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Woran liegt es, wenn man nur einseitige Interessen hat?

  • Starter*in Starter*in Alena
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A

Alena

Gast
Hallo,

mir fällt im Vergleich zu meinem sozialen Umfeld immer wieder auf, daß ich sehr eingeschränkte Interessen habe.
Jede Menge Leute haben mir schon den Vorwurf gemacht, daß ich mich für nichts interessiere, was aber so nicht stimmt.
Doch ich kann bei vielen Dingen tatsächlich nicht mitreden.
Ich sehe mir z.B. kaum Filme an und kenne daher auch nur sehr wenige Schauspieler.
Das löst bei manchen schon Empörung aus.
Ich kenne auch viele Sänger und Musikgruppen nicht, weil ich meistens nur eine bestimmte Musikrichtung gehört habe.

In meiner Kindheit war es schon so, daß ich nur ganz eingegrenzte Interessen hatte, auf die ich jeweils einige Jahre fixiert war. Das fing bei intensivem Lesen und dem Schreiben kleiner Geschichten im frühen Grundschulalter an. Das Lesen ist mir bis heute erhalten geblieben, aber meine Leidenschaften wechselten dann zu Tieren und Fremdsprachen im Teeniealter zu fremden Kulturen und Brieffreunschaften im frühen Erwachsenenalter.
Heute mit fast 30 befasse ich mich überwiegend mit den Interessen Medizin und Psychologie.

Alles, wofür ich mich interessiere, betreibe ich exzessiv.
So wie ich als Kind auch exzessiv gesammelt habe wie Postkarten (ich hatte mehrere Alben), Aufkleber, Glanzbilder, Bierdeckel und Muscheln. Meine Mutter ist oft über den ganzen Kram verzweifelt.

Ansonsten bin ich ehrlich gesagt ein Mensch, der teilweise wirklich mit geschlossenen Augen durch die Welt läuft. So Dinge wie Politik, die aktuelle Mode, angesagte Kinofilme, Skandale oder Liebschaften von Promis, Sport,etc. interessieren mich überhaupt nicht!

Viele empfinden mich deshalb als weltfremd, eben weil ich von vielen Themen keine Ahnung habe und somit auch nicht gut im Small Talk bin.

Ist das ungewöhnlich oder kennt ihr das auch?

Liebe Grüße,
Alena
 
Hallo,
Ansonsten bin ich ehrlich gesagt ein Mensch, der teilweise wirklich mit geschlossenen Augen durch die Welt läuft. So Dinge wie Politik, die aktuelle Mode, angesagte Kinofilme, Skandale oder Liebschaften von Promis, Sport,etc. interessieren mich überhaupt nicht!

Viele empfinden mich deshalb als weltfremd, eben weil ich von vielen Themen keine Ahnung habe und somit auch nicht gut im Small Talk bin.

Nein, bezogen auf die Gesellschaft, auf andere, magst du mit verschlossenen... sagen wir, mit etwas weniger geöffneten Augen durch die Welt gehen. Aber dem ist nicht so. Wo andere breitgefächerte Hobbies haben, hast du Interessensschwerpunkte gelegt. Wenn jemand Fragen an dich hat, sei es bei Postkarten o.ä. bist du diejenige, die dafür bekannt ist, die Ahnung hat - kein Halbwissen!

Dass du nicht gut im Small Talk bist, kann auch personenabhängig sein: Wie gut lässt dich jemand an einem Gespräch teilhaben. Du kennst das doch sicher auch, dass man in einer Gruppe dann eher der/die Außenstehende ist, weil man nirgendwo etwas dazu beitragen kann. Das ist von den anderen unhöflich/ignorant, aber nicht immer bewusst so gestaltet. Was du machen kannst, ist, dass du bei Menschen dein eigenes Feld aufmachst. Erzähl bspw. von einer interessanten, neuen medizinischen Erkenntnis. Dafür lassen sich Menschen doch gerne gewinnen.. wenn es sich im humanen Rahmen befindet. 😉

Liebe Grüße, 🙂
 
1.
Ich kenne dein Gefühl.ich bin auch so mit Interessen und Vorlieben und Leidenschaften.ich bemühe mich stets immer an den anderen zu orientieren.würde ich aber nicht immer empfehlen.bleibe wie du dich am besten fühlst, und suche nicht bei dir den Fehler.und versuche den Tipp von der ersten Antwort zu verinnerlichen.vielleicht kommt ja da, dass eine oder anderer zusammen.viel Glück beim probieren.
 
