Das hat etwas mit Toleranz ggü. Fremdem, Andersartigem zu tun. 🙂 Alles, was irgendwie fremd ist, versucht man irgendwo einzuordnen und wenn es nicht gelingt, erzeugt dies Unsicherheit, Angst, eventuell sogar Wut. 🙁 Ist leider so. Stellen wir alle immer wieder an uns fest. (sage ich jetzt mal so).
@ Kuh: was genau wird denn bei dir als störend empfunden? Dass du impulsiver, gefühlsbetonter bist als andere? 🙂 Ach, find dich geil und gut ist. 🙂 Ich bin auch impulsiver/gefühlsbetonter und ich kenne Gott sei Dank doch einige Menschen, die es auch sind und die damit keine Probleme haben. 😀 Solange du nicht irgendwie bei den Leuten die Wohnungseinrichtung rocker-like demolierst, ist doch alles in Butter! So, nun geh auf die Weide und tobe dich aus, my Dear! 😀😛
haha, nein, ich bin keine rocker-like-kuh und demoliere auch garantiert nichts
🙄, ich bin nur oftmals sehr anders in meinem verhalten.
beispiel: ich komme an einen neuen arbeitsplatz und bin mit vielem noch nicht vertraut, mit der hausordnung, mit den mitarbeitern (deren charakteren, kurzbiographien, interessen, meinungen), mit den arbeitszeiten usw. und muss mich erstmal eingewöhnen/umschauen. ich muss auch viel fragen und stelle die fragen dann auch dementsprechend sachlich (ohne immer einen witz einzubauen und ständig zu grinsen). dadurch unterbreche ich aber immer die "witzstimmung" die am arbeitsplatz (angenehmerweise!) fast permanent herrscht. dort nehmen sich nämlich alle ständig auf den arm, ulken rum und machen spaß. dass mach ich aber nicht aus bößer absicht heraus, sondern einfach, weil ich eh (noch) nicht so der mensch bin, der ständig aus dem stehgreif witzig sein kann und zweitens ich die menschen dort ja auch noch gar nicht wirklich kenne (s.o.), da fällt es mir dann noch schwerer mir spontan was auszudenken.
kurzum, die leute dort sind dann oftmals spätestens nach dem 3. oder 4. male, bei dem ich sie aus einem witzigen gespräch mit jemand anderem herausgebracht habe (durch so eine unwitzige/sachliche frage wie zb. "wo kommt die kiste äpfel hin?") angefressen und wollen nicht mehr so gerne mit mir zusammen sein, weil ich "miese" (wenn auch nur "neutrale") stimmung verbreite.
bitte sagt mir nicht ich sei paranoid oder so, das ist wirklich so, ich merke das richtig! ich kann mein verhalten selber zwar nicht sehr gut steuern und merke oft nicht richtig, dass ich mich für andere anscheinend seltsam verhalte, wie die anderen aber drauf sind kann ich sehr gut an ihren gesichtern ablesen, also probleme gefühle abzulesen/einzuordnen habe ich wirklich nicht!
jedenfalls, um auf die "äpfelkiste-situation" zurück zu kommen, natrl könnte man die frage u.u. auch "witzig" formulieren, zb. so *ächz, stöhn* "äääh..., hilfääää, XY!(=name des mitarbeiters), wo muss ich denn die kiste abstellen, ich glaub ich krieg gleich nen hexenschuss!", aber mir fällt eben einfach nicht immer gleich spontan so was witziges ein, vor allem in dieser äpfelkisten-situation, weil das schwere gewicht ja auch ein negatives gefühl in mir hervorruft und ich dann auch noch den schritt machen muss, dieses negative gefühl zu unterdrücken/umzuwandeln und in das korsett einer witzigen frage pressen muss. und dann ist es ja immer noch nicht "getan", selbst wenn mir dann dieser schritt gelungen ist und der kollege erstmal belustigt ist, muss es ja "weitergehen". der kollege sagt dann zb. so was wie "haha, ja, gib mal her, ich zeigs dir, ich möchte ja nicht den notarzt rufen müssen, weil ich daran schuld bin, dass du dir hier nen bandscheibenvorfall geholt hast!". dann muss ich ja weiterhin lustig sein, weil sonst die lustigkeitsstimmung abbricht und die chance, dass mir das lustige antworten gleich zwei- oder mehrmals hintereinander gelingt, was ja dann notwendig wäre, das gelingt mit nur wirklich ganz, ganz selten.
folge: über kurz oder lang "ruiniere" ich wiederum die lustigkeit und die leute sind angenervt von mir, weil sie mit mir nicht ständig spaß haben können. aber ich kann einfach nicht ständig diese lustigkeit versprühen und will es (ehrlich gesagt MANCHMAL) auch gar nicht, weil ich es (MANCHMAL!) echt etwas "bekloppt" finde bei jeder frage/jedem kommentar irgendwie nen joke zu reißen (zb. wenn einem nur der löffel runterfällt gleich zu sagen "muahaha, na XY, du mit deinen zwei linken händen!" oder so), manchmal nervt es mich auch ein bisschen, weil die echt über jeden mist lachen. ich mein, ich finds ja grundsätzlich gut, denn lieber eine lockere/heitere atmosphäre am arbeitsplatz als umgekehrt, aber ich bin da halt einfach (noch) nicht so drin und das wird mir glaube ich von vielen nicht so wirklich nachgesehen.
