sie sind richtige Arbeitstiere), sind meiner Meinung nach kein Zustand, den man mal eben aushält.

10 - 20 Jahre?? Oje... 10 sind ja noch absehbar. Aber 20... da wäre doch jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt, noch was anderes zu machen und erst später wieder in den Familienbetrieb einzusteigen... wenn Dein Freund zwischenzeitlich entbehrlich ist.

Und bis dahin bist Du vielleicht auch etwas sesshafter geworden? Gerade wenn dann Kinder da sind...

Mach jetzt doch jetzt einfach mal Dein Praktikum irgendwo weiter weg und schau danach weiter. So wie Du Eure Beziehung beschreibst, passt Ihr ja wirklich toll zusammen. Und deshalb denke ich, ergibt sich letztendlich auch ein Lösung, die für beide stimmt.
 
Leute. Wir haben nochmal drüber gesprochen und das war ein richtiges Drama. Nicht, dass wir uns gefetzt hätten, es war einfach nur tierisch emotional. Ich habe ihn gefragt, ob er wirklich für immer hier bleiben will. Er will nicht in eine Stadt ziehen, er will hier bleiben, wo er seine Freunde hat. Der Witz ist halt, und das ist mir auch jetzt erst so richtig aufgefallen, dass meine Freunde nicht mehr hier sind bzw. in absehbarer Zeit verschwinden werden. Er fühlt sich jetzt schlecht, weil er nicht will, dass ich wegen ihm unglücklich werde, aber wegziehen ist für ihn keine Option und jetzt hat er Angst, dass ich Schluss mache und es war ein ganz ganz großes Geheule. Ich kann mir eigentlich nur noch überlegen, ob ich damit klar komme hier zu bleiben oder nicht und das stresst mich gerade so hart. Ich will auf gar keinen Fall Schluss machen.
 

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