Ich finde das gar nicht ungewöhnlich, sondern es kommt ziemlich häufig vor. Ich habe mich eine Zeitlang mit dem Thema "Interessensspektren bei Menschen" beschäftigt, weil ich eher das Gegenteil bin (ich interessiere mich für fast alles), und weil mich diese breit gefächerten Interessen auch in Schwierigkeiten bringen. Im Gegensatz zu Dir mache ich nämlich nichts wirklich intensiv, sondern ich hüpfe von einem Thema zum nächsten, bleibe aber letztlich an der Oberfläche.

Es gibt eine amerikanische Autorin, die in ihren Büchern von "Scannern" und "Tauchern" schreibt. Scanner sind Leute wie ich, die alle Interessensgebiete abscannen, sich aber nirgendwo sehr lange aufhalten. Taucher sind Leute wie Du, die sich intensiv für wenige Themen begeistern können und dort sehr tief einsteigen.

Normalerweise gelten Taucher als die besseren Mitarbeiter in einer Firma, weil sie in der Lage sind, sich intensiv und detailliert mit der Materie auseinanderzusetzen, während Scanner in vielen Berufen nicht so gern gesehen sind, weil sie zu "flatterhaft" sind. Du kannst also durchaus zufrieden sein mit Deiner Neigung, den Dingen auf den Grund zu gehen.

Übrigens: obwohl ich ein breites Interessensspektrum habe, weiß ich trotzdem kaum über Mode, Sport, Liebschaften von Promis etc. Bescheid, denn meine Interessen beschränken sich hauptsächlich auf "ernsthafte" Themen: z.B. klassische Musik, Technik, Zeitgeschichte, Geografie, Biologie, Soziologie, Psychologie, Medizin, Theater, Kunst,...

Ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es auch nicht immer einfach ist, sich für fast alles zu interessieren, weil ich mich manchmal zu sehr verzettele und manchmal das Gefühl habe, zwischen den vielen spannenden Themen mittendrin förmlich zu "verhungern". Und am Ende interessiert mich zwar alles, aber ich weiß von allem fast nichts....
 
Hallo Alena,

du beschreibst genau den Konflikt, der in unserer Gesellschaft allgegenwärtig ist: eigene Entwicklung vs. gesellschaftliche Erwartungen.
Es herrscht ein enormer Erwartungsdruck, dass wir in diesem und jenem Moment genau das und das fühlen, wissen und sein müssen, um ein würdiges Mitglied unseres sozialen Miteinanders zu sein. Ich bin noch etwas jünger als du, aber auch ich stehe in dem gleichen Konflikt. Ich bin auch so ein "Taucher", wie knuddel40 es nennt😉
Sehe es mal so: Ein kleines Kind weiß sehr genau was es will und womit es spielen möchte. Es hat einen genauen Plan im Kopf, was es jetzt gerade für seine Entwicklung braucht und geht diesen Weg mit großer Freude. Reißt man es aus seinem Spiel, um ihm irgendwelche Förderungsmaßnahmen aufs Auge zu drücken, reagiert es höchst wiederwillig.
Irgendwann lernt das Kind aber, dass sein eigener Entwicklungsplan schlecht und falsch ist. Der "Ernst des Lebens" beginnt und das Kind lernt in der Schule die "Wirklich wichtigen Dinge im Leben". Es wird belohnt, wenn es sich diesen Wünschen unterordnet und getadelt, wenn es das tut, was es eigentlich viel lieber tun würde. Irgendwann ist die Neugier und der Spieltrieb komplett abgetötet, und der moderne Erwachsene ist fertig ausgebildet. Den Bezug zu sich hat er verloren, in der Welt gibt es nichts Spannendes zu entdecken, sondern nurnoch schwere Aufgaben zu meistern, und eigentlich fühlt er sich so wie er ist unzulänglich und falsch, weil er in sich unterschwellig Gefühle wahrnimmt, die dem "was er sein soll" nicht entsprechen. Glücksgefühle gibt es nurnoch, wenn er Anerkennung von anderen Menschen durch bestimmte gesellschaftlich verlangte Leistungen bekommt.
Ich behaupte aber, dass der Spiel und Entwicklungstrieb eigentlich bis zum Lebensende hin bestehen bleibt. Man ist nie wirklich "erwachsen". Er wird nur unterdrückt.
Sei also stolz darauf, dass du noch spürst was du brauchst und was dir gut tut, und dass du deinen Beschäftigungen mit Freude nachgehen kannst😉 Denn das woran du Freude hast und worauf du dich stürzt ist genau das, was du in diesem Moment brauchst!

Andere Menschen führen in sich einen Kampf und versuchen, ihre eigenen Entwicklungstriebe den Erwartungen anzupassen. Daher nehmen sie in dir genau diesen Entwicklungstrieb und diese Unangepasstheit verstärkt wahr und regen sich darüber auf. Es ist in Wirklichkeit ihr eigener Trieb, den sie in dir zu bekämpfen versuchen.
 

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