kommt mir jetzt übrigens bitte nicht mit "du setzt dich viel zu sehr unter druck", nein, das ist es nicht, denn (mittlerweile) kann ich ablehnung ganz gut verkraften, so lange ich noch wenigstens eine hand voll leute kenne, die mich einigermaßen akzeptieren. denn ich weiß auch mittlerweile, dass leute, die mich wegen meines zwar vll oft komischen verhaltens, aber auf keinen fall richtigen "bösen, verdammenswürdigen" verhalten, ablehnen, selber wohl etwas "beschränkt/ unflexibel/ festgefahren" in ihrem denken sind, weil sie sich nicht auf die neue situation einstellen können.
und kommt bitte auch nicht mit "du machst dir viel zu viele gedanken", das ist zwar an sich richtig, ist in meinem fall aber auch notwendig. ich bin eigentlich meine gesamte kindheit/jugend sehr isoliert aufgewachsen (nur bei der alleinerziehenden mutter ohne geschwister, die sich auch nicht sehr bemüht hat, dass ich mich in sozialen situationen hätte üben können. haben seltenst verwandtenbesuche gemacht, war nie in nem verein o.ä. oder anderen gruppensituationen ausgesetzt) deshalb ist es nun so, dass ich vieles an sozialem verhalten nun wirklich erst "lernen" muss, in etwa so wie man auch eine fremdsprache lernt. "richtig sozialisierten" mag das befremdlich erscheinen, weil sie das adäquate verhalten einfach drin haben, jemand der das aber zumindest z.t. erst alles lernen muss, muss das wirklich ganz grundlegend durch beobachten/nachdenken/verstehen/nachahmen lernen. wie bei ner sprache muss man die regeln (=grammatik) lernen, die vokabeln(=einzelne verhaltensbausteine) usw. und das ist sehr schwer oftmals.
ich bin nur sehr froh, dass ich mir oftmals wenigstens durch nachdenken helfen kann, wenn ich mich vor den kopf gestoßen fühle, weil sich andere abweisend verhalten. wenn ich nicht wenigstens einigermaßen intelligent wäre, dann würde ich von alleine nie drauf kommen, warum andere sich vll abweisend verhalten und wäre einfach so auf dem trip "alle hassen mich" und würde mich auch noch selbst versperren - ein teufelskreis.
der faktor intelligenz, habe ich festgestellt, scheint aber sowieso in gewisser weise ein risikofaktor zu sein bei der entwicklung von sozialem verhalten. sowohl hohe als auch sehr niedrige. denn sehr intelligente menschen/kinder können sich, wenn sie zb. von anderen kindern abgelehnt werden, weil sie sich unsozial verhalten, immer noch auf die ebene der intelligenz "retten", soll konkret heißen, wenn zb. eine gruppe an kindern ein einzelnes nicht mitspielen lassen will, dann kann es sich möglicherweise vor langeweile/einem schlechten gefühl in sofern "retten", als dass es sich dann zb. selbst beschäftigt mit irgendwelchen steinchen/zb. ein muster baut o.ä. und dann gar nicht auf andere soziale kontakte angewiesen ist. dieses verhalten ist zwar auch ganz gut, weil es sich so vor verletzung/negativen gefühlen (bis zu einem gewissen grad) schützen kann, ist aber der sozialisation nicht förderlich, weil es die isolation begünstigt.
ein "normal-intelligentes" kind würde vll nicht auf solche ideen kommen und würde es dann vll durch irgendeine "demutsgeste"/irgendein bestimmtes verhalten doch schaffen in die gruppe "zu integrieren", weil es sich sonst komplett ausgeschlossen fühlen würde und aber auch keiner anderweitigen beschäftigung nachgehen könnte, was aber für sein sozialverhalten positiv ist.
ein unterdurchschnittlich-intelligentes kind jedoch möchte aber wahrscheinlich sogar mit den anderen spielen, wird aber von denen möglicherweise wiederum ausgeschlossen, weil es den anderen vll "zu langsam/zu schwer von begriff" ist. das erzeugt dann wieder negative gefühle bei dem betroffenen kind und es fängt vll an sich ebenfalls unsozial zu verhalten, vll aus wut zu schlagen, weil es sich nicht anders zu helfen weiß. auch verstandesgemäß scheint es also am förderlichsten zu sein, wenn man ganz "normal" veranlagt ist und in kein extrem fällt.
naja, das war jetzt irgendwie ein exkurs, jetzt bin ich etwas vom eigentlichen thema abgekommen.
was ich durch dieses lange beispiel eigentlich illustrieren/sagen/fragen bzw. anprangern wollte:
WARUM REAGIEREN DIE MENSCHEN OFT SO ABWEISEND AUF LEUTE DIE EIN ETWAS ANDERES (BEFREMDLICHES, ABER NICHT BÖSES) VERHALTEN AN DEN TAG LEGEN?
wie schon eingangs angeführt, irritation finde ich noch normal, das ist ja verständlich, aber warum diese menschen dann gleich so "verdammen"/meiden/ignorieren? man könnte doch einfach den offenen dialog suchen, ist doch viel besser! man sollte doch auch (zumindest wenn man erwachsen ist wissen, dass alle menschen nur durch ihre erziehung/ihre sozialisation/ihr umfeld so geworden sind, wie sie sind. manche bleiben ein leben lang gefangene ihres vll wirklich extrem abweichendem verhalten und leiden darunter bestimmt auch sehr, werden suchtkrank oder bilden anderes selbstzerstörendes verhalten aus.
deswegen sollte man diese menschen aber doch auf keinen fall "ächten". das ist furchtbar. man sollte da wenigstens mitleid empfinden, wenn man schon nicht helfen kann (oder nicht möchte).
aber warum scheint bei vielen dann eben automatisch so eine art "schalter" runter zu klappen und die menschen schalten auf den "wir schließen dich aus/ignorier-modus"?
ich habe da übrigens noch ein zweites beispiel, das mich zwar nur indirekt selbst betrifft, aber auch in diesen "plötzlichen ausschließungs-modus", den ganz viele menschen an den tag legen hineinpasst:
in unserer WG sind wir 4 personen, 3 mädchen und ein junge. der junge ist im moment gerade depressiv, weil seine freundin ihn vor 3 monaten verlassen hat, aber bei ihm ist es wirklich schlimm, er muss fast jeden tag weinen, manchmal sind es regelrechte krämpfe die sich über stunden hinweg ziehen, er nimmt tranquilizer und andere psychopharmaka, war schon für ein paar wochen in der psychiatrie, macht therapie und es geht ihm wie gesagt sehr schlecht, sein zustand hat sich auch bis jetzt nicht wesentlich gebessert.
na jedenfalls war er laut aussagen meiner mitbewohner (ich wohne da nämlich noch nicht so lange) früher "ein ganz normaler, netter kerl", bevor diese krise in seinem leben begonnen hat. da kamen sie auch "ganz super" mit ihm aus. aber jetzt wo er so traurig ist und sich oft ganz apathisch verhält, wortkarg ist, zittert und eben diese ganzen anfälle usw. hat, hat sich das verhältnis zu ihm gewandelt. einerseits sagen sie zwar schon "oooh, der arme XY, hoffentlich muss er nicht wieder in die psychiatrie und bleibt bei uns wohnen" usw. aber andererseits kommen auch oft so sprüche wie "ja, wir können ihm da einfach auch nicht helfen" oder sie "belächeln" es im nachhinein, wenn er mal wieder schreiend, weinend und zitternd auf dem boden in seinem zimmer lag und sagen "er sei halt einfach durchgeknallt" oder reden sonst irgendwie so nach dem motto "ja, er sollte sich am besten einfach in fachliche behandlung geben lassen", aber so relativ völlig gleichgültig, so nach dem motto "ist ja nicht mein problem".
dazu denke ich so: es stimmt zwar im grunde, ja, wir als laien/mitbewohner, die keine psychiater sind und seine lebensgeschichte nicht kennen können ihm zumindest therapiemäßig wirklich relativ wenig helfen. auch sollten wir uns wegen ihm nicht "völlig aufarbeiten" (was hier aber eh keiner tut).
aber, und das stört mich an der ganzen sache, ich verstehe nicht, wie ein mensch bei anderen auf einmal anscheinend so "völlig unten durch" sein kann, auf einmal interessiert man sich nicht mehr (sonderlich) für den anderen/ geht ihm aus dem weg, nur weil er (plötzlich/unvorhergesehen)
"andersartig" geworden ist,
nichteinmal böse o.ä. nur in seinem verhalten, wenn auch negativ, andersartig.
versteht mich nicht falsch, auch ich finde, dass man sich wegen dieser sache nicht "fertig machen" sollte, da man eben sowieso wohl nicht sehr viel an der situation verändern kann.
aber ich finde es falsch ihn plötzlich als so eine art "alien" anzusehen, er ist und bleibt immer noch der mensch, der er einmal war, warum wird er also plötzlich auf einmal so ausgeschlossen/ nicht mehr für voll genommen, wenn auch vorwiegend hinter seinem rücken?
das finde ich echt ziemlich gemein/widerlich, obwohl ICH wohl diejenige bin, die "falsch/abnorm" sozialisiert worden ist. aber anscheinend gibt es wie bei den meisten tieren so eine art "hackordnung", wenn es einem schlecht geht/wenn einer sich von der norm abweichend verhält wir ihm nicht etwa hilfe angeboten/wenigestens verständins erbracht, sondern im gegenteil, die person wird auch noch gemieden/ausgestoßen/abgelehnt und das finde ich ziemlich schrecklich.
und das bezieht sich nun eben wieder auf meine ausgangsfrage, WARUM GIBT ES ANSCHEINEND SO EINE ART "NATÜRLICHEN DRANG" ANDERSARTIGKEIT ZU BESTRAFEN/ABZULEHNEN/EINEN HASS DRAUF ZU ENTWICKELN?